Recknagel Hermann

Feuerwache II · Fotos

„Hermann Recknagel hat die Arbeit in der alten Mainzer Feuerwache vor und in ihrem Verschwinden festgehalten, hat Erfahrungen visualisiert, die sonst für immer verloren wären und allenfalls als Erinnerungen fortleben würden.“ Dr. Irene Schütze
„Natürlich ist ‚Feuerwache II‘ ein Stück weit eine dokumentarische Arbeit, aber sie ist nie nur dokumentarisch. Denn in der Arbeit steckt ein stark narratives Element, ich möchte eine Geschichte oder die Geschichte zu einer Geschichte erzählen. Fotografie kann sich glücklicherweise heute von dem Zwang befreien, sich einordnen lassen zu müssen. Die Kategorisierung ‚Dokumentation oder Kunst‘ ist irrelevant geworden. Ich arbeite eher phänomenologisch. Ich versuche, mich Dingen aus verschiedenen Perspektiven anzunähern. Es kann sein, dass ich mit dieser Herangehensweise auch einmal scheitere, aber ich bin auch der Überzeugung, dass ich nicht zwangsläufig zu einem wie auch immer gearteten Ergebnis gelangen muss. Es sind die sinnlichen Wahrnehmungen, die eine Grundlage für die Darstellung bilden. Insofern geht es um Farben, Formen, Geräusche, Gerüche.“ Hermann Recknagel

Eines der schönsten deutschen Bücher 2014

Recknagel Hermann: Feuerwache II · Fotos
kookbooks _ Reihe Kunstbuch _ Band 4

160 Seiten, durchgehend farbig, 116 Fotos (einige schwarz-weiß), mit 4 Gedichten von Tristan Marquardt, einem Essay von Dr. Irene Schütze und einem Interview mit Hermann Recknagel, gestaltet von Andreas Töpfer, Hardcover mit SU, 39.00 Euro, ISBN 9783937445649

Katharina Schultens

gorgos portfolio · Gedichte

„versuche wagnis und intensität und keine befürchtungen. versuche ist bereits der falsche ansatz. // ich bin altmodisch, schrieb ich unlängst einem freund, ich glaube nicht nur an autorschaft und das subjekt und den geteilten gleichklang und die erkenntnis, ich glaube sogar an so etwas wie wirkung. jetzt stell dir das doch bitte mal vor!“ Katharina Schultens

Leonce-und-Lena-Preis 2013

„Ausgezeichnet mit dem Leonce-und-Lena-Preis 2013 wird eine Gedichtreihe, die auf mutige und innovative Weise ein Kernstück der zeitgenössischen Welt in Blick und Sprache nimmt: das unter das System der Wirtschaft gekippte Subjekt. Es spricht eine rhetorisch versierte globale Playerin, ein Ich zwischen Chart-Analyse und Spekulation, betrieben dank Herdendynamo, müde im Labor. Eine Frau, die – noch immer ungewöhnlich – alle präsentiert, die jedes Register zu ziehen weiß und doch ins Stottern gerät, wenn Liebe oder Gott herbeischleichen im Licht schwarzscheinender Marubozu-Kerzen oder wenn in dark pools Dantes Hölle heraufscheint vom löchrigen Grund. Da scheitert er, der Versuch, ‚zwischen-d-durch ja auch noch mensch zu sein‘, in Gedichten, die virtuos und präzise Bewegungen des Stürzens, des Versuchens und der Verkoppelung zwischen verspätetem Mensch und System zu zeichnen wissen.“ Jurybegründung zum Leonce-und-Lena-Preis
„Die aktuelle Leonce-und-Lena-Preisträgerin packt in ihren neuen Gedichtband ziemlich listige Texte, die eigentlich sehr leicht zu lesen sind, hinter denen aber viel mehr steckt. Zum einen schafft sie es als einzige deutschsprachige Dichterin hinter die Fassaden unserer hauptsächlich durch die Finanzwirtschaft hervorgerufenen Krisen zu schauen, zum anderen präsentiert sie damit ein Netz aus Mythen und surrealen Zusammenhängen. Selbst da, wo ihre Bildkombinationen noch so schrill sind, bringt sie das mit einer fast unheimlichen Selbstverständlichkeit rüber und stellt damit eine glaubwürdige, hochfiktive Realität her. Aber schliesslich produziert die Beobachtung der Beobachtung selbst nur subjektive Realitäten, denen oft der ontologische Verweis verloren geht, so dass sich dieses Konstrukt in reiner Fiktion auflöst. Da aber ein Beobachter auch immer ein Ausgeschlossener bleibt, hängt man als Leser, also als Beobachter dritter Ordnung, oft ein bisschen in der Luft und bleibt theoretisch nur an der Oberfläche des Textes. Obwohl das mitnichten wenig ist, fallen die Texte tendenziell wieder in die Autoreferenzialität und die Dekonstruktion zurück. Doch das ist jetzt ein Problem der praktischen Theorie. Vergesst sie und geniesst das Buch!“ Walter Fabian Schmid, www.signaturen-magazin.de
„Andreas Töpfers Illustrationen für die Bände des kookbooks-Verlags sind schon immer mehr als schickes Beiwerk gewesen, vielmehr handelt es sich um visuelle Interpretationen, Kommentare, Extrapolationen von dem, was es zwischen den Buchdeckeln zu lesen gibt. Selten aber hat Töpfer der Quintessenz eines Lyrikbands dermaßen pointiert eine Form verliehen wie auf dem Umschlag von Katharina Schultens‘ ‚gorgos portfolio‘. Eine gesichtslose Medusa, schlangenumrankt, modisch und mondän gekleidet. Großartig. Aber (weil?) niederschmetternd .. Die Kippspiele von Privatissime und Politika, die Schultens mit wenigen Zeilen konstruiert, verleihen den Gedichten von ‚gorgos portfolio‘ ungemeine Brutalität. Weil sie mit bedenklicher Leichtigkeit aufzeigen, wie weit die Verquickung von Leben und Kapitalismus fortgeschritten ist. Dass Schultens stellenweise einerseits plakativ wird und andererseits sehr intime Themen aufgreift, verstärkt das noch: Unkommentiert steht die lautstarke Wut auf das System neben der Hilflosigkeit und Verlorenheit der zum Normalzustand geronnenen Entfremdung. Das reibt sich zwar aneinander, schlägt aber deswegen umso mehr Funken .. Wie etwa ‚hypo- // crisis‘ im Gedicht ‚index‘. Hypo, unter. Crisis, Krise. Hypocrisis, Verstellung. Oder auch Scheinheiligkeit, Heuchelei. Der Kapitalismus hat kein Gesicht, dafür aber viele Masken, unter denen die Krisen schwelen. Schnell können sie heruntergerissen werden, schnell schlägt sich die Sprache wie eine Schlange vom Haupt der Medusa frei und beißt ihr ins gesichtslose Angesicht, ihre Scheinheiligkeit enttarnend. Das ist tröstlich. Es ändert jedoch zuerst nichts, noch nicht. Denn der Kapitalismus steckt in uns, so wir auch in ihm stecken. Wir kalkulieren die Menschen um uns, ganz so wie und eben weil sie uns taxieren. Das wirklich Schlimme, das Grauen erregende ist daran, dass wir das nicht mehr realisieren, geschweige denn reflektieren. Es hilft ein Blick in ‚gorgos portfolio‘, um uns unserer Lähmung angesichts des Gesichtslosen wieder gewahr zu werden. Das tut weh, sicherlich. Aber damit auch: Sehr, sehr gut.“ Kristoffer Cornils, www.fixpoetry.com

Katharina Schultens: gorgos portfolio · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 34

64 Seiten, Broschur mit Umschlag-Poster, gestaltet von Andreas Töpfer, 19.90 Euro, ISBN 9783937445618

Farhad Showghi

In verbrachter Zeit · Prosagedichte

„Die Mikrowelten (Ulrich Moser), der tastende Blick, der erste Blick, die Unsicherheiten, das ‚Sichselbstschreibende‘, die Durchlässigkeiten, die Vermeidung von Kraft- und Sinnmeierei, das punktuelle Erinnern ohne Pathos, das punktuelle Erinnern mit aufkeimendem, dann abrutschendem Pathos, die Angst vor der Metapher, der Abschied vom Experiment, die Überraschung und der ganze Brodem dahinter, die Fülle der Nähe, das Verzetteln dort und schließlich der Körper selbst, all dieses, der Fuß, die Hand und noch einiges mehr lässt sich schwer in eine Aussage bringen. Daneben bin ich froh, so wenig zu wissen. Und das, was ich gerade geschrieben habe, überholt sich doch gleich wieder selbst. Na ja, wenn du mich vielleicht etwas früher gefragt hättest. Und es gibt vielleicht auch ein politisches Moment in diesen Texten, das Anderssprechen, als eine Art Befreiung vom Zugriff, von lähmenden Sinntiraden. Vielleicht. Und nichts gegen Herkömmliches. Nichts gegen Tatzen. Mir gefällt einfach nur das Zulassen. Aber jetzt komme ich ins Schwatzen, reime auch schon. Reime mir was zusammen. Über die Landschaften östlich von Isfahan und im Berblinger Weitmoos hätte ich vielleicht noch etwas sagen können. Und über den Garten.“ Farhad Showghi

„Was zum Beispiel ist das, die natürliche Entfernung unseres Schrittgeräusches? Ein Spiel mit der Wahrnehmung von etwas, das so alltäglich ist, dass man es kaum wahrnimmt, es sei denn, man misst ihm Bedeutung bei. Und bei Showghi hat alles Bedeutung, vor allem das vermeintlich Unbedeutende, das, was man zu übersehen neigt, was die selektive Wahrnehmung aus dem Grundrauschen des Alltags zuverlässig rausfiltert. Die Sprache dieser Gedichte ist in höchstem Maß präzise, was dazu führt, dass sie eben gerade nicht in Eindeutigkeiten endet, sondern in Polyphonie: ‚Aber gehen wir doch, wo andere Richtungen infrage kommen.‘“ Gerrit Wustmann, www.fixpoetry.com
„Showghi beherrscht seine Mittel: Assonanzen, Alliterationen, Rhythmus, all das wird behutsam und sicher eingesetzt. Dadurch erhalten die entstehenden Formulierungen eine suggestive Schönheit, ("Gesungenes war beinahe Birke" etwa) der ich mich bei der Lektüre nicht entziehen kann - und nicht entziehen will. Mehr noch: auch wenn sie sich der Verständlichkeit (im Sinne eines sich Berufens auf im Kopf des Lesers schon fertig vorliegende Bilder und Vorstellungen) widersetzen, wirken die Formulierungen, mit denen sich die Gedichte in die Welt hineintasten, richtig und passend. Die Texte sind also poetisch im alten und eigentlichen Sinne des Wortes - und man möchte sie am liebsten den Vertretern des immer mal wieder erhobenen Verständlichkeitspostulates in die Hand drücken, um ihnen den Blick zu weiten (‚Aber gehen wir doch, wo andere Richtungen infrage kommen‘). Allen anderen sowieso.“ Dirk Uwe Hansen, www.signaturen-magazin.de

Farhad Showghi: In verbrachter Zeit · Prosagedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 33

96 Seiten, Broschur mit Umschlag-Poster, gestaltet von Andreas Töpfer, 19.90 Euro, ISBN 9783937445632

Pierangelo Maset

BEAUTY POLICE · Roman

Jeder bescheuerte Spiegel fragt: Wer ist die Schönste im ganzen Land? An der Wand? Etwas von dem, was gewesen ist, beliebig lange zu erhalten, ist das größte Geschenk angesichts des unaufhaltsamen Verfalls, der umso deutlicher wird, je mehr Bilder geschossen werden, egal ob von Profis oder von Amateuren. Alle Gesten sind schon da.

Mit „BEAUTY POLICE“ schließt Pierangelo Maset seine Berlin-Trilogie bei kookbooks ab. Neben Ruth Netzer begegnen darin auch die aus „Klangwesen“ und „Laura oder die Tücken der Kunst“ vertrauten Laura Vermeer und Eric Dert wieder. Ein Roman über unsere biopolitische Gegenwart, ihre Netze aus Kunst, Kommerz und Kontrollwahn und über das Terrorisierende im Wunsch nach Verwirklichung.

„.. der grelle Plot [steht] in spannendem Kontrast zum Stil des Buches: Das Thesenartige, Essayistische drängt sich hier in den Vordergrund, Szenen und Figuren werden mit nur wenigen Sätzen skizziert. Das verleiht dem gesamten Text etwas Glasklares, eine erfrischende Kühle des Denkens, die sich oft in faszinierend ungewöhnlichen Bildern niederschlägt .. Dennoch ist es vielleicht symptomatisch, dass dieser Roman abseits der Saison im kleinen und extrem feinen Berliner kookbooks-Verlag erscheint und von einem Autor stammt, der .. ziemlich quer zum Literaturbetrieb steht. Vielleicht verhält es sich mit ‚Beauty Police‘ ja wie mit den seltenen Steinen, nach denen Eric in Norwegen sucht: Das Buch hat bei aller amüsanter Schrägheit etwas Herbes, Ungeschliffenes; es kommt ohne das Bling-Bling vieler anderer zeitgenössischer Romane aus. Genau darin aber, in seiner Überwindung des Popromans, zeigt sich sein zukunftsweisender Wert.“ Thomas von Steinaecker, Die Welt

Pierangelo Maset: BEAUTY POLICE · Roman
kookbooks _ Reihe Prosa _ Band 14

224 Seiten, mit 7 Fotografien von Pierangelo Maset, Hardcover mit UV-Lack, 19.90 Euro, ISBN 9783937445595

Farhad Showghi, Katharina Schultens, Karla Reimert

Vorschau Frühjahr 2014 · das amortisiert sich nicht


Mit neuen Büchern von Farhad Showghi, Katharina Schultens, Karla Reimert und einem Ausblick auf Linus Westheuser. Zum Anschauen hier lang.

Farhad Showghi, Katharina Schultens, Karla Reimert: Vorschau Frühjahr 2014 · das amortisiert sich nicht

Sabine Scho

Tiere in Architektur · Texte und Fotos

Gated. Man kann es nicht weit genug denken, was das eigentlich heißt.

„Zoologische Gärten sind Schnittstellen, die von dem Leben der eigenen mit der je anderen Art zeugen. Ihre Gestaltung spiegelt das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die ihren Platz in der Evolution immer neu definiert. Beim Besuch eines Zoos verlangt es uns heute längst nicht mehr nach einem Abbild symbolischer Ordnung, wie sie noch die Menagerie Ludwigs XIV. verkörperte. Dessen Baumeister Louis Le Vau ordnete die Gehege in sogenannten Logen an. Der absolutistischen Herrschaftsidee entsprechend, richtete er diese konzentrisch zum Betrachterstandpunkt des Sonnenkönigs aus. Gerechte Hege erbaut uns heute mehr als gebaute Hegemonie. Nicht positivistischer Bildungshunger treibt uns, eher schon suchen wir in den Landschaftskulissen nach Reservaten der Sehnsucht. So hat sich das Projekt Zoo gleichsam invertiert: Künstlich bauen wir en détail wieder auf, was wir en gros zerstören. Große Freigelände ersetzen einzelne Gehegebauten und versammeln Lebensgemeinschaften unterschiedlichster Klimazonen ... Der Zoo bleibt ein gerissenes Gelände, gleichermaßen zerrissen wie raffiniert reißerisch. Kulisse einer Menschensehnsucht, eingebettet in eine Urbanität, die er vergessen machen soll, obgleich sie ihn erst ermöglicht. Letztlich konkurriert er schon heute mit den Freigeländerevieren an den Rändern der Ballungsgebiete, die wiederum längst mit den angestammten Lebensräumen der letzten noch wild lebenden Tiere konkurrieren.“ Sabine Scho

Anke-Bennholdt-Thomsen-Preis 2012

„Die Lyrikerin Sabine Scho streift durch die Zoos dieser Welt, beschreibt, betrachtet, wundert sich. Welche Menschen bauen was für Tiergehege und warum? Mögen die Kamele, wie sie wohnen? Und wie fasst man das in Worte? Ein verblüffendes, lustiges, kluges, sprachlich originelles, außergewöhnliches Spiel, das alle Schubladen literarischer Genres souverän ignoriert und deshalb mehr Freude beim Lesen macht als Brehms Tierleben, der ganze Walt Disney und ‚Bambi‘ zusammen.“ Denis Scheck, druckfrisch, ARD
„Ein Hybridband, so scheint es, der sich an überlieferte Zuschreibungen nicht zu halten gedenkt ... Schos schmaler Band wiegt auf seine Weise eine Menge staubiger Studien auf und gibt der Erkenntnis etwas zurück, was sie im akademischen Aufklärungs- und Postaufklärungsbetrieb verloren hat: Ihre sinnliche und witzige Komponente, ohne dass dadurch ihr ernstes Anliegen gestört würde, vielmehr wird es dadurch in seiner Ernsthaftigkeit noch bestärkt. Wollen wir von einem Wunder sprechen? Warum nicht.“ Jan Kuhlbrodt, www.signaturen-magazin.de

Sabine Scho: Tiere in Architektur · Texte und Fotos
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 13

128 Seiten, davon 64 Fotoseiten, Fotos von Sabine Scho und Matthias Holtmann, durchgehend 2-farbig, beiliegendes Thaumatrop, gestaltet von Andreas Töpfer, Broschur mit Umschlag-Poster, 19.90 Euro, ISBN 9783937445588

Uljana Wolf

meine schönste lengevitch · Gedichte

„sist zappenduster im gedicht, welche sprache es wohl spricht?“ – so dringt, aus dem Inneren einer nicht deklarierten Verpackung, die Stimme des Sternmulls, der wie viele Gedichte in Uljana Wolfs neuem Band Fragen nach der wechselseitigen Abhängigkeit von ästhetischer Produktion und herrschender Sprachpolitik aufwirft. Ob mit Grimms vertauschtem Goldesel, „Gerüstniks“ oder Germaricans als Dolmetschern, kolonisierenden Seefahrern, übersetzenden Hysterikerinnen oder festgesetzten Asylbewerber_innen im deutschen Wald – es werden Grenzfälle besichtigt, „verholzene komplotts“, und Konzepte wie Einwanderung oder die Schaffung nationaler Sprachidentitäten hinterfragt. So graben diese Gedichte an den Schnittstellen von Markt, Macht, Märchen und Mehrsprachigkeit und bringen Transfervorgänge ins Ruckeln – oder ruckelten die nicht immer schon, eher Fiktion als Fundament? „diese sprache war mal firn, dann feriendings, die leuchtet jeden heim. und wo soll das sein: ‚schnurz‘.“ Uljana Wolf lotet die politischen Dimensionen des Sprechens so schelmisch elegant und funkelnd abwegig aus, so klangvoll und ohne jede Belehrung, dass wir sie gerne auch im Wahlkampfjahr empfehlen.

Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis 2013

„Ein Gedichtband voller Leben und Ideen, Witz und Spielgeist, weiträumig, vielsprachig, unterhaltsam.“ Sibylle Cramer, Süddeutsche Zeitung
„Was ist eigentlich los mit der deutschen Literaturkritik? Warum pfeifen nicht längst alle Spatzen vom Dach, dass Uljana Wolf wieder ein Meisterwerk veröffentlicht hat? Dass ihre Gedichte schön und voller Erkenntnisse, und ja, auch voller Witze und Kalauer sind? (‚Sist zappenduster im gedicht, / welche sprache es wohl / spricht?‘) Dass Uljana Wolf in ihrem neuen Band dem Reiben beim Zusammenstoß sprachlicher Interkontinentalplatten nachlauscht? Dass ihr Nachdenken über Sprachmacht in Form des Gedichts, ihr Ringen um die eigene Sprache zwischen Märchenton und Gesetzestext, zu den tollsten Büchern des Jahres zählt?“ Denis Scheck, Deutschlandfunk / Druckfrisch, ARD
„Uljana Wolf ist eine schweigsame Dichterin, eine, deren Gedichte niemals ausladend und geschwätzig sind, sondern immer Ergebnis eines hartnäckigen Ringens im Raum zwischen der Sprache und dem Unaussprechlichen ... Nicht nur indem Wolf Gesetzestexte und Vorschriften in ihre Gedichte webt, verknüpft sie das Alltägliche und das Poltische mit der Poesie. Ich glaube, es liegt eher daran, dass sie so präzise ist, dass sie neben der Fantasie, neben der Fähigkeit Verknüpfungen herzustellen, über eine Genauigkeit verfügt, die ihre Gedichte so besonders, und so besonders wertvoll machen. Uljana Wolf weiß, wovon sie redet. Und dann lässt sie die Details explodieren, in einem Gedicht. Aber vorher hat sie ein Netz aus Poesie gesponnen, aus dem sich der Leser weder befreien kann noch will. Und dieses Netz ist gemacht aus dem, was ist. Pure Gegenwart in einer verwirrenden Klarheit.“ Elke Engelhardt, www.fixpoetry.com

Uljana Wolf: meine schönste lengevitch · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 32

88 Seiten, Klappenbroschur, gestaltet von Andreas Töpfer, 19.90 Euro, ISBN 9783937445571

Tristan Marquardt

das amortisiert sich nicht · Gedichte

Was tun Gedichte im Raum einer Kommunikation, die schnelllebig ist und kaum Pausen zulässt? Wohin trägt eine Sprache, die sich über ihre Tragweite nicht sicher ist? „das kommt uns alles kaum bekannt vor, hand aufs herz“: Das amortisiert sich nicht. Tristan Marquardts Gedichte legen den Finger vom Resultat auf den Prozess. Sie ver- sichern: Wenn es dunkel ist, trägt ein Schatten auf die Schicht Licht, die eine Lampe auf die Dunkelheit gelegt hat, eine weitere Schicht Dunkelheit auf. Wenn es dunkel ist, hebt ein Schatten unter der Schicht Licht, die eine Lampe auf die Dunkelheit gelegt hat, die Dunkelheit wieder hervor. Betritt man sein Zimmer über eine Ru?ckraumgrenze, geht man „in sein zimmer hinaus“. Und wenn man auf die Straße geht, ist das nicht der Park, „aber mit ein, zwei kleinen änderungen könnte er es sein“. So greifen Marquardts Texte konstruierend in das ein, was längst schon konstruiert und vorhanden ist und woran doch immer weiter noch gearbeitet wird. Im Bau Begriffenes. Was sich nicht aufrechnen lässt. Körper sondergleichen. So „als hätte man gerade das cembalo erfunden, aber vergessen, wo man es hingestellt hat.“

Tristan Marquardt: das amortisiert sich nicht · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 31

80 Seiten, mit beiliegendem Heftchen mit Illustrationen von Andreas Töpfer, Broschur mit Umschlag-Poster, 19.90 Euro, ISBN 9783937445564

Martina Hefter

Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch · Gedichte

Ein Handbuch vom Gehen und Stehen in Gedichtform? Ja! Martina Hefters neue Gedichte balancieren leichtfüßig zwischen Gewichten und Aufstieben und entfalten wie nebenbei ein fein choreografiertes »Movarium« beinahe alltäglicher Bewegungen und Gesten. Ist etwa Sitzen eine typische Haltung des Denkens? Oder doch lieber liegen, nein hüpfen und springen? Wie ändert Bewegung mein Reden? Martina Hefters Texte erkunden die Wechselspiele zwischen Körperhaltungen, Denken und Sprechen, ob beim »Schnürsenkel binden auf der Straße«, »humpeln, simuliert auf dem Fußballfeld«, »tanzen auf einer Party inmitten von anderen Gästen, die man nicht kennt« oder »die Hand ausstrecken bei einer Begrüßung, während der andere die Arme ausbreitet«. Aus absichtsvollem Missverstehen und verfremdender Imitation gewinnen »Stille Post«-Variationen neuen Sinn, und Miniaturtexte, die auch als Anleitungen taugen, stiften an, Bewegungen – wie »Vergröbern Verkörpern« oder »Loope super zurück« – selbst auszuprobieren. Über die Buchform hinaus entwickelt Martina Hefter auch fortwährend Übertragungen ihrer Texte in Lecture Performances, die Gedichte und Bewegungen/Tanz zu neuen Formen verschmelzen.

Martina Hefter: Vom Gehen und Stehen. Ein Handbuch · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 30

80 Seiten, mit beiliegendem Heftchen mit Illustrationen von Andreas Töpfer, Broschur mit Umschlag-Poster, 19.90 Euro, ISBN 9783937445557

Steffen Popp

Dickicht mit Reden und Augen · Gedichte

Wenn wir schon heute – behaupte ich mal – grundsätzlich dazu imstande sind, alles Erdenkliche poetisch zu verhandeln, was ist in Zukunft, neben allen schon im Voraus gebuchten Unsäglichkeiten, noch vom Gedicht zu erwarten? Professor Gnu gibt sich optimistisch: »Fortschreitende Entkrampfung fördert das Absterben perspektivischer Verpeilung: Ticks, Tricks, Posen, nutzlose Priesterschaft, Gelehrtheit, Diskursgefuchtel, Jugend- und Altersweh, didaktischer Überbiss. Wo alles dekonstruiert ist (de-, re-, de-) und auch in Bezug auf das Dichterselbst wohltuend nichts mehr herumsteht, ist Hoffnung auf – nachdenkliches Starren Gnus in den von PVC-Bodenbelag, PVC-Möbeln und einer PVC-Zimmerpalme als Anhängsel der petrochemischen Industrie markierten Seminarraum – nun, wohl auf den Exodus aus dem Text, Erweckung des poetischen Impulses in allen Domänen.« (Steffen Popp, aus: Helm aus Phlox, S. 123, Merve Verlag 2011)

Peter-Huchel-Preis 2014

»Es geht aufregend zu in Popps Gedichten. Der Fragehorizont, der sich beim genauen Lesen freisetzt, weist der Vorstellungskraft viele Wege. Das erzeugt einen regelrechten Sog, man möchte sich, von diesen Versen geführt, gerne immer weiter aufregend verirren. Mit Lust probiert sich hier die Sprache semantisch, rhythmisch, metrisch aus. Bedeutungen werden gesetzt und durchkreuzt (›Bedeutung, eine Unterart von Gerümpel‹), das vermeintliche Sinnganze ist längst kein Ideal mehr, wo bei aller Lust am Umstülpen (›den groben Handschuh berühren, nach innen drehen‹) und Zerlegen (›Brandungsrauschen zerlegt / die Stimmen im magischen Strass alter Sprachen‹) zugleich ein genauer Umgang mit dem Material, sei es auch Gerümpel, vorherrscht ... Und oft geht es lustig zu in diesen Gedichten, die um ihre Leuchtkraft wissen, auch wenn sie im Zustand der Ruhe liegen: ›Das gewaltige Potenzial schläft. Das gewaltige Potenzial / und der gewaltige Widerstand‹, und dann wieder aufbrechen, um abenteuerlustig, kichernd, wispernd, singend, widerständig und voller leuchtender Energie das Dickicht der Sprache zu erkunden, dessen Zauber dadurch umso mächtiger wird.« Beate Tröger, Der Freitag
»Steffen Popp hat einen poetologisch versierten Gedichtband vorgelegt. Seine Poesie hat ihre redegewandte, ebenso anmutige wie raffinierte Lebensform gefunden.« Christian Metz, FAZ

Steffen Popp: Dickicht mit Reden und Augen · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 29

88 Seiten, Broschur mit Umschlag-Poster, gestaltet von Andreas Töpfer, 19.90 Euro, ISBN 9783937445540

Steffen Popp, Uljana Wolf, Martina Hefter, Sabine Scho, Pierangelo Maset

DAS AMORTISIERT SICH NICHT · 10 Jahre kookbooks. Das Jubelprogramm.


Zum Anschauen hier lang.

Steffen Popp, Uljana Wolf, Martina Hefter, Sabine Scho, Pierangelo Maset: DAS AMORTISIERT SICH NICHT · 10 Jahre kookbooks. Das Jubelprogramm.

Uljana Wolf, Christian Hawkey

SONNE FROM ORT · Ausstreichungen/Erasures, engl.-dt., nach den »Sonnets from the Portuguese« von Elizabeth Barrett Browning und den Übertragungen von Rainer Maria Rilke

Mit SONNE FROM ORT legen Christian Hawkey und Uljana Wolf ihre gemeinsamen Ausstreichungen der »Sonnets from the Portuguese« von Elizabeth Barrett Browning vor. Diese Liebesgedichte wurden 1845/1846 für Robert Browning geschrieben und 1850 veröffentlicht. Ihr Titel sollte sie bewusst irreführend als Übersetzung ausweisen, um den persönlichen Hintergrund zu verschleiern. Den Ausstreichungen liegt die zweisprachige Insel-Ausgabe zugrunde, die deutsche Übertragung stammt von Rainer Maria Rilke aus dem Jahr 1907. Eine weitere Übersetzung – der Tipp-Ex-Bearbeitung in grafische Information – wurde für diese Ausgabe von Andreas Töpfer entwickelt.

»Dichtung derart optisch vorzuführen erzählt mehr über das Prinzip experimenteller Lyrik, als es die bloße Lektüre täte.« Andreas Platthaus, FAZ
»... durch die Bedeutungsverschiebung der extrahierten Wörter schaffen es Hawkey und Wolf nach und nach eigenständige Gedichte herauszudestillieren, die weit über den Ausgangstext hinausweisen. Sie wecken sozusagen jene Gedichte, die noch unter der Vorlage schlummerten. Dadurch gelingt es den Beiden gleichzeitig aufzuzeigen, dass sowohl die AutorInnen als auch LeserInnen jeden Text stets aktualisieren, erweitern, verändern können bzw. müssen und dass die Arbeit daran kontinuierlich ist und nicht beendet werden kann, oder um Uljana Wolfs eigene Worte noch einmal zu verwenden: ›das Herz des Textes bleibt nicht stehen, es springt.‹« David Frühauf, fixpoetry.com

Uljana Wolf, Christian Hawkey: SONNE FROM ORT · Ausstreichungen/Erasures, engl.-dt., nach den »Sonnets from the Portuguese« von Elizabeth Barrett Browning und den Übertragungen von Rainer Maria Rilke
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 28

96 Seiten, Broschur mit Banderole, 19.90 Euro, ISBN 9783937445533

Hendrik Jackson

Im Licht der Prophezeiungen · Gedichte

Hendrik Jacksons neue Texte betrachten ihre Gegenstände »Im Licht der Prophezeiungen«, laden sie mit untergründigen, geschichtlichen und atmosphärischen Spannungen auf: sprachliche tags mit Metainformationen. Zugleich denken sie Poesie als eine tabula rasa, die einen Ursprung initiieren kann – jenseits ausgeschrittener Gegensätze, jenseits der Zumutungen technisierter Welt und gesellschaftlicher Ohnmacht. So reflektieren die Texte, zu deren Personal Schaufensterpuppen und Präsidenten ebenso gehören wie Welimir Chlebnikow und Hare-Krishna-Jünger, religiöse und kapitalistische Verheißungen, die uneingelöst bleiben müssen. Jacksons Sprache, umtriebig und unnachgiebig, verschlägt es nach Sibirien oder vor Modeboutiquen, in die Höfe und über Alleen, kontrastreich und klangvoll, bis der »Atem zischt« und »die Bewegungen einfrieren«. Ob bei ausklappbaren Leathermen, in Feuerwerken oder unter »Suffherzen, die sich an jeden Klang klammern« – die Gedichte suchen im ganz Konkreten den Punkt, an dem die sprachliche Form leck schlägt und Offenbarung einsickern kann.

Eines der schönsten deutschen Bücher 2013

»I heard Elvis would perform Jackson. (...) Needless to say this never happened. (...) We've been talking about Jackson, ever since the fire went.« Johnny Cash
»Insgesamt ist Jacksons Im Licht der Prophezeiungen eine Wundertüte, die eine Fülle an Formen und Bildwelten bereithält. Vom experimentellen Prosagedicht bis zum guten, alten Endreim scheint für jeden Geschmack etwas dabei zu sein. Das ist nicht ansatzweise so abwertend gemeint wie es möglicherweise klingt. Welcher Art von lyrischer Prophezeiung man auch seinen Glauben schenken will, Jackson zeigt die Vielfalt ihrer Erscheinungsformen auf.« Mario Osterland, fixpoetry.com

Hendrik Jackson: Im Licht der Prophezeiungen · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 27

80 Seiten, Broschur mit Umschlag-Poster, gestaltet von Andreas Töpfer, 19.90 Euro, ISBN 9783937445526

Gerhard Falkner

Pergamon Poems · Gedichte & Clips, deutsch-englisch, ins Englische von Mark Anderson

Die griechischen Götter und Giganten waren die Superhelden der Antike. Wie ein monumentaler 3D-Comic erzählt der berühmte Pergamonfries ihre Geschichten. In Marmor gebannte Energie. Diese Energie nimmt Gerhard Falkner in seinem jüngsten Projekt, den Pergamon Poems, mit Verve auf und bringt Bewegung ins Gedicht. Defragmentierung der alten Platten. Pulsierende Reappropriation statt Antikenkitsch. Superhelden revisited. »Alles ist Impuls.«
Impulsgeber für die Pergamon Poems waren auch die Regisseure Constantin Lieb und Felix von Boehm. Im Auftrag der Staatlichen Museen zu Berlin sollten sie Poesie-Clips über den Pergamonaltar erstellen und luden Gerhard Falkner zur Mitwirkung ein. »Selten sieht man, wie genial sich das älteste Medium der Menschheit, die mündliche Dichtung, mit ihrem jüngsten, dem Videokanal, verbünden kann. Angeblich ist der Pergamon-Altar angeregt durch Verse Homers, die von den Wohnungen der Götter handeln. Gerhard Falkner schlägt diesen Bogen zurück und macht den Berliner Marmorsturm zum Anlass neuer Dichtung: klassischer und gegenwärtiger geht es nicht«, schreibt Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung.
Neben den Gedichten im deutschen Original umfasst das Buch Übersetzungen ins Englische von Mark Anderson, von Andreas Töpfer bearbeitete Fotos sowie die aus fünf der Gedichte entstandenen Clips, eingesprochen von Schauspielern der Berliner Schaubühne, auf DVD.
Zu den Clips online geht es hier, eine Leseprobe findet sich hier.

»Wir würden uns nicht wundern, wenn demnächst Menschen mit Gerhard Falkners Lyrikband als Kunstführer im Pergamon-Museum gesichtet würden.« Thomas Böhm, Radioeins
»Der Clash zwischen Tradition und Moderne, im Gedicht sprachlich ausgefochten, bleibt ohne Aussicht auf den Schlichterspruch. Falkner will die Konfrontation mit den Idealen vergangener Kunstepochen nicht ironisierend abfedern, sondern die Widersprüche gestalten. Diesen hochgesteckten Anspruch löst Falkner ein, wenn er lyrisches Pathos, (manipulierte) Idiome und IT- oder Werbejargon kollidieren lässt. Dazu gehört auch der Mut zu sagen: ›Das Beispiel, das die Griechen gaben: / man wird es nicht mehr los‹ – und darin weniger eine Zumutung als eine Herausforderung zu erkennen.« Angela Sanmann, Tagesspiegel

Gerhard Falkner: Pergamon Poems · Gedichte & Clips, deutsch-englisch, ins Englische von Mark Anderson
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 26

64 Seiten, gestaltet von Andreas Töpfer, DVD mit 5 Gedicht-Clips von Constantin Lieb & Felix von Boehm, entstanden als Auftragsproduktion der Staatlichen Museen zu Berlin (Antikensammlung) in Kooperation mit der Schaubühne Berlin und bboxxFILME, Broschur mit Umschlag-Poster, 19.90 Euro, ISBN 9783937445519

Michael Palmer

Gegenschein · Gedichte. Aus dem amerikanischen Englisch von Rainer G. Schmidt

Warum haben wir nun für die erste umfassende deutsche Ausgabe der Gedichte von Michael Palmer den Titel Gegenschein gewählt? Neben dem Wort Bahnhof ist dies das einzige deutsche Wort im Werk von Palmer. Es erscheint in einem ganz frühen Gedicht in der Sammlung Blake’s Newton, und zwar in einem verneinenden Zusammenhang: »Once in October / not seeing / the Gegenschein / or counterglow / an elliptical light / opposite the sun«. Das Englische hat dieses Wort dem Deutschen zur Bezeichnung eines astronomischen Phänomens entlehnt: Es meint den schwachen Schimmer, der durch die Anstrahlung kosmischen Staubs entsteht und in Opposition zur Sonne in dunklen Nächten und fernab aller künstlichen Lichtquellen zu beobachten ist. Alexander von Humboldt hat den Begriff in dieser Weise geprägt. Er bezeichnet im Deutschen auch einfach die Oppositionsstellung zur Sonne. Dann wird es im Sinne von Abglanz, Abbild (Spiegelbild), Widerschein des göttlichen Wesens (bei Jakob Böhme) und ganz banal als Gegenstück oder Quittung verwendet. Der Übersetzer mag es auf seine Arbeit gegenüber dem Original beziehen. Bei Palmer klingt es an seine Vorstellung von der counter-tradition an (in der er sich sieht), und bei Celan gibt es Gegenwort und Gegenlicht. In Gegenschein sind vielleicht die vielfältigen Brechungen und Oszillationen angesprochen, die im Werk von Michael Palmer aufschimmern. Ein wesentliches Paradox dieses Werkes ist es, dass es gerade vermittels seiner vielen Anleihen völlig originär und einzigartig wirkt, dass sich seine vielen Mosaiksteine und Partikeln zu einer neuen unvergleichlichen Sprachmusik fügen, die absolut nichts Epigonales hat oder als Pastiche erscheint. Der Abglanz wird so zu einem ganz eigenen Leuchten, zu dessen Wahrnehmung verfeinerte Instrumente vonnöten sind. Kosmischer Staub, der auf den Flügeln von Nachtfaltern wiedererscheint. Durch diese Texte werden wir in subtile Welten entführt und erfahren das Glück einer andauernden leichten Erschütterung, sowohl im Sprachlichen als auch im Körperlichen.
Rainer G. Schmidt

»einer der wichtigsten Dichter Amerikas« Harvard Review
»Wir sehen einen Meister, der sich selbst und seine Leser mit einer Dichtung überrascht, die so reif daherkommt wie frisch.« Publishers Weekly
»Michael Palmer ist sperrig und das lohnt sich.« Boston Review

Michael Palmer: Gegenschein · Gedichte. Aus dem amerikanischen Englisch von Rainer G. Schmidt
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 23

348 Seiten, gestaltet von Andreas Töpfer, Broschur mit Umschlag-Poster, 24.90 Euro, ISBN 9783937445472

Dagmara Kraus

kummerang · Gedichte

Jetzt haben wir aber genug gewartet … endlich ist es da! Das erste Buch von Dagmara Kraus! Kraus’ Gedichte sind höchst raffinierte, fein austarierte Gebilde. Sie schillern und stieben, oszillieren zwischen Sprechweisen, staffeln und streuen Bedeutung; sie sind existenziell, verspielt, polyglott und voller prosodischem Eigensinn. »kummerang« hat, was den sprachabenteuerbereiten Lyrikleser begeistert: Anagramme, Listen und Zaubersprüche, eher »klassische« neben experimentellen, auch visuellen Gedichtformen. Ehrlich, so haben wir das noch nie gelesen. Normal? Heiß.

»komplexe Fachsprachverkettungen, hochmelodiös und mit präzisen Tempowechseln vorgetragen« – Peer Trilcke, Frankfurter Rundschau
»Dagmara Kraus dringt tief in die Sprache ein, rührt die Sprache um, brockt Silben zusammen, formt ›Glastlawinen‹. Was ist eine ›Glastlawine‹? ›Glas‹, denke ich, ›Last‹, denke ich, ›Lawine‹, denke ich. Von dem Wort ›Glastlawine‹, das Dagmara Kraus so leise von der Bühne herab spricht, geht etwas Bedrohliches aus. ›Glast‹ gebe ich bei Google ein und lese: ›Schein, Glanz, Schimmer‹. Eine ›Scheinlawine‹, eine ›Glanzlawine‹, eine ›Schimmerlawine‹. ›Nicht Glas‹, denke ich, ›nicht Last‹, denke ich, nichts das unter einer Last zerbricht, sondern ein freundlicher ›Glanz‹. Aber die Lawine bleibt ja. Die Bedrohung geht nicht weg. Ich glaube, Dagmara Kraus muss so leise sprechen, wie sie spricht, um neben dem ganzen Glanz die Lawinen aushalten zu können. Deshalb ist sie Dagmara Kraus und nicht Dagmar Krause. Sie schreit nichts heraus, sie spricht ganz leise, und trägt trotzdem alle Lawinen in sich. Die Lawinen sind nur einen Buchstaben weit entfernt.« – Tobias Amslinger, karawa.net

Dagmara Kraus: kummerang · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 25

80 Seiten, gestaltet von Andreas Töpfer, Broschur mit Umschlag-Poster, 19.90 Euro, ISBN 9783937445502

Monika Rinck

Honigprotokolle · Gedichte

Im ursprünglichen Wortsinn des Protokolls gibt es einen klebrigen Kern: Ein zusammengeleimtes Buch ist gemeint oder, spezieller: das einer Niederschrift vorgeleimte Blatt, mit einer Chronologie zum Schriftstück und Angaben zum Verfasser. Das steht am Anfang des Buches, wird ihm aber zuletzt eingeklebt. Daher auch die Tendenz zum Hohn – in all seiner Nachträglichkeit.
Es gibt die Klebrigkeit der inneren Fixierung, die auf immer wieder erneutes Durchdenken dringt, und es gibt den unvergesslichen Honig an den Schuhen, in der Tasche, an den Fingern, der an den unachtsamen Moment seines Verschüttens erinnert. Auch dies kann als ein Protokoll gesehen, wenn auch nicht gelesen werden. Oder nehmen wir den Körper als Protokoll unseres Lebens, für den Verlauf der Zeit, dem wir unterliegen. Nehmen wir den Honig als Protokoll des Bienenflugs und als Auskunft über die von ihnen gerade noch erreichbaren Blüten.
Die Honigprotokolle sind beinahe quadratisch und ineinander verfugt wie Kacheln. Sie bilden ein Raster, das ihre Ordnung offenbart. Etwas ist passiert – das Gedicht gibt Auskunft und bittet seinerseits um Deutung. Es behandelt eine längst vergessene Süße. Sinne, Affekte, Materialien oder eine Angst, die gestern noch in die Zukunft ging. Auch davon berichtet das Protokoll. Es wendet sich an Konzepte, die es nicht abstreifen kann: kollektive Erfahrungen, von Einzelnen protokolliert. Die Arbeitsteilung erfolgt via Reizschwellen, die eine Folge der Vielfachpaarung sind. So wird eine hohe Bandbreite von Empfindlichkeiten garantiert.
»… Denn alle rechten Dichter … sprechen nicht durch Kunst, sondern als Begeisterte und Besessene alle diese schönen Gedichte … und so wenig die, welche vom tanzenden Wahnsinn befallen sind, mit vernünftigem Bewusstsein tanzen, so dichten auch die Liederdichter nicht bei vernünftigem Bewusstsein diese schönen Lieder, sondern wenn sie von Harmonie und Rhythmus erfüllt sind … Es sagen uns nämlich die Dichter, dass sie aus honigströmenden Quellen aus gewissen Gärten und Hainen der Musen pflückend diese Gesänge uns bringen, wie die Bienen, auch selbst so umherfliegend. Und wahr reden sie.« (Platon: ION)
Doch es ist wie beim Bienentanz: Am Ende wird nur noch für die beste Höhle getanzt.

»in monika rincks gedichten … ist die gleichzeitige präsenz von intellektueller lebendigkeit und dichterischer einbildungskraft ein wahres und anhaltendes vergnügen. … texte, die nur so funkeln vor lauter (vielleicht auch lauterem, wenn das eine notwendige kategorie ist) sprachwitz, bildersinn und purem denkvergnügen.« herbert j. wimmer, kolik
»Wer Freude am Denken hat und Abstraktionen dennoch mit Skepsis begegnet, der wird bei diesen Gedichten in helles Entzücken ausbrechen. Manche Sätze würde man am liebsten auswendig lernen: zum Beispiel ›Abstraktion ist keine hinlängliche Antwort auf Unvorstellbarkeit‹ oder ›Analyse kann auch Stupor sein.‹ Monika Rinck findet wunderbare Bilder, um Einwände gegen ihr Verfahren gleich mit einzubauen.« Meike Feßmann, dradio Kultur, vollständig nachzulesen hier.
»Vom jetzigen Geschlechterverhältnis möchten sich die Leute ›bitte‹ frei machen, heißt es augenzwinkernd in dem Gedicht ›Diva und Dealer‹, und entsprechend weit reicht auch die Suche nach anderen Möglichkeiten: von der Antike, die mit Anspielungen auf Lysistrate und ihre sexuelle Verweigerung, auf Odysseus und die Metamorphosen des Ovid präsent ist, bis zu jüngst durch die Medien gegangenen entgleisten ›Facebook‹-Parties. Von der hier einschlägigen Geschichte einer Tessa ausgehend, greift das ›Lied der undankbaren Partygäste‹, eine Komposition für Sprech- und Singstimme sowie Klavier, geradezu auf ontologische Grundlagen zurück: ›Sein ist und Nichtsein ist nicht‹. Weitere Lieder des Komponisten Bo Wiget, darunter vierstimmige Kanons, erweitern die Suche medial. Diese durchstreift auch die verschiedensten Sprachgegenden von Umgangssprache, Jargon und Comicsprache bis zur Wissenschaftssprache, und das Gedicht vom ›Augenfühlerfisch‹, der in der Tiefsee angelt, erscheint auch in der englischen Übersetzung von Nicholas Grindell. Innerhalb des einzelnen Texts suchen die beiden menschlichen Hälften einander häufig in Form einer semantischen Rahmenstruktur, die ein zu Beginn gesetztes Thema verändert wieder aufnimmt. Ähnlich wie das ›O‹ und das ›I‹, das Runde und das Gestreckte, in den ›Honigprotokollen‹ aufeinandertreffen, die runde Vollständigkeit allein aber der ›Hohn‹ ist, wandert Rinck virtuos durch das ›Weltinnenall des Binnenreims‹, bis hin zu Rilke. Häufig erinnert die Lautstruktur an gleichsam umarmende Binnenreime, eine in dieser Art innerhalb prosanaher, dezent rhythmisierter Langzeilen überraschend neu wirkende Technik ... und sich darauf zu freuen, wie Monika Rinck selbst ihn vorträgt: als Dichterin von oraler Poesie im besten Sinn, von scheinbar schlichten Liedtexten ebenso wie von komplexer, sprachreflexiver Poesie.« Martin Maurach, FAZ, vollständig nachzulesen hier.
»Somit gießt sie immer auch ein bisschen Hohn aufs eigene Haupt, dem all das entspringt, ein honigsüßer, zynischer, reizender, abgeklärter, oft auch mild-ironischer Hohn. Das Thema? Alles und nichts. Das Hier und Jetzt und das Gestern. Das ganze Leben, oder besser: die ganze Sprache. Die brauchbare und, ja, die unbrauchbare Sprache, denn eine muss es doch sagen: ›Das geht so nicht. Denk nach.‹ ... Viele Anspielungen werden einem entgehen. Das macht aber nichts, denn diese ungemein originellen, hochmusikalischen Gedichte kann man auch ›einfach so‹ genießen. Monika Rinck ruft zwar sozusagen dauervirtuos Stimmen auf, als sei’s eine Kleinigkeit, doch niemals ohne Gefühl. Hart mag sie sein, diese Honigprotokollantin, bienenfleißig sowieso, aber niemals kalt. Ein wiederkehrendes Thema des Bandes ist denn auch die Liebe, und zwar in individueller wie in kollektiver Hinsicht. Wie schon in Monika Rincks Essay ›Ah, das Love-Ding!‹ (2006), einer listig-zeitgemäßen Variation auf Roland Barthes ›Fragmente einer Sprache der Liebe‹, zeigt sich das allgemeine Partywesen und damit die ›Gruppe‹ als gewissermaßen Dritter im Bunde, wenn es um die Liebe zu zweit, um die romantische Liebe geht. Enttäuschung ist da vorprogrammiert, sowohl bei der Gruppe, siehe hierzu das witzige ›Lied der undankbaren Partygäste‹, als auch bei den Liebenden. ›Von der Romantik‹ ist eines der Honigprotokolle betitelt, worin ein einerseits aggressives, andererseits melancholisches Spiel mit der verbürgten romantischen Sehnsucht (ergo ›reine Affirmation‹) getrieben wird: ›Im Harem der Güte bin ich / die Strengste‹ verkündet das lyrische Ich. Es ist ein zweifelndes, bisweilen verzweifeltes, vor allem ein weibliches Ich, das hier spricht: ›Ich krieche. Romantik. Überwältigung,/die ich begrüßen kann. Es ist schon spät, es wird schon kalt. Wald. Wald.‹ Die romantische Illusion der Liebe als Passion ist wohl noch nie so genial und wohlklingend knapp zusammengefasst worden. Vielleicht sollte man sagen: Monika Rinck summt sich durch das Dickicht der Liebesgefühle, nervös, aber willig der Schönheit. Und tatsächlich stehen dann wunderschöne Gedichte neben todtraurigen. So weint einmal die verlassene Geliebte allein und sucht Trost bei ihrem alten Stofftier, ach, wenn es trösten könnte! Es ist aber ›ein grimmes dünnes Pferdchen und ich, / ich schäme mich vor seinem Blick‹.« Insa Wilke, Süddeutsche Zeitung, vollständig nachzulesen hier.
»Monika Rinck verbindet die repetitiven Elemente der Litanei mit ihren sprachspielerischen Passionen und erzeugt damit eine unerhört suggestive rhythmische Bewegung ... Die ›Honigprotokolle‹ kultivieren das Nebeneinander kleiner Phantasmagorien, sinnlicher Momentaufnahmen, politischer Szenen – und sie forcieren Abschweifungen in disparate Wortfelder. So entsteht mittels einer kühnen Bild-Artistik eine ›wilde Vielfalt, in die Tausenderlei eingefaltet ist‹.« Michael Braun, Der Tagesspiegel, vollständig nachzulesen hier.
»Wer meint, skurille Bilder wie das Unio Wiesel seien nicht darstellbar, der wird von den begriffsgenauen Zeichnungen des Illustrators Andreas Töpfer auf dem Buchumschlag eines Besseren belehrt. Hier findet man auch zu schrägsten Wortkompositionen wie dem ›Augenfühlerfisch‹, den ›Lichtmaschinen imitierenden Birken‹ oder einem ›Maximum Zander‹ philosophische Illustrationen, die jede visuelle Orientierung auf den Kopf stellen. Jenseits der Konvention, weiß das lyrische Ich, muss eben alles neu berechnet werden ... Monika Rincks ›Honigprotokolle‹ sind ein amüsanter, kreativer und kluger Aufruf zum poetischen Ungehorsam. Ihre Texte machen Mut und Spaß und sind ein bezaubernder respektloser Beweis, dass das Gedicht lebt, solange Honig klebt.« Michaela Schmitz, Deutschlandfunk, vollständig nachzulesen hier.

Peter-Huchel-Preis 2013
Kunstpreis Berlin, Literatur 2012
Georg-K.-Glaser-Preis 2010

Monika Rinck: Honigprotokolle · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 24

80 Seiten, gestaltet von Andreas Töpfer, Broschur mit Umschlag-Poster, 19.90 Euro, ISBN 9783937445496

Wilhelm Taubert, Monika Rinck

Ich bin der Wind · Geschwinde Lieder für Kinder

Hier kommen sie zusammen: der vorwitzige Hahn, der niemanden schlafen sehen kann, der Butzemann, der traurigste unter den Maikäfern, musikalische Klopfgeister und allerlei Gesellen mehr. Zusammengebracht hat sie der Wind, der sich zwischen allen Liedern regt. Er pfeift, er wirbelt, säuselt und klingt, ist heiter und grollt, und am Abend legt er sich und singt uns und alle andern in den Schlaf.
Der eigensinnige Wind verbindet die Lieder entlang des Tagesverlaufs zu einer Suite, in der die Kinderwelt des 19. Jahrhunderts Kontakt zu der unsrigen aufnimmt und zu einem rauschenden Fest einlädt.

Zum 200. Geburtstag des Berliner Komponisten Wilhelm Taubert (1811–1891) erscheint eine Auswahl seiner schönsten Kinderlieder, mit Noten zum Nachsingen, Illustrationen von Andreas Töpfer, dramatischen Zwischentexten von Monika Rinck, neu instrumentiert von Katia Tchemberdji. Die beigefügte CD wird gestaltet von den Jungs des Staats- und Domchores, dem Mädchenchor I der Sing-Akademie zu Berlin, Instrumentalisten des Julius-Stern-Instituts der UdK Berlin, unter der Leitung von Kai-Uwe Jirka, und Mechthild Großmann als Wind.

In Kooperation mit der UdK Berlin und dem Staats- und Domchor Berlin

Wilhelm Taubert, Monika Rinck: Ich bin der Wind · Geschwinde Lieder für Kinder
kookbooks _ Reihe Kinderbuch _ Band 5

48 Seiten, + CD, farbig illustriert von Andreas Töpfer, Hardcover, 19.90 Euro, ISBN 9783937445489

Daniela Seel

ich kann diese stelle nicht wiederfinden · Gedichte

Das Gedicht als »bewegung im körper des autors, welcher der leser ist«: Daniela Seels hellhörige, präzis gesetzte Texte loten die Bedingungen unseres Sprechens dort aus, wo es beginnt – in den Körpern, ihren Verordnungen und Verortungen im Raum. Wie mobile sensorische Einheiten beobachten sie die Kontaktstellen zwischen außen und innen, Dressur und Natur, Mensch und Tier, Sprache und Haut und moderieren zugleich den Austausch, der dort verhandelt wird. Von Zeile zu Zeile, Laut zu Laut spüren sie dem Verlangen nach, der »chirurgie« von Gesten durch Anverwandlung auf die Spur zu kommen: »ich habe mir ihren körper dann einfach / umgebunden wie eine schürze.« Doch in dem Versuch zu begreifen, was es heißt, »biene zu sein spinne fledermaus« oder soziales Wesen, gelangen die Texte immer wieder an die Grenzen ihres Sprechens – und erzeugen gerade da eine seltene, dringlich-erregende Präsenz, der man sich schwer entziehen kann. Man will man ohne ihre blitzschnelle Gegenwärtigkeit, ihr reges Zweifeln nicht mehr weiterlesen.

Seit über zehn Jahren gehören Daniela Seels Gedichte zu den Geheimtipps der jüngeren Lyrik, die sie als Verlegerin mit bekannt gemacht hat. Jetzt ist neben der Verlegerin endlich auch die Dichterin zu entdecken.

Friedrich-Hölderlin-Förderpreis 2011
Thalia-Förderpreis zum Ernst-Meister-Preis 2011
Kunstpreis Literatur von Lotto Brandenburg 2011

» … ein Buch, dessen Texte Sensibilität im Wortsinn vorführen, Sinnlichkeit bis in die feinsten Nuancen erkunden. Daniela Seels Lyrik verfährt kompromisslos auf höchstem ästhetischem Niveau, vermeidet jede falsche Feierlichkeit und spielt das komplizierte poetische Spiel mit der Sprache viel lieber mit ernster Leichtigkeit und aller Lust zum Experiment.« Jury zum Friedrich-Hölderlin-Förderpreis
»Das Tollste an deutscher Lyrik in diesem Frühjahr ist für mich Daniela Seels ›ich kann diese Stelle nicht wiederfinden‹. Die Verlegerin von kookbooks hat diesen Verlag nicht nur binnen weniger Jahre zur feinsten Adresse für deutsche Dichter gemacht, sondern erweist sich nun selbst als grandiose Lyrikerin. Ihre Gedichte sind - in Seels Worten - ›etwas trautes, das schauern macht‹: strahlend schöne Sprachgebilde, stählern und doch filigran, einsichtsreich, neu, und eben gleichzeitig vertraut.« Denis Scheck, ARD
»Hier aber wird gerade nicht weggesehen, der genaue Blick, überhaupt Genauigkeit in allem prägt diese Gedichte. Nie spürt man intellektuelle Überheblichkeit bei Daniela Seel, nein, nichts ist trocken hier, alles lebt, vibriert, erfüllt und fühlt sich richtig an, schwebt und ist geerdet zugleich. Bei dieser Lyrikerin ist Sprache Sinn, Eigensinn und Sinnlichkeit, Zeichen und Leben, Haut und Gehirn, ein Lebensareal berührt immer das andere, jedes Wort hat eine Haut, die Filter ist, Filter für das Denken, für die Beobachtungsgabe dieser bis ins Seismographische fein arbeitenden Dichterin. Kurzum: Es sind zeitlose Stunden, die wir mit diesen Gedichten verbringen können und es sind Gedichte - das kommt nicht allzu oft vor -, die wie ›seltsam gefaltete ozeane‹ wirken und dabei eine konkrete Welt erschaffen, die formal genauso überzeugt wie es der Klang macht.
Es ist eine weiche und sanfte, wirklichkeitstaugliche und im Überfluss der Verknüpfungen lebende Tonalität, die nicht nur aufrüttelt, sondern auch denkerisch überzeugt und wieder einmal zeigt, wie sehr Sprache und Denken strukturell bis in die Einzelheiten der Syntax zusammengehören.
In einem Gedicht wird notiert: ›kein ich verfügt über mich‹ und Daniela Seel verweist damit auf ein Zentrum ihrer Poesie, die jetzt schon eine Unverwechselbarkeit aufweist, an der sich manch ein anderer Gedichtband für Gedichtband abarbeiten muss.
Warum gelingt das Daniela Seel so gut? Es ist der Eigensinn, der betört, die Art, wie sie die Ablagerungen in den Wörtern ausforscht, wie sie Gefühle darstellt, Bilder auf ihre Glaubwürdigkeit abklopft, das eigene Erinnern seziert.« Marica Bodrozic, Ö1/ORF
»Das ist große Kunst.« Jochen Hieber, FAZ
»Die Autorin fixiert irreale Momente und erprobt sie an handfesten Wirklichkeiten ... Seels eindringliche Sentenzen könnten zum Bannerzeichen dieser jungen Dichtergeneration werden, die sich nicht im Negieren des Vorgefundenen erschöpft.« Dorothea von Törne, Die Welt
»Der Fixstern der Prosa ist (inzwischen leider, leider) die Saison - der der Poesie wirft sein Licht auf die Jahrtausende. Gerade gestern habe ich in ›ich kann diese stelle nicht wiederfinden‹ auf Seite 43 das wunderbare Gedicht ›allegorie eines kalenderblattes ...‹ gefunden. Ein Gedicht, das bleiben wird, wenigstens für das, was mein Körper von den Jahrtausenden weiß. Und viel, viel später werde ich vielleicht ein nächstes finden, eines wie ›II‹ auf den Seiten 28 und 29, aus dem Kapitel ›wir. der charakter der landschaft‹. Und schon sind es zwei. Und keiner, keiner ist mehr so wirklich alleine.« Alissa Walser, buchjournal

Daniela Seel: ich kann diese stelle nicht wiederfinden · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ Band 22

64 Seiten, gestaltet von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 17.90 Euro, ISBN 9783937445465

Mathias Traxler

You’re welcome · Texte

Was meinen wir eigentlich, wenn wir Poesie sagen? Und wo findet das statt, wozwischen, woran? Mathias Traxler nennt die Abteilungen seines Debütbandes »Essay«, »Stillleben«, »Garderobenmarken«, »Gedichte«, »Arbeitsausschnitte« oder einfach »Anwendungen«. Ihre Sprechweisen sind brüchig, hybrid. Sie unterlaufen, was wir uns unter Gedichten vorstellen, von ihnen erwarten. Wir stolpern. Über unkonventionelle Grammatik, verrenkte Bilder oder eine Interpunktion, die keiner Norm folgt, vielmehr eine mögliche Lesebewegung strukturiert. Und beim Stolpern geraten wir in Bewegung, werden als Leser zu Akteuren. Denn so sorgfältig die Texte komponiert sind, verstehen sie Poesie doch als etwas, das sich außerhalb von Texten ereignet, auch wenn es sich an ihnen entzündet. Mathias Traxlers Texte laden ein, sich gründlich umzusehen, umherzuschlendern, zu tollen, sich dabei ruhig mal das Knie anzustoßen, an den Möbeln zu rücken und das eine oder andere Stück mitgehen zu lassen. You’re welcome.

Mathias Traxler: You’re welcome · Texte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 21

128 Seiten, gestaltet von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 19.90 Euro, ISBN 9783937445458

Alexander Gumz

ausrücken mit modellen · Gedichte

Noch kommt einem die Gegend vertraut vor, aber »was ist das für ein geruch?« Kam das Licht eben auch schon aus diesem Winkel, oder warum sind die Gesichter in so seltsame Farben getaucht? Etwas scheint nicht mehr zu stimmen. Das Heimelige kippt. Und was da aufblitzt, hat etwas Monströses. »man erkennt gerade mal, wie dünn die schatten / angezogen sind.« Alexander Gumz erweist sich in seinem Debütband »ausrücken mit modellen« als Meister solcher Momente der Beunruhigung, des rätselhaft Schönen aus der Kunst eines verschobenen Blicks. Leichtfüßig inszeniert, mit Witz und treffsicher gesetzten Spots erzählen seine Gedichte von unserer durchlässigen Gegenwart, entziehen dem Bekannten den Boden. Um gleich darauf vorzuführen, wie man sich auch frei schwebend orientieren, »in der mitte des zimmers in der luft halten« kann.

»Alexander Gumz ist das, was man braucht, wenn man in dieser besonderen Stimmung eines langen Sonntags nach dem einen Buch sucht: In der ironischen Melancholie dieses empathischen Lyrikers wird uns die Gegenwart frappierend erkennbar. – Und wir mittendrin in der verrückten Beleuchtung einer schlichten, hoch sensiblen Sprachkunst.« Antje Rávic Strubel
»ausrücken mit modellen‹ wirkt tatsächlich wie ein reifes Werk. An manchen Texten lassen sich Jahresringe erahnen, sie scheinen stetig gewachsen zu sein. Und das, obwohl Gumz’ Lyrik etwas sehr Akutes, Zeitgenössisches hat. Oft gelangt er mit einer Strophe an jenen Punkt, fängt jene Sekunde ein, in der sich Aktualität verwandelt ins Nicht-mehr-Fassbare, wo eine Kehrseite des Wahrnehmbaren aufscheint und Zeitlosigkeit entstehen kann: ›in blendender bewegung eingefroren: ein loop der eigenen erfolge, der spiegelbilder, die wir nicht gewesen sind.‹ Die einzelnen Strophen bestehen meist nur aus zwei Zeilen, und jede einzelne trägt den Kern des ganzen Gedichts oft schon in sich. In jedem in seiner Nüchternheit oft geheimnisvoll wirkenden Bilder ist das Gesamte aufgehoben, und das kommt einem nie wie ein forcierter Akt der Zersplitterung vor, sondern mehr wie eine natürliche Konzentration auf das Wesen des Gedichts. ›unsere sorgen sind bekloppte interieurs‹, heißt es in ›kühle entwicklungen‹, und viel genauer lässt sich die Befindlichkeit der heute 30- bis 40-Jährigen kaum fassen.« Ulrich Rüdenauer, DIE ZEIT online

Alexander Gumz: ausrücken mit modellen · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 20

88 Seiten, mit einem Nachwort von Antje Rávic Strubel, gestaltet von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 19.90 Euro, ISBN 9783937445441

Alexej Parschtschikow

Erdöl · Gedichte. Russisch-Deutsch. Aus dem Russischen von Hendrik Jackson

Der russische Dichter Alexej Parschtschikow, geboren 1954, lebte nach Stationen unter anderem in Moskau und Stanford seit Anfang der 1990er Jahre in Deutschland, seit 1995 in Köln, wo er 2009 viel zu früh starb. Obwohl in Russland bereits ein Klassiker, ist er hierzulande noch immer nahezu unbekannt. Die noch von ihm selbst mit verantwortete Auswahl »Erdöl« in der kongenialen Übertragung von Hendrik Jackson gibt nun deutschsprachigen Lesern erstmals umfangreich die Möglichkeit, den 2005 mit dem russischen Ehrenpreis »Literaturlegende« Ausgezeichneten für sich zu entdecken.
Alexej Parschtschikow wird, zusammen mit Alexander Eremenko, Iwan Shdanow und Ilja Kutik, den sogenannten Metarealisten zugerechnet, der in den achtziger Jahren aufregendsten Gruppierung russischer Lyrik. Durch seine Zeit in Stanford stand er zugleich in lebhaftem Austausch mit amerikanischen Dichtern, vor allem mit Michael Palmer und der » l-a-n-g-u-a-g-e School«. In der Sowjetunion konnte er erst im Zuge der Perestroika 1989 sein erstes Buch »Formen der Intuition« veröffentlichen.

In seinen Gedichten spürt Alexej Parschtschikow inneren und visuellen Ähnlichkeiten nach, um immer wieder neue und wesenhafte Verbindungen zwischen Wörtern und Dingen zu entdecken bzw. sie herzustellen. Dabei gleicht er, in den Worten seines vielleicht großartigsten Poems »Erdöl«, einer Wahrsagerin, die »mit dem Finger über den Globus fährt und dabei die Tiefseekabelverbindungen für Fluglinien hält«. Parschtschikow verbindet expressive und philosophische Traditionen mit reflektiert-konzeptuellen Ansätzen zu einer Dichtung der Zwischenräume: »dort, wo die Flüsse umgepolt werden« (aus: Erdöl). So entfalten die Gedichte, von Begeisterung getragen, aus einfachen Beobachtungen faszinierend Bild um Bild.

Alexej Parschtschikow: Erdöl · Gedichte. Russisch-Deutsch. Aus dem Russischen von Hendrik Jackson
kookbooks _ Reihe Lyrik _ Band 19

112 Seiten, gestaltet von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 19.90 Euro, ISBN 9783937445434

Matthea Harvey

Du kennst das auch · Gedichte Englisch-Deutsch. Aus dem amerikanischen Englisch von Uljana Wolf

Die Gedichte aus Matthea Harveys drittem Gedichtband »Modern Life« gehören »zu den atemberaubendsten, die über das derzeitige politische Klima Amerikas geschrieben worden sind«, wie David Orr in der New York Times urteilte. Mit dem Band »Du kennst das auch«, der neben den Texten aus »Modern Life« auch eine Auswahl früherer Gedichte enthält, können deutsche Leser erstmals durch Harveys Prisma schauen – nicht nur auf Amerika, vielmehr auf die eigene Gegenwart und auf die Möglichkeiten von Gedichten, als hellsichtige Hybride diese Gegenwart politisch bewusst und poetisch innovativ zu durchleuchten. »Du kennst das auch« ist ein post-katastrophisches Kompendium, das Zentauren, Hybride, Roboter, Soldaten, Zivilisten in einem ebenso bezaubernden wie verwunschenen Reigen versammelt, als halbierte, zersplitterte, verlorene Subjekte, die den Leser mit den Entscheidungen des postmodernen Menschen und deren Folgen konfrontieren.

»Harvey haftet fast etwas Marsianisches an.« Chicago Tribune
»Matthea Harvey ist eine junge, hochgelobte und -gepreiste US-amerikanische Lyrikerin. Jetzt ist eine Sammlung mit ausgewählten Gedichten von ihr im wunderbaren kookbooks Verlag erschienen, hervorragend übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von der Lyrikerin Uljana Wolf. Grandiose Gedichte, die sich wie kleine komprimierte experimentelle Kurzgeschichten lesen lassen, ebenso privat wie politisch dieser Welt zugewandt, Gedichte über ›Die Zukunft des Terrors‹, oder ›An einen abwesenden Floh‹, sprachlich brillant und so lebhaft und detaillreich wie ein Bild von Delacroix.« Matthias Ehlers, WDR 5 Bücher
»kookbooks-Umschläge begeistern vor allem diejenigen, die genau hinschauen. Sie wirken mitunter wie Leiterplatten, auf denen hunderte winzige Illustrationen liebevoll nebeneinander gelötet wurden. Algorithmische Digitalästhetik wird zu grafischer Poesie. Jedes neue Buch überrascht dabei mit ungesehenen Farbstrukturen und komplexen Motivkombinationen. Nun, nach sieben Jahren Vektorkunst demaskieren sich auf dem Lyrik-Band No. 18 plötzlich zwei – sichtbar von Hand gezeichnete – knallfarbene ›Katzenziegen‹ gegenseitig. Das ist so überraschend anders als bisher und damit so unbedingt folgerichtig.« Börsenblatt für den deutschen Buchhandel

Kingsley Tufts Poetry Award
New York Times Notable Book
Shortlist zum National Book Critics Circle Award

Matthea Harvey: Du kennst das auch · Gedichte Englisch-Deutsch. Aus dem amerikanischen Englisch von Uljana Wolf
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 18

192 Seiten, mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 19.90 Euro, ISBN 9783937445427

Michael Stavaric

Europa. Eine Litanei

Ein schillerndes Panorama unseres Kontinents entfaltet Michael Stavaric in seinem Prosadebüt »Europa. Eine Litanei«, voll Humor und beißender Ironie. In einem abenteuerlichen Ritt durch Provinzen und Paläste verflicht er Mythen und Redensarten, Gesetze und Geschlechter, Dogmen, Theorien und nationale Neurosen. Der »schönen Königstochter Europa« hält er so den Spiegel vor: ihren Traum vom ewigen Frieden und ihre mächtigste Utopie - Amerika.
Der Sprachsog dieser »Litanei« zieht den Leser in Bann und wirbelt ihn durch die Geschichte und ihre Abgründe hinein in Geschichten, die man einander darüber erzählt.
Gleich, wo man dieses Buch aufschlägt: »Europa« ist eine funkelnde Schatzkammer aus Realien und Anekdoten, ein großer Gesang auf unseren alten und in der Selbstvergewisserung sich beständig erneuernden Kontinent.

»... brillant geschrieben und ganz einfach zu haben: Man muss nur das Buch kaufen. Unbedingt.« stern
»›Europa. Eine Litanei‹ [ist] nicht nur eine zeitgenössische Bestandsaufnahme, sondern ein alternierendes Geschichtsbuch, das sowohl Geschichten erzählt als auch erfindet und zugleich die vernachlässigte Geschichte all der - gut gemeinten oder schwachsinnigen - Dinge, die Menschen in die Welt setzen, übermittelt. Auf diese Weise könnte dieses Buch möglicherweise in die Geschichte eingehen.« Oya Erdogan, DLF Büchermarkt
»... mit Michael Stavaric hat der müde Kontinent seinen virtuosen Sänger gefunden.« GOLD-Magazin
»In einer ziemlichen Rasanz gelangt man von Zeus zu Smart Phones: das ist nicht nur berauschend (wie die Rede des Buches überhaupt), es stellt auch einiges in Frage. Nicht nur verwendet Stavaric gerne Zeugmata, um Logisches & Unlogisches zu verbinden, der Text selber wird zu einem einzigen großen Zeugma. Das ist komisch, effizient & immer wundert man sich über Zusammenhänge, die man so nun wirklich noch nicht gesehen hat. Ein bissiger Über- [...] & Aufblick auf ›Europa‹, eine Parade des kollektiven (Vorurteils-) Gedächtnisses und dann wieder, an manchen Stellen und unvermutet, ein Buch der Erinnerungen an das, was einmal werden soll. Gefällt.« Angelika Reitzer, readme.cc

Michael Stavaric: Europa. Eine Litanei
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 4

208 Seiten, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, gestaltet von Andreas Töpfer, 13x21 cm, Hardcover, 19.90 Euro, ISBN 9783937445137

Annika Scheffel

Ben · Roman

»Wenn wir uns treffen, muss es der schönste Tag unser aller Leben werden, das steht fest. Wenn es nicht der allerschönste Tag unseres Lebens wird, haben wir uns nicht getroffen. So einfach ist das.«

Benvolio Antonio Olivio Julio Toto Meo Ho Schmitt weiß Bescheid: Lea wird sterben. Drei Mal darf er seine große Liebe treffen, beim vierten Mal kommt der Tod und steckt sie in seinen Stoffbeutel. Ben flieht. Unterwegs verliert er seine Namen und ohne es zu wollen nimmt er Einfluss: Er setzt Herrn May in Bewegung, verursacht den Weltuntergang hinter dem Spiegel und bringt seinen Vater auf die Insel. Und Ben stellt fest: Alleinbleiben ist gar nicht so einfach.

Annika Scheffels Romandebüt ist verspielt und existenziell, märchenhaft heutig und zeitlos schön.

Grimmelshausen-Förderpreis 2011

»Solche Debüts wollen wir.« Kreuzer Leipzig
»Annika Scheffels Debütroman ›Ben‹ leuchtet aus den Neuerscheinungen dieses Frühlings heraus ... Ein sonderbares Buch ist das, in einem unglaublich schönen, frischen Ton ... Lapidar und knapp und kühl und märchenhaft ... Annika Scheffels Buch entkommt dieser großen Lethargiefalle durch Sprachkraft, Einfallsreichtum und ein selbstbewusstes Desinteresse an den Fesseln der Realität. ... Annika Scheffel hat nichts kopiert, keine Bücher, nicht mal ihr Leben, sie hat die Wirklichkeit mit den Möglichkeiten der Literatur verwirbelt, die Grammatik neu sortiert, hat aus der schönen Möglichkeit, als neue Autorin die weißen Seiten des ersten Buches mit einer eigenen, neuen Welt zu füllen, das Beste gemacht. So liest sich der Frühling. Und das liegt nicht nur an der Sonne.« Volker Weidermann, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
»Das Gewöhnliche zum Besonderen machen - das schaffen nur ganz wenige Künstler(innen) und die 26-jährige Annika Scheffel aus Hannover ist so eine Künstlerin ... Wer dieses ungewöhnliche, tricky gestaltete, kein bisschen posh daherkommende Buch erfahren hat, der will das auch, mit drinleben. Und dagegen hilft nur: Nochmal lesen.« Jan Drees, WDR 1LIVE
»Was für eine Entdeckung! ... Annika Scheffels Roman ist ebenso von überbordender Fabulier- wie Formulierungskunst geprägt. Mühelos und lustvoll verwebt sie literarische Genres miteinander, lässt sie die Geschichte zwischen Tragik und Slapstick tänzeln. Allein die verschwenderische Fülle skurriler Nebenfiguren, deren Schicksale sie virtuos umeinander kreisen lässt, macht den Leser immer wieder staunen. Die Geschichte schlägt immer neue Haken, verblüfft mit aberwitzigen Wendungen. Es ist jedoch nicht nur der außergewöhnliche Plot, es ist vor allem auch die sprachliche Kunstfertigkeit, mit der sich dieses Buch aus der Fülle deutschsprachiger Neuerscheinungen hervorhebt. Die Autorin geht mit einem experimentellen Furor zu Werke, der Erzählkonventionen aufbricht und neu zusammensetzt. Mit poetischem Blick betrachtet sie den Alltag, nimmt hingegen durch lakonische Schilderungen den großen Gefühlen ihr Pathos. Es mag sein, dass an manchen Stellen zu viel Kunstwollen aufblitzt, doch diese gelegentlichen Manierismen vermag die Debütantin mit Witz und Ironie auszugleichen. Der Abschnitt, in dem Ben (bzw. zu dem Zeitpunkt Olivio) in einem Märchenland hinter den Spiegeln auserkoren ist, eine Prinzessin zu befreien, ist eine grandiose Parodie auf klassische Heldengeschichten - ohne dass das Genre an sich der Lächerlichkeit preisgegeben würde. Allein die Idee, dem geflügelten Pferd, das dem Helden zu Hilfe eilt, den klingenden Namen ›Schädöh‹ zu verpassen ist zum Niederknien. Und so ertappt sich der Leser dabei, wie er trotz Schmunzelns und Lachens mit den Charakteren dieses Buches mitfiebert, wie ihm jede einzelne Figur ans Herz wächst - vom Postboten, der seine mit einem Fischhändler durchgebrannte Frau sucht, über Bens besten Freund Tjorven, der im Dauerzwist mit Türschlössern lebt, bis hin zu Leas Mutter, die sich in Plastiktüten kleidet, seit ihr Mann damals beschloss, König hinter den Spiegeln zu werden. Die vielleicht wundervollste Figur ist allerdings der Tod selbst, der in einem gelben Schlauchboot rudernd hofft, seinen traurigen Einsatz zu verpassen ... Ihm stehen ein paar der schönsten Auftritte in diesem an tragikomischen Begegnungen und absurden Dialogen reichen Buch zu.« Frank Schorneck, Titel-Magazin/Macondo
»›Ben‹, das Debüt der 27-jährigen Annika Scheffel, ist ein wundersam verschwunschener Coming-of-Age-Roman, der sich als Erlösungsmärchen verkleidet hat. Nur, dass keine seiner Figuren an Erlösung glaubt, für die emblematisch der Kuss steht, der ›immer die Lösung‹ ist, ›der Schlüssel‹ zu allem. Denn der Kuss erzeugt jene Ausschließlichkeit reiner Gegenwart, welche die Gespenster der Vergangenheit zu bannen vermag. Auf einer Quest sind sie ja alle, und jeder hat unterwegs einen Menschen verloren (als der Arzt Ben fragt, was ihm fehlt, sagt er: Lea) ... Der lapidare Aplomb ihres Erzählens, die schalkhafte Nonchalance dieser so zart versponnen, verspielten und doch unsentimentalen Poesie kühlen all das Prinzessinnenpathos und die Blutromantik immer wieder herunter. Im Kopf fährt das Leben ›nicht Karussell, eher Kaleidoskop‹ heißt es einmal im Buch, das damit sein Prinzip offen legt. Annika Scheffel tappt eben nicht in die Falle der Lebenslähmung, die sie schildert. Als Autorin entwindet sie sich mit Phantasie und schönem Trotz den Ketten der bleiernen Realität. ›Wer glaubt an Märchen, an den Weihnachtsmann, den Osterhasen? Wer denkt, dass der Tod Zeit hat, jeden persönlich abzuholen? Wer wird denn hier von Wundern sprechen? Wer guckt noch um die Ecke, wenn man alles auf einen Blick und von oben ganz toll sehen kann? Wer macht sich die Mühe, irgendwo hinzufahren? Wer läuft weg, wenn ohnehin niemand was merkt? Wer fragt wen nach was und warum auch überhaupt?‹ All diese Fragen fordern zum Widerspruch heraus, im Grunde verbirgt sich dahinter das emphatische Plädoyer, sein Herz in die Hand zu nehmen. Oder so: ›Gib mir Liebe, gib mir Hass und Zorn und Wut und Haarausfall.‹ Ein Hosianna auf dieses Debüt.« Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung
»Annika Scheffel hat mit Ben ein modernes Märchen über die Liebe, die Freundschaft und den Verlust geschrieben. Ben berührt, ohne jemals kitschig zu sein - und wenn es im Literaturbetrieb gerecht zugeht, wird Ben eines der Bücher des Frühjahrs.« Hessisches Literaturforum
»... zugleich lädt sie mit ihrer leichten und spielerischen Sprache ein, ihr Buch als eine Art süffisanten Abgesang auf die Rundum-Absicherungsgesellschaft der Westdeutschen zu verstehen, die mit dem Wegfall der Blockgrenzen der echten großen weiten Welt direkt gegenüberstehen ... So erscheint dieser Roman auch als eine nachgetragene BRD-Tragödie, deren leichter Stil und deren lakonische Komik das Lesen erfreulich machen.« Rudolf von Bitter, BR Lesezeichen
»Liebe besiegt alles: Die 26-jährige Annika Scheffel stellt in ihrem grandiosen Debüt den Minnesänger des Jahres vor.« Bücher Magazin
»Annika Scheffels erster Roman [ist] nicht ohne Reiz. Die siebenundzwanzigjährige Autorin kommt vom Theater und ist als Performancekünstlerin schon in Stücken wie ›Dreckig Tanzen‹ aufgetreten; das gibt ihrer szenischen Phantasie eine gewisse tänzerische Leichtigkeit und ihren Fragen eine höhere Dringlichkeit.« Martin Halter, FAZ
»Ein Buch wie dieses lebt geradezu von den Übergängen zwischen dem Allerweltsrealen und der Realität, die es sich selbst erschafft und in die sich der Leser durch den sirenenhaften Märchenton hineinziehen lassen muss, wenn er nicht außen vor bleiben will. Von dort aus aber kann man ein leises Murren und die Frage vernehmen, um was es hier eigentlich gehe? Solchen Skeptikern ruft man am besten zu: ums Erzählen selbst. Um was denn sonst? Und das kann Annika Scheffel ganz bezaubernd.« Jochen Jung, Der Tagesspiegel
»Ein Buch, das Leser auf anmaßende wie spektakuläre Weise daran erinnert, dass Literatur zunächst und vor allem Arbeit an und mit Sprache ist. Eine Form von eigensinniger Magie, die eine Wirklichkeit hervorzubringen vermag, die mit der Realität selten deckungsgleich ist. Was festzustellen ja eigentlich eine Plattitüde ist. Doch in Annika Scheffels Debüt stehen Sätze, wie man sie selten in deutschsprachigen Romane liest. Passagen, in denen die 1983 in Hannover Geborene die Welt auseinandernimmt, um sie dann ganz neu, als poetischen Comicstrip einzurichten. ... Nicht selten ist das kitschig, dann wieder unheimlich gekonnt, skurril maniriert, lakonisch unterkühlt, dabei immer: ein Wagnis. So ist dieser erste Roman eine grandiose Zumutung.« Andrej Klahn, K.WEST - Das Kulturmagazin des Westens
»Annika Scheffels Roman sträubt sich gegen Konventionen; er lässt sich nicht verschlingen, sondern verlangt, dass man sich einlässt auf diese ungewöhnliche Art des Erzählens und sich Zeit nimmt, in die chaotisch-poetische Welt mit ihren absurden Begebenheiten einzutauchen.« Andrea Lüthi, NZZ

Annika Scheffel: Ben · Roman
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 12

272 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Fadenheftung, 19.90 Euro, ISBN 9783937445403

Martina Hefter

Nach den Diskotheken · Gedichte

»Diskotheken: Ein Wort, das es eigentlich gar nicht mehr gibt - heute würde man ja wohl ›Club‹ sagen. Wenn man es nur lang genug vor sich her spricht, klingt es sogar wie ein Wort, das man ersonnen, erdichtet, wenn nicht erlogen hat. Es ist Platzhalter für eine vergangene Zeitspanne genauso wie für eine erfundene Ära, die so nie stattfand. Ein Wort, das dazwischen fällt. Wohinein? Direkt in den Raum des Gedichts? Ist ›Diskotheken‹ das neue ›Eden‹? Das neue ›Atlantis‹? Der neue ›Hades‹? So halb. Und auch wieder nicht. Aber jederzeit gilt: Nach den Diskotheken ist, wenn der Heimweg beginnt.
Ob im titelgebenden Kapitel ›Nach den Diskotheken‹ oder im Abschnitt ›Ein Buch des Körpers‹, immer steht die Differenz im Mittelpunkt des Interesses. Die Differenz zwischen zwei Punkten einer frühmorgens zurückgelegten Strecke genauso wie die jenige zwischen Anfangs- und Endzustand einer Verwandlung, und sei es die des eigenen Körpers in eine Hummel, einen Gepard, einen Schatten. Oder, wie in den ›Vierschanzengedichten‹, die Differenz zwischen Absprung und Landung, Vergangenheit und Zukunft, Mann und Frau, Ost und West. Das Dazwischen, seine nebulöse Qualität, für die es eine eigene Sprache braucht, ist stets von Belang. Der Zwischenraum. Die nicht unbedingt präsenten wie präsentablen Vorgänge auf dem Weg von A nach B, sie finden ihre Sprache in den Gedichten - oder besser: Die Gedichte sind diese Vorgänge selbst.
Zwischenräume entstehen auch durch Bedeutungsverschiebungen - wenn Schwan oder Hupfdohle in Korrespondenz mit Wappenvögeln ganz anderer Art treten: mit John Keats, Heinrich Heine und Simon Dach. Am Ende flüstern die Pfl anzen, und die Londoner Busse sind wieder pünktlich.« Martina Hefter

Nach drei erfolgreichen Romanen erscheint mit »Nach den Diskotheken« endlich Martina Hefters lange erwarteter erster Gedichtband.

Lyrikpreis Meran 2008

» … eine Autorin, deren Gedichte überzeugen durch ihre poetische Vielschichtigkeit in der Verknüpfung von Natur bildern mit politischer Geschichte und Kindheitserinnerungen und die durch tänzerische Anmut ihrer Sprache verzaubern.« Jury zum Lyrikpreis Meran
»Dieser Band beeindruckt durch die Breite des Themenspektrums: verschiedene Formen des Tanzes, ein kleines Handbuch der Apfelkunde, Skispringer. Und er besticht durch die Vielfalt in Sprache und Stimmung: von locker hingeworfenen Alltagsfloskeln, Sprach- und Klangspielereien, Mundart ihrer Heimat ... bis hin zu tiefer Nachdenklichkeit, den Begriffen der Philosophie, den alten, den großen: Tugend, Schönheit, Vergänglichkeit, Tod.« Tomas Gärtner, Dresdner Neueste Nachrichten
»Traumwandlerisch sicher choreografiert Hefter in ihrem Gedichtband ›Nach den Diskotheken‹ Wörter und Körper; ihr genauer, nicht selten ironischer Blick lässt uns die Welt neu, anders sehen.« Nils Kahlefendt, buchjournal
»Bewegung ist nicht nur Tanz und Denken, Bewegung ist ebenso Sport. Und so gliedert sich der Gedichtband in Sinnabschnitte, die vom Tanz über das Denken zu verspielteren Themen führen: Wappenvögel, Apfelkunde, Skispringen. Es ist diese Vielfalt der poetischen Sprache wie der Themen und Anspielungen, die den Band zu einem literarischen Genuss machen, der keineswegs hermetisch ist. ›Nach den Diskotheken‹ ist ein Buch im kulturellen Freiraum, fern der ideologischen Verengung, es ist ein Teil auch der Popkultur, ohne dem Stigma ›Popliteratur‹ zu verfallen.« Volkmar Mühleis, DLF Büchermarkt
»In diesen Nächten schläft keiner. Hier wird getanzt oder gelaufen, um Seen, durch Stoppelgrasufer, an Straßenrändern entlang. Martina Hefter liefert mit diesem Band ein starkes Lyrikdebüt. ... Sie lotet die Ähnlichkeiten von Körper und Sprache, von Tanzen und Denken aus, lässt die Körper denken und das Sprechen tanzen und lässt im Sprechen über die Körper ein diffuses Wissen von etwas aufblitzen - der Welt womöglich -, das im nächsten Moment schon wieder davongekreiselt ist.« Wiebke Porombka, FAZ
»Martina Hefters Gedichte erweitern die Gegenwartslyrik um Bezüge zur Kunst des Tanzes.« Dorothea von Törne, Die Welt

Martina Hefter: Nach den Diskotheken · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 17

mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 19.90 Euro, ISBN 9783937445410

Daniel Falb

BANCOR · Gedichte

In seinen neuen Gedichten entwickelt Daniel Falb die lyrische Sprache seines ersten Bandes, »die räumung dieser parks«, konsequent weiter und präsentiert dichte, feingliedrige Skulpturen des Sozialen. »BANCOR« - das auf die von John Maynard Keynes im Rahmen der Bretton-Woods-Konferenz 1944 vorgeschlagene Weltwährung anspielt - arbeitet an einer Neudefinition des politischen Gedichts als einem genuin ästhetischen Objekt, das die Sprache der Öffentlichkeit in der Öffentlichkeit des Gedichts seziert. Daniel Falb zeigt damit eindrucksvoll, wie weltzugewandt experimentelles Schreiben sein und damit ins Herz des Sozialen und Politischen vordringen kann.

»Daniel Falb ... ist ein Wort- und Gedankenspieler, der das Material seiner akrobatisch durchdachten Verse aus Alltagsbeobachtungen filtert. Die ordnet er zu brillanten Skulpturen und Stillleben. Darin mischen sich: Gesellschaftsdiagnose, ein ebenso befremdeter wie lakonischer Ton, das Agieren von Figuren in beschädigten Leben, ein jegliches Pathos unterwandernde Ironie und Sarkasmus, die Symbiose von wissenschaftlich-technischen Begriffen, Alltags- und Umgangssprache, Sachlichkeit und unbändige Fantasie.« Dorothea von Törne, Die Welt
»Gegliedert in drei Kapitel erwarten uns Wortgeflechte, die weder von den üblichen Formen aus Metaphern, Strophen, Zeilenbrüchen, lyrischem Ich usw. geprägt sind, noch einfache Angebote machen. Textmonaden überlassen uns der Wucht ihrer Wörter: Klanglich geschmeidige, inhaltlich oft hybride Sätze, die gängige Sprachmuster collagenartig miteinander verknüpfen und eine Flut von Bildszenen erzeugen. Die übliche ›neue Lyrik‹ ist das schon mal nicht. Die Dichte der Texte ist eine Herausforderung an den Leser. Aber es gibt viel zu entdecken: Verblüffendes, Überraschendes, Spielerisches. Der studierte Philosoph Falb hinterfragt die großen Ideen der Menschheit mit den subversiven Registern heutiger Sprache. Der Titel ›Bancor‹ signalisiert, worum die meisten Texte des Buchs kreisen: Es geht um gesellschaftliche Muster, um sprachliche und soziale Konventionen und ihren beständigen Wandel. ... Falbs Bezüge sind wissenschaftliche, politische und philosophische Debatten, bildende Kunstwerke und literarische Texte, im Anhang findet man ein Verzeichnis der Quellen seiner Inspiration für die einzelnen Texte. Intertextualität ist kein Merkmal, sondern selbstverständliche Voraussetzung dieser doppelbödigen, nicht selten atemberaubenden Texte, die auch beim x-ten Lesen nichts von ihrer ursprünglichen Energie verlieren. ... Wenn die Musikkritik die ›Hamburger Schule‹ wegen ihrer alltagsphilosophischen Songtexte als ›Diskurspop‹ bezeichnet, könnte man Falbs Lyrik analog dazu Diskurslyrik nennen. Er experimentiert an den Rändern dessen, was Lyrik vermag. Provokant testet er lyrische Verfahren, ohne neue Worte zu erfinden oder Metren zu bemühen, durch semantische Collagen und Kombination verschiedenster Diskursformen, durch permanente Cut-ups aktueller Slangs und sprachlicher Milieus: Fragen, Behauptungen und Aphorismen, die sich thematisch gegenseitig annähern, sich gekonnt ins Wort oder in die Arme fallen, wo ein einziger Gedanke zum Thema nicht genügen kann. ... Falbs neue Gedichte verlangen viel und wagen Ungewöhnliches. Wer das mag, sollte sie unbedingt lesen.« Martin Jankowski, Die Berliner Literaturkritik
»Die sentimentalische Beschwörung der Welt hat dieser Dichter endgültig verabschiedet.« Michael Braun, Der Tagesspiegel
»Daniel Falb ... ist ein Wort- und Gedankenspieler, der das Material seiner akrobatisch durchdachten Verse aus Alltagsbeobachtungen filtert. Die ordnet er zu brillanten Skulpturen und Stillleben. Darin mischen sich: Gesellschaftsdiagnose, ein ebenso befremdeter wie lakonischer Ton, das Agieren von Figuren in beschädigten Leben, ein jegliches Pathos unterwandernde Ironie und Sarkasmus, die Symbiose von wissenschaftlich-technischen Begriffen, Alltags- und Umgangssprache, Sachlichkeit und unbändige Fantasie.« Die Welt
»Die Texte verbinden auf spielerische Weise möglichst konkrete Erfahrungshintergründe mit Andeutungen über deren gesellschaftlich-politische Bedingungen.« Wulf Segebrecht, FAZ
»Falb glückt es wie nur wenigen, die Alltagssprache der Spannung des Gedichts auszusetzen, seiner rhythmischen und semantischen Komplexität. ... Das Erstaunlichste freilich ist: Daniel Falbs Gedichte machen Spaß.« Der Tagesspiegel

Lyrik-Debüt-Preis 2005

Daniel Falb: BANCOR · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 16

56 Seiten, mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 19.90 Euro, ISBN 9783937445397

Uljana Wolf

falsche freunde · Gedichte

Für den Titel ihres zweiten Gedichtbands überführt Uljana Wolf einen Begriff aus der Sprachwissenschaft - »falsche freunde« - in ein feinnervig komponiertes und bisweilen aberwitziges poetisches Programm. Im Spiel mit Worten, die sich in zwei Sprachen orthografisch oder phonetisch ähneln, aber unterschiedliche Bedeutungen haben, entwickelt die Autorin ein Plädoyer für die Irritationen des Übersetzens im globalen Jetzt, der Ära des »generalised dubbing« (Nicolas Bourriaud). Ihr »DICHTionary« inszeniert Begegnungen zwischen dem Deutschen und dem Englischen und lässt in der »summenden« Anwesenheit aller Bedeutungen ein Drittes entstehen - das Gedicht selbst, ein Ort andauernder Transfervorgänge, immer in Bewegung und bereit, Festlegungen subversiv zu unterlaufen. Den Sprachverschiebungen in der Filmwelt geht das Kapitel »SUBSISTERS« auf die Spur. Hier liegt jedes Gedicht in zwei Fassungen vor, als Originalversion und als Version mit Untertiteln, die das Original nachhaltig verändern und seine Akteurinnen - Hollywood-Schauspielerinnen der 40er und 50er Jahre wie Barbara Stanwyck und Gene Tierney - jenseits stereotyper Ikonografien von Stardom und Weiblichkeit verorten. »ALIENS«, die dritte Abteilung des Bandes, verfolgt das wortwörtliche Über-Setzen von Körpern beim Einwandern in einen anderen Staat anhand einer Checkliste von Krankheiten und Auffälligkeiten, die amerikanische Inspektoren um 1900 an Einwanderern auf Ellis Island abarbeiteten. Auf gegenwärtige Grenzkontrollen und Körper im biometrischen Raster reflektiert eine Serie von »Erasures«, die Regierungstexte und Anleitungen aus der Sicherheitstechnik durch Streichungen zugleich kritisch entlarven und in Dichtung überführen.

Peter-Huchel-Preis 2006
Dresdner Lyrikpreis 2006

»Es ist kaum vorstellbar, dass irgendjemand an diesen Gedichten keine Freude haben könnte.« Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung
»Ausgehend von der Information, dass auf der New Yorker Einwandererinsel Ellis Island einst Sanitäter auf die Schultern der Neuankömmlinge mit Kreide Abkürzungen für Krankheiten schrieben, die sie bei den Menschen entdeckt zu haben meinten, dekliniert Uljana Wolf diese Krankheiten in Gedichten durch. Hier tritt das Sprachspiel in den Hintergrund und ist allein Raum für Uljana Wolfs bestechende Sprache. Der erliegt man, weil sie zugleich klug und harmonisch, treffsicher und einfach schön ist.« NDR Kultur
»Sprachbezogene politische Texte dieser Art sind neu. Bei allem Sarkasmus, aller Ironie, verspieltem Nonsens geht es bei der souveränen Semantik-Tour der Uljana Wolf letztlich um die Würde des Menschen. Dass das Thema bis in die kleinsten Sprachteile präzise und zugleich locker daherkommt, das ist das eigentlich Verblüffende.« Dorothea von Törne, Märkische Allgemeine
»Sprache erzeugt, das wird in diesen Texten ganz evident, Wirklichkeiten. Die sprachspielerische Geste hat somit zugleich etwas eminent Politisches: Sie zieht in Zweifel, was wir wahrnehmen, und verzerrt den ersten Eindruck. Auf den zweiten Blick werden plötzlich ›falsche freunde‹ zu richtigen - sie machen das Fremde vertraut und zerstören eindeutige Zuschreibungen. ... ›falsche freunde‹ ist ein kunstvolles Spiel mit den Fallstricken der Sprache. Man kann sich darin spielend verheddern - oder innehalten und zweite Wahrheiten entdecken.« SWR2
»Uljana Wolf bewegt sich mit ihrem neuen Gedichtband auf der Höhe der globalisierten Wirklichkeit und der globalisierten Lyrik-Diskussion. Dass sich die Sprach-Maschinerie manchmal verselbständigt, gehört zum Programm. Ihr Ansatz ist hochinteressant. Und manchmal blitzt sogar etwas auf, wovon man sich in Zukunft mehr wünschen würde: das Risiko des Ich abseits der vorhandenen Theorien.« dradio
»Wer die Rätselform ›Um die Ecke gedacht‹ mit ihren Aha-Effekten mag und darüber hinaus über einige Kenntnisse des Englischen verfügt, kommt hier voll auf seine Kosten und wird zusätzlich erfreut durch Wortfeld- und semantische Assoziationen, Redewendungen, Binnenreime und weitere Kunstmittel. Die ›falschen freunde‹ erweisen sich, im Lichte lyrischer Beleuchtung besehen, als echte, verlässliche Freunde produktiver Arbeit am Wort.« Wulf Segebrecht, FAZ

Uljana Wolf: falsche freunde · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von 1 _ Band 15

88 Seiten, 4 verschiedenfarbige Coverpapiere zu gleichen Teilen, mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 19.90 Euro, ISBN 9783937445380

Monika Rinck

HELLE VERWIRRUNG/Rincks Ding- und Tierleben · Gedichte/Texte und Zeichnungen

Monika Rincks neues Buch ist ein Doppelalbum: »HELLE VERWIRRUNG« versammelt neue Gedichte, in »Rincks Ding- & Tierleben« kommen Tiere, Geräte und Dichter an einem fremden Tag zusammen. Da finden sich überseelische Totemtiere und Wesen, die ihre Strafe nicht verstehen, Beschwerniskatzen, Administratoren, höhnische Witterungen und die Dressur, die die Geräte dem Menschen auferlegen. Zeichnungen und Texte bilden eine Enzyklopädie auf töneren Hufen, ihre Einträge sind zum Innersten bereit wie zum Äußersten gespannt, denn »allen blödsinn muss man selber machen«. Zeit, aufzubrechen, in heller Verwirrung auf »der quitte wegen«, auf Zeilen über das Ende hinaus. Durch »erschöpfte konzepte« und »gemütslagen des laubs« bis »Berlin Alexanderplatz - was deine arme halten« führen sie uns, zurück zu der Frage: Was kann ich aus der Quitte machen? Einen Container für Verlassenheit, eine quietschende Quittung, einen Kometen ohne jede Strahlkraft, das jüngste Gericht, ich kann sie in den Weiher werfen und schauen, was passiert - oder: Ich kann dir auch ein Lied davon singen. Denn die Welt ist ja da, wenn auch in heller Verwirrung.

»Zwei Bücher stecken in dem liebevoll gestalteten Schuber: neue Gedichte der besten Lyrikerin der jüngeren Generation und ein Band mit Prosaminiaturen, geschmückt von witzig-melancholischen Zeichnungen. Klug und verspielt, ein originelles Geschenk.« Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel
»in monika rincks gedichten ... ist die gleichzeitige präsenz von intellektueller lebendigkeit und dichterischer einbildungskraft ein wahres und anhaltendes vergnügen. ... texte, die nur so funkeln vor lauter (vielleicht auch lauterem, wenn das eine notwendige kategorie ist) sprachwitz, bildersinn und purem denkvergnügen.« herbert j. wimmer, Kolik / www.zintzen.org
»Ein Hauch wie ein Hebel: Lässt sich ein schöneres Bild denken für die Autorität ästhetischen Gelingens?« Theresia Prammer, Laudatio zum Ernst-Meister-Preis
»Wer Monika Rinck noch nicht kennt, sollte sich dieses klug verspielte Buch zum Geschenk machen: als erheiternde Gabe gegen die Herbstmelancholie. In ›heller Verwirrung‹ lässt sie sich sogar genießen.« Meike Feßmann, Börsenblatt
»Monika Rinck setzt mit großer Konsequenz auf ein seltenes Pferd … erstens auf die Fehlbarkeit der Sprache, auf die quälende, nie vollkommene Nichtsnutzigkeit der Wörter, und sie besteht darauf, dass nur in der Erforschung genau dieses Mangels die richtige Gestalt der verfehlten menschlichen Existenz aufscheint.« Marcus Hammerschmitt, Die Lust am Wort

Georg-K.-Glaser-Preis 2010
Ernst-Meister-Preis 2008

Monika Rinck: HELLE VERWIRRUNG/Rincks Ding- und Tierleben · Gedichte/Texte und Zeichnungen
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 14

200 Seiten, 53 Zeichnungen von Monika Rinck (Vorzugsausgabe mit 5 Originalzeichnungen der Autorin: 75 Euro), 2 Buchblöcke im Schuber, 24.90 Euro, ISBN 9783937445373

Volker Reiche

Poesie als Lebensform · Mäzenatengabe auf das Jahr 2009

Mit Volker Reiche eröffnet kookbooks eine neue Reihe jährlicher Sonderdrucke: die kookbooks-Mäzenatengabe. Die Mäzenatengabe erscheint in einmaliger Auflage von 100 nummerierten und signierten Exemplaren zum Preis von je 500 Euro und wird von jährlich wechselnden Künstlern gestaltet.
Zum Auftakt hat Volker Reiche uns ein Motiv mit den aus seinem STRIZZ-Comic bekannten Figuren Tassilo und Herr Paul gezeichnet. Den 11-farbigen Hochdruck im Format 25x36 cm besorgt V.O. Stomps-Preisträger Thomas Siemon von der edition carpe plumbum aus Leipzig.
Mit dem Erwerb einer kookbooks-Mäzenatengabe unterstützen Sie uns in besonderer Weise - dafür möchten wir allen Mäzenen von Herzen danken!

Volker Reiche: Poesie als Lebensform · Mäzenatengabe auf das Jahr 2009
kookbooks _ Reihe Mäzenatengabe _ Band 1

2 Seiten, kookbooks-Mäzenatengabe Nr. 1, 25x36 cm, 11-farbig, rückseitig nummeriert und signiert, 500.00 Euro

Tuuve Aro

Karmiina K.: Ich bin okay · Roman. Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat

Einen Tag vor ihrem 17. Geburtstag gelingt es Karmiina, sich aus dem Kellerverlies zu befreien, in dem sie als Gefangene von Tischler Keränen, ihrem Vater, aufwachsen musste. Die durch einen Brunnensturz als Säugling halbseitig entstellte Karmiina erschlägt ihren Vater, schlägt den in plötzlicher Vorahnung herbeigeeilten Hauptwachtmeister Mielonen bewusstlos, stiehlt seine Uniform und macht sich mit Käfer Kaspar in der Tasche auf in die Stadt, zur Wohnung der verhassten Stiefmutter - die einzige Adresse, die sie kennt. Unterwegs trifft sie Maisa, die nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, wird auf einer Szene-Party als neue Stilikone gefeiert und landet im Morgengrauen in der berüchtigten Kommune der »Grünen Gefahr«, von wo aus sie gemeinsam zu einer Demo und Aktion im Parlament aufbrechen, um vor einem gekaperten Mikrofon der Welt in Erinnerung zu bringen: »Eine bessere, andere Zukunft ist möglich.« Im Parlament begegnet sie ihrer geliebten Zwillingsschwester, die entgegen den Erzählungen ihrer Familie nicht im Brunnen sterben musste, weil Karmiina auf sie fiel, sondern von einer wohlhabenden Familie adoptiert wurde, und die nun die Existenz einer verkrüppelten Schwester nicht wahrhaben will. Während all dessen bleibt ihr Hauptwachtmeister Mielonen dicht auf den Fersen und findet Karmiina schließlich bei der vom Alkohol gezeichneten Tischlersfrau.

»Aus Büchern wie diesen wird man vielleicht ferneren Tages die Welt verstehen, wie wir die Zeit um den ersten Weltkrieg in den Büchern von Franz Kafka verstehen.« Süddeutsche Zeitung über Tuuve Aros »Ärger mit der Heizung«

»[Tuuve Aro] beruft sich auf Daniil Charms. Hier siegt die Literatur über die Wirklichkeit, mit unschlagbarer Ironie betrachtet sie die Umwelt. Finne sein, heißt Freak sein, und ein finnisches Happyend ist immer eins mit Makel.« Berliner Zeitung über Tuuve Aros »Ärger mit der Heizung«

Tuuve Aro: Karmiina K.: Ich bin okay · Roman. Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 11

200 Seiten, gebunden im Schuber, 19.90 Euro, ISBN 9783937445335

Steffen Popp

Kolonie Zur Sonne · Gedichte

Was sich mir zunehmend als das Projekt der Poesie erschließt und in meinem Schreiben zumindest ansatzweise ständig geschieht, ist die Verwirklichung der poetischen Praxis, ihre Umsetzung in eine Lebensform. Dabei geht es nicht zuletzt auch darum, herauszufinden, was die spezifischen Orientierungen und Verfahrensweisen der Poesie mit denen anderer Lebensformen verbindet. Schließlich ist von vornherein das Leben in seiner Gesamtheit der einzige Gegenstand, bearbeiten wir immer nur dieses mit allen verfügbaren Mitteln. So möchte ich, wenn ich die poetische Praxis hier überhaupt von der lebendigen abhebe, einfach nur sagen: Es wäre verfehlt, zu beklagen, dass unsere Anstrengungen der Wirklichkeit nicht gerecht werden, wir uns ihr bestenfalls annähern können, denn eigentlich betreiben wir die entgegengesetzte Bewegung, die Verlebendigung dieser Wirklichkeit im Gedicht. Indem wir die Sprache wählten, das abstrakteste Medium und »offenbar schlechteste Werkzeug für alles«, wählten wir zugleich den am weitesten entwickelten Hebel; so ist das Gedicht, in seiner Lebensferne, nichts anderes als eben unser Bemühen um dieses Leben: Nur was wir in poetische Praxis umsetzen, kann guten Gewissens als »anthropologisch gemeistert« gelten.

»Das ist lebendige Dichtung, denkt man, hier wird nicht gefiltert, sondern zusammengefügt, werden die einzelnen Elemente dazu gebracht, sich gegenseitig anzustoßen und in Bewegung zu versetzen. So werden sie zu von äußeren Energiequellen unabhängigen, unablässig sich drehenden Gebilden. Sie führen einem das Ungefügte der Welt vor Augen, nicht als eingehegtes, sondern als schillerndes Wort-Kaleidoskop: ›ihre Ausgrabungen dann, Chirurgie / gegen Erinnerung (Pathos, Asbest) / rekonstruierbar ein Bienenhaus, Bienen / ein Zebra komplett, ein Sumpfhuhn / ohne Sumpf, ein Uhu ohne U - / dein Hals, Contessa, vor Brandmauern / eine Haltestelle für dünnen Schnee.‹ Vieles ließe sich noch sagen, doch scheinen diese Gedichte dem kritischen Sprechen immer einen Schritt voraus zu sein, lassen es ganz matt wirken. Nur so viel noch: Es finden sich auch sehr konkrete Verse in diesem Band. Und besonders im Kapitel ›Auratische Flurkunde‹ bekommt der drängende Ton der Popp’schen Lyrik einen immer sehnsuchtsvolleren, utopischeren Einschlag, wirken die Gedichte immer zarter, verletzlicher.« Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung
»Steffen Popp ... gehört seit seinem Debütband ›Wie Alpen‹ zu den wichtigsten und markantesten Stimmen der neuen deutschsprachigen Lyrik. Sein neuer Band ›Kolonie Zur Sonne‹ bestätigt seinen Rang. Popp versteht sich selbst als ›postavantgardistischer‹ Autor, der die sterilen Selbstreflexionen des Mediums Sprache ebenso meidet wie die wieder verstärkt auftretende Freiluftmalerei sensibler Seelen. Auch hier geht es um Bewusstseinszustände, um Erfahrungen, die aber vom Textverfahren nicht abzuscheiden sind. ... So wie man Musik auch hören - und lieben - kann, ohne ihre kompositorischen Grundlagen zu überblicken, kann man Lyrik lesen, ohne sie mit einem hermeneutischen Universalschlüssel zu ›verstehen‹. In Popps neuem Buch finden sich einige der schönsten Möglichkeiten, in deutscher Sprache dichterische Erfahrungen zu machen.« Richard Kämmerlings, FAZ
»eine höchst anregende und gewichtige Sammlung. ›Die Einzelheiten geben nicht nach / hitzeverzogenes Blau, krepierter Hydrant‹, so beginnt ein längeres Gedicht, ›Fragmente einer Strasse bei Regen‹. Und wie dieses sind viele seiner Gedichte geprägt von raffiniert verschachtelten, verkeilten Bildern, die auch akustische und optische Wahrnehmungen miteinander verschränken. ... Wichtig sind ihm Szenen, Momente, die er weniger zu fixieren als vielmehr zu finden trachtet. Dabei werden sie, mit einem beinahe unmerklichen Dreh, zu einer existenziellen Erfahrung, die in einer anderen als der eben gefundenen Formulierung nicht aufzuheben ist: als Denkprozesse mit und in der Sprache. Diese zeugt Welt und zeigt auf Welt, in immer neuen Anläufen und Konstellationen und jedes Mal wieder auf überraschende Weise.« Martin Zingg, Neue Zürcher Zeitung
»glückssendend, schönheitstriefend, abgefahren« Dieter M. Gräf, Volltext

Steffen Popp: Kolonie Zur Sonne · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 13

64 Seiten, gebunden im Schuber, 19.90 Euro, ISBN 9783937445359

Sabine Scho

farben · Gedichte

»Seit Newton die spektrale Brechung des Lichts nachgewiesen hat, ist Farbe kein greifbarer Bestandteil der wirklichen Natur mehr, sondern ein subjektiv erfahrenes Phänomen, das sich dem menschlichen Empfinden verdankt, aber auf physikalischen Ursachen beruht. Farbwahrnehmung stellt somit den Präzedenzfall des zerteilten Subjekts zwischen Physis und Psyche dar. Indem wir ihren Eindruck auf unser Auge und Gehirn zurückführen, ist Farbexistenz ebenso wenig erläutert, wie die Annahme verkehrt sein muss, sie verdanke sich allein unserem Eindruck. Zum sichtbaren Licht haben wir keine Distanz, es herrscht kein Gegenüberverhältnis, sondern ein a priori bestehendes Kontaktverhältnis (C. F. v. Weizsäcker). Farblose Dinge gibt es praktisch nicht, und es ist sogar fraglich, ob wir Dinge ohne Farbe überhaupt sähen, Farben ohne Dinge hingegen schon, etwa einen blauen Himmel. Farben sind optische Leitbilder, mit denen wir uns der physischen Welt versichern und ihr Bedeutung verleihen. ‚farben’ beschäftigt sich mit diesem unausweichlichen Kontaktverhältnis, mit dem Stimmungswert des Farbgefühls. Er schreibt sich durch die Bilder und Empfindungen hindurch, die für ein bundesdeutsches Subjekt identitätsstiftend wurden. Anlass sind ihm dabei Werkreihen wie Gerhard Richters Bilderzyklus 18. Oktober 1977, die als Gedichte fluoreszieren (chartreuse, atomic tangerine), Landschaftsepiphanien und Musik (glacier, blue), Reiseerlebnisse und Drogentrips (pink, green), das fragile Selbst (petrol), wie es Nan Goldin fotografierte (skin) und Andy Warhol serialisierte (velvet). Eine voyage colorée. Mit Gedichten in Farbe durch die Innenwelt des Außenerlebens. Vervollständigt und erweitert wird der Band durch epische Bildgedichte und Fotografien.« Sabine Scho

»Farben und Bilder - beide zerlegt Sabine Scho in den zwei Kapiteln ihres neuen Gedichtbandes in ihre Bestandteile, analysiert ihre Wahrnehmung und ihren emotionalen Gehalt, an der Schnittstelle zwischen der menschlichen Psyche und der physischen Welt, deren wir uns durch optische Leitbilder zu versichern haben. ... Ihre visuellen Quellen sind dabei ebenso weit verzweigt wie die sprachlichen, die Wortspiele der amerikanischen Rap-Musik wie ›anglizissle‹ und kunsthistorische Fachbegriffe genauso beinhalten wie eine Prozesskritik Andreas Baaders, die in dem offenbar von Gerhard Richters ›18. Oktober 1977‹ inspirierten ›chartreuse‹ zitiert wird. ... Derart vielfältig lässt Sabine Scho ›die fächernden Farben / aus Luft‹ schillern, dass sie die reizvolle Sprödigkeit ihrer früheren Texte, eigentlich ein Markenzeichen, weitgehend vergessen macht. Ihren poetisch polyglotten Gedichtband darf man guten Gewissens farbenprächtig nennen, ohne Schos originelles Schaffen in die Nähe jener Autoren zu rücken, deren Poeme in ihrem kurzlebigen Glanz an bunt verzierte Geburtstagstorten erinnern. Schos literarisch ausdrucksstarke Kost ist zwar alles andere als leicht verdaulich, aber auch äußerst gehaltvoll.« Axel Müller, FAZ

Sabine Scho: farben · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 12

80 Seiten, mit 18 farbigen Abbildungen, Fadenheftung, im Schuber, 19.90 Euro, ISBN 9783937445342

Doris Kleilein, Anne Kockelkorn, Gesine Pagels, Carsten Stabenow (Hg.)

TUNED CITY · Zwischen Klang- und Raumspekulation/Between Sound and Space Speculation. Reader

Sounds in der Stadt sind allgegenwärtig. Sie bestimmen Räume, Situationen und Identitäten. Seit Jahrzehnten nutzen Künstler die Geräusche der Stadt als Material, um den gebauten Raum zu inszenieren und zu hinterfragen – für Planer und Architekten ist das Entwerfen von und mit Sound hingegen Neuland. »Tuned City - Zwischen Klang- und Raumspekulation« fragt nach der Neubewertung architektonischer Räume aus der Perspektive des Akustischen. Der vorliegende Band fasst Positionen von Künstlern, Architekten und Wissenschaftlern zusammen und bietet eine Grundlage, um den Architekturdiskurs um die flüchtige Dimension des Hörens zu erweitern.
»Sounds belong to the City. They determine spaces and identities. For years, artists have been using city noises as a material to stage or to question urban space - new territory, however, for most architects and planners within the routines of functional planning rocedures. »Tuned City - Between Sound and Space Speculation« searches for a new evaluation of architectural spaces from the perspective of acoustics. This volume presents various positions of architects, artists and theorists to expand the architectural discourse with the dimension of listening.

Doris Kleilein, Anne Kockelkorn, Gesine Pagels, Carsten Stabenow (Hg.): TUNED CITY · Zwischen Klang- und Raumspekulation/Between Sound and Space Speculation. Reader
kookbooks _ Reihe Essay _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 4

192 Seiten, zweisprachig Englisch-Deutsch, illustriert von Andreas Töpfer, Broschur, 25.00 Euro, ISBN 9783937445366

Melanie Laibl, Dorothee Schwab

Ein Waldwicht fliegt in den Oman · Eine Reise in Reimen

Was macht ein kleiner Wicht, dem es in seinem Wald zu eng wird? Er sucht sich ein reiselustiges Raschelblatt und fliegt mit ihm einmal um die ganze Welt. Melanie Laibl und Dorothee Schwab haben seine Abenteuer dokumentiert - in feinsinnigen Reimepisoden und überbordenden Bildern. Mit Waldwicht-Lied zum Mitsingen und Waldwicht- Weltkarte fürs Kinderzimmer.
Liebste Reisegefährten sind ihm Kinder ab 3 Jahren.

Kollektion Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2009
Romulus-Candea-Preis 2008
Map Austria Preis 2007, Kategorie Illustration
DIXI-Kinderliteraturpreis 2007, Kategorie Illustration

»Dieses Kinderbuch von Melanie Laibl und Dorothee Schwab ist anders - gelungen anders. Gezeichnet ist es nur in Teilen, meist ist es ein Mischmasch aus Fotos, Gekritzel und Gemaltem. Schwab arbeitet etwa ein Bild ihres Emil ein, einem Chamäleon. Ob sich sonst noch eine Anspielung im Buch befindet, verraten die zwei österreichischen Kinderbuchmacherinnen nicht. So gekonnt Schwab die Szene in Bild setzt, so gekonnt hat Laibl das Abenteuer des Wichts in Worte gegossen. Es wird gereimt. ›Anstatt zu Hause still zu sitzen, / möcht’ er rund um den Erdball flitzen. / Nur: Wie stellt das einer an, / der von Natur nicht fliegen kann‹, schreibt Laibl. Im Herbst ergibt sich die Gelegenheit: ›Raschelblatt, Raschelblatt, flieg und flieg mit mir! / Ich wär so zwirbelwirbelgern dein Waldwichtpassagier.‹ Der Flug führt den Reisenden aber nicht nur in den Oman, sondern auch nach Brasilien oder Neuseeland. Um das ›Angebot“ komplett zu machen, ist dem Buch ein Poster beigelegt, zum Abschluss gibt es auch noch ein ›Waldwicht-Willkommenslied‹ - in solchen Momenten sollte man Notenlesen können.« Der Standard

Melanie Laibl, Dorothee Schwab: Ein Waldwicht fliegt in den Oman · Eine Reise in Reimen
kookbooks _ Reihe Kinderbuch _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 4

32 Seiten, durchgehend farbig, 27x36 cm, gebunden, 19.90 Euro, ISBN 9783937445311

Michael Stavaric

Nkaah · Experimente am lebenden Objekt

Nkaah kam aus dem Meer. Als es vom Regen genug hatte, befahl es den Steinen, sich zu einem Haus zu fügen. In dieses Haus wird, viel später, der Ich-Erzähler in Michael Stavarics traumwandlerischen Miniaturen über die Welt der Kindheit und das Wesen Nkaah, das gleichermaßen als Erbe uralter Sagen, Familienerzählung und Gefährte kindlicher Fantasie auf ihn kommt, hineingeboren. Aber schon mit sieben Jahren entscheidet er sich, kein Kind mehr zu sein und aufzubrechen – an Nkaahs Seite mit Vasco da Gama durch niemals durchschiffte Ozeane, mit Neil Armstrong als Astronaut zum Mond, mit Kapitän Ahab auf der Pequod über ein verlorenes Meer, mit Lola zu allen Nuancen der Farbe Rot, mit dem von seinem Stamm verstoßenen Höhlenmenschen Dzar in die Erfahrung von Einsamkeit und Fremde. Zu einer Reise, die niemals endet, denn manchmal »will eine Reise getan werden, sei es auch nur, um mit Nachdruck Lebewohl zu sagen, weil man nie mehr wiederkehrt.«

Mit einem Auszug aus »Nkaah. Experimente am lebenden Objekt« gewann Michael Stavaric 2003 den Wettbewerb »Poesie der Stille« der Akademie Graz. In der Begründung der Jury hieß es: »Die Texte bestechen durch die poetische, narrative Form, Sprachlandschaften werden neu erschlossen, sie werden begehbar. Es wird ein Raum des ›Empfindens‹ geöffnet, die Bilder bekommen darin neue Kraft. In diesem literarischen Raum werden ›Orte‹, menschliche Orte, festgemacht. Der Zyklus ist ein Schreiben gegen die ›Ortlosigkeit der Zeit‹, gegen die oft vorfindliche Ortlosigkeit moderner narrativer Literatur.«

Michael Stavaric: Nkaah · Experimente am lebenden Objekt
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 10

140 Seiten, 4 transparente Schmuckblätter mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 18.90 Euro, ISBN 9783937445281

Christian Hawkey

Reisen in Ziegengeschwindigkeit · Gedichte Englisch-Deutsch. Aus dem amerikanischen Englisch von Steffen Popp und Uljana Wolf

Ob in die Hirne von Miniaturschafen oder in die Einsamkeit der Satelliten - Christian Hawkeys Gedichte entführen ihre Leser in Landschaften, die plastisch werden, indem sie das Offensichtliche auflösen: »Da / war ein Loch im Dach. / Da war kein Dach.« Die so entstehenden Panoramen sind weniger surreal als hellsichtig: In ihren porösen, von Technologien durchzogenen Topografien begegnen wir »heimatlosen Klonen«, »Vögeln mit eingestickten Labeln« und der Geburt von Nationen. Interieurs und Ichsituationen werden ins Spiel gebracht und bleiben doch dem Zugriff auf »sich« stets voraus, immer auf dem Sprung - in die nächste Zeile, unterwegs in die nächste »auf blasbare Landschaft«. Tollkühn, beunruhigend komisch und mit skurriler Verve arbeitet Christian Hawkey an der »elastischen Haut von Oberflächen«. In ihren Falten entziehen sich Subjekte den Forderungen nach Identität oder Zugehörigkeit und bewahren eine Instabilität, die auch als ästhetische Antwort auf politische Zumutungen zu verstehen ist.

»Unbedingt rühmenswert« Süddeutsche Zeitung

»›Das Buch der Trichter‹ ist eines der sonderbarsten und schönsten Lyrikdebüts, das ich seit sehr langer Zeit gelesen habe.« John Ashbery
»Eher verzweifelt als heiter ist der Humor, der den Einstieg in diese dicht geknüpften Gedichte ermöglicht - stets geht mitten im Gelächter ein Alarm los.« The New Yorker
»Christian Hawkey ist ein Superheld. Christian Hawkey kann Sachen in Gedichten machen, die Normalsterblichen nicht gelängen.« Mathias Svalina, Octopus Magazine

Christian Hawkey: Reisen in Ziegengeschwindigkeit · Gedichte Englisch-Deutsch. Aus dem amerikanischen Englisch von Steffen Popp und Uljana Wolf
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 11

200 Seiten, 4 Transparentblätter mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 22.90 Euro, ISBN 9783937445304

Sabine Scho

Album · Gedichte

»Schos Eigenständigkeit scheint unverkennbar: so spröde und zugleich schräg dichtet heute niemand sonst. Wäre ihre Lyrik Musik, müsste man sich wohl eine Mischung aus Ornette Coleman und Zarah Leander vorstellen. Die Fotos, auf denen die Gedichte basieren, stammen übrigens aus den wirtschaftswunderlichen 50er und 60er Jahren der alten Bundesrepublik. Rosemarie Nitribitt hat in den Versen ebenso ihren Auftritt wie der Erfinder des ›Toast Hawaii‹, Clemens Wilmenrod. Man betrachtet stolz ›Horst mit seinem neuen Opel‹ oder staunt über das Kurzstartflugzeug STOL. Erstaunlich, wie sehr sich die Nachgeborene Scho heraushält, wie kaum je ein Ich diese Gedichte bewohnt. Dabei wirken sie keineswegs seelenlos, ganz im Gegenteil: Das Material - Montagen aus vermeintlichen Bildunterschriften, inszenierter O-Ton, lakonischer Kommentar oder Werbezitat - scheint mitunter geradezu zu vibrieren - oder doch zu ruckeln und zu rattern. Einen Schlüsseltext bildet das ›Richtfest für den Sortiermaschinen-Anbau‹. Wie eine Sortiermaschine, die aus dem Takt geraten ist und plötzlich ganz ungewohnte, überraschend schöne und witzige Kombinationen hervorbringt, funktionieren auch diese Gedichte. Da wird aus der autobegeisterten Betrachtung eines Kühlergrills unversehens ein ›Kühlpsalter‹, auf dem dann eine ›Winterrallye‹ nach ›Niflheim‹ stattfindet. Ein Lexikon sollte man bei diesen abenteuerlich umherbrausenden Gedichten freilich immer bei der Hand haben. Sonst entgeht einem schnell ›der weg-/ geblitzte Rest, das Badesalz des/ Bilds‹.« Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung
»Das vorliegende Album ist Trophäe, Ergebnis erstaunlicher Kopf- wie Körperjagd; gleichermaßen melancholische Jagd nach dem Sprach- und Geschichtskörper, den Scho dort aufzusuchen pflegt, wo seine Zerstückelung, die Besudelung, offenbar wird: Dianas Jagd nach den verdunkelten Spuren weiblicher Sexualität. Ich kenne keine(n) der augenblicklich interessanten Dichter und Dichterinnen, denen die (ressentimentlos-didaktikfreie: eben dichterische) Benennung des Geschlechterkampfes (hier trifft das Wort) in seinem verdrucksten Elend treffender gelingt ... Wandlung im offenbar Unwandelbaren, das ist Album. Das Titelwort leitet sich von ›albus’, ›weiß’, her: weißes (Foto-)Papier wird hier mit Schrift besetzt. Die geweißten Flecken der Geschichte, deren angeschmuddelte, unbegriffene Papiere bedeckt Sabine Scho mit den rasanten, luft- wie sprachaufklärenden Gliedern ihrer Zeichenketten. Bei aller, durchgehender, Härte finden sich schöne, atemberaubend schöne Fügungen in ihren Gedichten; die sich die Dichterin, wie es scheint, nach genauer Prüfung erst einzusetzen gestattet.« Thomas Kling
»... ein vielstimmiges, vielperspektivisches, hochkomplexes lyrisches Sprechen, das zeigt, was Lyrik zuallererst ist: ein schönes Spracherweiterungsprogramm. Auf diese Weise löst die Autorin die große alte Aufgabe der Dichtung, ein äußerst zufälliges in ein ganz einzigartiges Leben zu verwandeln.« Aus der Jury-Begründung zum Leonce-und-Lena-Preis
»Sabine Schos Poesiealbum tötet die Nostalgie im Kälteschock. ... Alltagssprache und Zitate, fremdsprachliche Wendungen und Fachjargon gelangen hier in eine poetische Sortiermaschine, die die Spreu vom Weizen trennt. Wer zeitgenössische Lyrik noch immer überwiegend für Selbstbespiegelung oder leer kreisende Sprachmusik hält, wird sich auch bei Sabine Scho eines Besseren belehren lassen können.« Richard Kämmerlings, FAZ

Leonce-und-Lena-Preis 2001
Ernst-Meister-Förderpreis 2001

Sabine Scho: Album · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 10

64 Seiten, Transparentumschlag mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, mehrere Fotos, Klappenbroschur, 15.90 Euro, ISBN 9783937445298

Johannes Jansen

im keinland ist schönerland stumm · Texte aus der DDR 1983-1989

Das Frühwerk des Ostberliner Dichters Johannes Jansen erzählt DDR-Geschichte als aufreibendes Wechselspiel: Hier der sich selbst zu behaupten versuchende »Läufer«, ein Großstadt-Ich, das mitunter raubtierartige Züge annimmt - dort die geografische wie politische »Landschaft« als den Läufer umgrenzendes Gehege. Die meisten Texte entstanden in Berlin-Pankow mit Blick auf die Mauer. Gegen diesen Blick setzt Jansen eine Poetik der Bewegung, die auch deren beständige Verhinderung zum Thema hat. Schon in den Jugendgedichten, die an W.C.Williams geschult sind, lässt der 17-Jährige seine Prägung durch die gesamtdeutsche Geschichte erkennen, und der Schmerz, den sein Ich unter der Sprachverhunzung im ideologischen Alltag empfindet, ist allgegenwärtig. In den späten Achtzigern wächst sich die Landschaft zu einem konzertierten Angriff auf den Läufer aus, er wird im Stehen und Gehen verfolgt, auf Schritt und Tritt überwacht. Der Drang des Ichs, in Bewegung zu bleiben, verflicht sich in der Lektüre mit Jansens Textfabrikation: Zwischen den Spaziergängen bleibt oft genug nur das Schreiben als Rettung vor Übermannung und Paranoia. Das Ich probiert »gangarten« aus und schafft sich, als das Gedicht der zunehmenden Aggressivität keine Form mehr geben kann, Lyrik-Prosa-Hybride, um seiner Wirklichkeit weiter gerecht zu bleiben. Im Wendejahr schließlich zerfallen ihm die Gedichte endgültig - mit den »spottklagen eines abseitigen« entsteht eine giftige Blocksatz-Prosa, die sich heute als herausragendes literarisches Dokument zum Ende des DDR-Sozialismus liest.

»im keinland ist schönerland stumm« versammelt zahlreiche unveröffentlichte wie auch bereits in der DDR erschienene, aber seit langem vergriffene Texte aus den Bänden »Poesiealbum 248« (1988) und »Prost Neuland« (1990) - ausgewählt und mit einem Vorwort versehen von Jan Böttcher.

Johannes Jansen: im keinland ist schönerland stumm · Texte aus der DDR 1983-1989
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Jan Böttcher _ Band 9

200 Seiten, zahlreiche Fotografien, 21x13 cm, Hardcover mit Schutzumschlag, Fadenheftung, 22.90 Euro, ISBN 9783937445052

Pierangelo Maset

Laura oder die Tücken der Kunst · Roman

Laura Vermeer verlässt nach einer kurzen Karriere als »Kunstterroristin« das Berlin der Wendezeit, um in Hamburg als Assistentin des mächtigen Galeristen Hyde ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Dank ihrer Freundschaft zur Agentin Ruth Netzer gerät sie damit in ein Zentrum des sich fundamental wandelnden Kunstmarktes, in dem die Macht der Galeristen, Agenten und Kuratoren wächst, während sie die Künstler zunehmend zu Spielbällen ihrer eigenen Interessen degradieren, und wird schließlich selbst zu einer einflussreichen Protagonistin dieses Prozesses.
Mit »Laura oder die Tücken der Kunst« knüpft Pierangelo Maset dort an, wo sein Roman »Klangwesen« endete. Er zeigt die Verflechtungen von privaten, geschäftlichen und künstlerischen Interessen unter den veränderten Produktions- und Vermarktungsbedingungen im Feld der Kunst, die alle persönlichen Beziehungen durchziehen. Zwischen Laura, Ruth, dem New Yorker Künstler Bob und dessen schwesterlicher Freundin Monica entspinnt er eine vielschichtige Vierecksgeschichte, in der sich Erotik, Liebe, Freundschaft, künstlerische Lebensweise und Geschäftliches unauflöslich ineinander verschränken und heftig aufeinander einwirken.

Nominiert zum Deutschen Buchpreis 2007!

»eine elegante Darstellung des Epochenwandels zwischen den achtziger Jahren und der Gegenwart. ... Aber die Kunst ... bleibt selbst am Ende dieses intelligenten Desillusionierungsromans eine mögliche ›Idee gegen das System, ein Versprechen für mögliche andere Welten‹.« FAZ
»Ein Roman ..., dem sein Autor manche Situationsbeschreibung des Kunstbetriebs anvertraut hat, die nicht zum offiziellen Vorlesungsprogramm gehört. Wer Spaß daran hat, wie Thomas Glavinic in ›Das bin doch ich‹ den Literaturbetrieb zerlegt, wird auch Pierangelo Masets ätzende Bestandsaufnahme der internationalen Kunstszene mit Souveränitätsgewinn lesen.« dradio

Pierangelo Maset: Laura oder die Tücken der Kunst · Roman
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 8

248 Seiten, Zeichnungen von Andreas Töpfer, 21x13 cm, Hardcover mit Schutzumschlag, Fadenheftung, 19.90 Euro, ISBN 9783937445267

Christian Schloyer

spiel · ur · meere · Gedichte

Wenn Sprache permanenter Entstehungsprozess von Ich und Welt als Kondensat der Wahrnehmung ist, was wäre dann die Suche nach Urwelt und Ursinn? Was wäre der Versuch, unsere ungeheuerliche Sprachmatrix durchstoßen zu wollen, um nach einem Dahinter, nach Bedeutung zu forschen? Donquichotterie! Größtmögliche Eselei! Ikarus auf Tauchfahrt in die Ironie. Sam Lowrys Flucht zwischen die Zeilen, in den Sinnsang zwischen Minne und Unsinn. Um was zu finden? Muss nicht Eden am Urgrund der Sprache liegen, im Irgendwo, ein Atlantis, wie Mutterleib und Liebe? Du? Die Urmeere, sagt man, hatten 37 °C. Den Butt in die Fischfalle locken.Vielleicht weiß er einen Weg.

Leonce-und-Lena-Preis 2007
1. Preis beim 12. Open Mike 2004

»Christian Schloyers Gedichte lesen sich wie ein Exerzitium in romantischer Magie. Ihr ebenso ernsthaft wie augenzwinkernd erklärtes Ziel ist nichts Geringeres als das wiedergefundene Paradies einer vorsprachlichen Unschuld. ... In den gelungenen Augenblicken dieses Bandes aber verbinden sich postmoderne Poetik und romantische Sujets zu Traumtänzen von beträchtlicher Anmut.« FAZ
»Das Urgeräusch dieser Gedichte ist das leise Tönen einer Spieluhr. Die Kompositionen von ›spiel - ur - meere‹ scheinen einer Tonspur entnommen, die von der Romantik bis zu den Exerzitien Stefan Georges und Rilkes die erlesensten Kostbarkeiten enthält.« Frankfurter Rundschau
»Schutzlos schön« Der Tagesspiegel
»Leise, poetisch, hintersinnig und voll blitzender Sprachüberraschungen - in jedem Moment lauscht man gebannt aufs nächste Wort.« Süddeutsche Zeitung

Christian Schloyer: spiel · ur · meere · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 9

80 Seiten, 4 Transparentblätter mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 15.90 Euro, ISBN 9783937445274

Monika Rinck

zum fernbleiben der umarmung · Gedichte

Dass Assoziation und Gedankenschärfe gleichberechtige Funktionen von poetischer Präzision sein können, führt uns Monika Rinck in »zum fernbleiben der umarmung« aufs Neue vor Augen. Sprachliches Raffinement und rasante Wortläufe treffen hier auf ein Feuerwerk von Ideen - abgefedert durch einen waghalsigen Humor. So fragen Monika Rincks Gedichte genauso nach dem Sinn des Horizonts wie danach, was mit den Tieren ist. Sie versuchen die »immunisierung durch zorn«, durchlaufen »die taucherkammer der affekte« und kommen am Ende einer »tour de trance« unmerklich zum Stehen - »das ganze ist fatal«.

Ernst-Meister-Preis für Lyrik 2008
Hans-Erich-Nossack-Förderpreis 2006
Förderpreis zum Kunstpreis Rheinland-Pfalz 2006

»Wenn die Dichterin Monika Rinck den Bewusstseinsraum des Poetischen öffnet, dann geht es meist um eine Neugruppierung unterschiedlichster Reflexions- und Assoziationskräfte, um die Integration disparatester Gedanken und Bilder in eine mobile Form ... In ihrer literarischen Arbeit verwickelt sie sich bewusst in ein Spannungsverhältnis von medientechnischen, philosophischen und lyrischen Inspirationen, in dem stets neue, überraschende Lösungen gefunden werden müssen.« Michael Braun, Sprache im technischen Zeitalter
»Man muss Monika Rinck als die mit Abstand beste Dichterin ihrer Generation bezeichnen: kühn in ihren Mitteln, mit radikalen Einsichten.« Tom Schulz, satt.org
»Rincks Gedichte leben von der Extravaganz, von einer meist wundervollen Verschrobenheit nicht nur im Ton und in der Bildsprache, sondern auch in der Bereicherung des lyrischen Vokabulars.« Rainer Stolz, tip Berlin

Monika Rinck: zum fernbleiben der umarmung · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 8

80 Seiten, 4 Transparentblätter mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 14.90 Euro, ISBN 9783937445236

Hendrik Jackson

Im Innern der zerbrechenden Schale · Poetik und Pastichen

Hendrik Jacksons Buch versammelt Essays, poetologische Auseinandersetzungen und Pastichen. Ob sich Jackson dabei auf Rilke, Pasternak oder zeitgenössische Dichter bezieht oder ob er der vieldeutigen Natur des Worts nachgeht - er sucht Literatur da auf, wo sie entsteht: in Texten, die Texte generieren, wie auch im »Innern der zerbrechenden Schale«, dem Schnittpunkt von Welt und Imagination. Der Band spannt einen Bogen von Essays, die spätmittelalterliche Sprachimpulse aufnehmen und »Rückseiten« des Bewusstseins - Ohnmacht, Unsichtbares, Ahnungen - thematisieren, hin zu karnevalesken Abschweifungen und Pastichen. Wie korrespondieren Wort und Wirklichkeit, wie Empfindung und Übersetzung? Nicht nur in seiner Poetik, auch in seinen Anverwandlungen und Parodien fremder Intonationen versucht Jackson, die Verheißungen, die in Poesie anklingen, manifest werden zu lassen.

Friedrich-Hölderlin-Förderpreis 2008
Hans-Erich-Nossack-Förderpreis 2006
Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis 2005
Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium 2002

»Ein Solitär unter den Dichtern der jüngeren Generation« Michael Braun, Sprache im technischen Zeitalter

Hendrik Jackson: Im Innern der zerbrechenden Schale · Poetik und Pastichen
kookbooks _ Reihe Essay _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 3

144 Seiten, 4 Transparentblätter mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 17.90 Euro, ISBN 9783937445243

Andreas Töpfer, Samara Chadwick

Durch dick und dünn/Through thick and thin · Kinderbuch

»Durch dick und dünn« ist die Geschichte davon, wie ich, Pipa, zu einer Reise kam und Pim wieder nach Hause. Es ist ein Bilderbuch zum Vorlesen für Kinder ab 4 oder zum Selberlesen für Kinder ab 6 Jahren und besonders für diejenigen von euch, die Englisch können oder lernen möchten. Und weil Pim englisch spricht und ich deutsch, erzählen wir abwechselnd. Aber jeder von uns erzählt die Geschichte so, wie er sie erlebt hat.
»Through thick and thin« is the story of how Pipa had his voyage and how I, Pim, came home again. It is a picture book to read to children ages 4 and up, and to read by yourself when you are at least 6, especially for those of you who want to learn to speak German or who already do. Since Pipa speaks German and I speak English we take turns telling our story, each of us in our own way.

»›Durch dick und dünn. Through thick and thin‹ erzählt situativ, wie Pim, der Angler, und Pipa, die weltreisende Taucherin, Freunde werden, wobei Pim englisch spricht und Pipa deutsch. Beide erzählen, was sie gerade erleben, aber weil sie zwei verschiedene Individuen sind, erleben sie eben nur fast das Gleiche. So erhält die Geschichte einen unvermittelten Reiz in der minimalen Abweichung der englischen und deutschen Texte. Und die Beziehung der beiden bleibt in einer nuancenreichen Gender-Schwebe, wenn Pipa für Pim ›he‹ (also männlich) ist, die Endung des Namens und die Illustration Pipa aber als weiblich assoziieren lassen. Mit den beiden Sprachen korrespondieren die scherenschnitthaften Silhouetten der Helden: Pim ist kugelrund, Pipa (im engen Kleid?) langgestreckt. Wie sie nun ihre Abenteuer, auf dem Zirkushochseil balancierend oder mit dem Fahrrad Mondberge erklimmend, bestehen und sich in ihrer Not - ›Eine Geschichte hilft immer‹ - einen Elefanten imaginieren, der sie in Lichtgeschwindigkeit während eines Tages um die Erde und wieder nach Hause bringt, das ist eine grosse Feier der Macht der Phantasie und der kinderwachen Freiheit der Kunst.« Angelika Overath, Neue Zürcher Zeitung
»Der kreisrunde Pim und der wurstdünne Pipa jedoch, zwei wüste schattenhafte Gestalten, sind so gar nicht lehrerhaft. Zwar erzählen sie (nicht ganz dasselbe) auf Englisch und Deutsch, die Zweisprachigkeit aber wird bald zur Nebensache, denn ihre Geschichte ist nicht nützlich, sondern schön. Und auf den packpapierfarbenen Seiten ist zum Pauken auch gar keine Zeit. Pim und Pipa haben eine irre Idee nach der anderen und verfolgen sie rücksichtslos. ›Come on!‹ - ›Auf geht’s‹ - Wenn man mal gerade nicht lernen muss, kann man ja was erleben.« Die Welt
»Der dicke Pim und der dünne Pipa treffen sich unverhofft - und staunen über die Figur des jeweils anderen. Aber weil sie sich nun einmal begenet sind, beschließen sie spontan, weiter zusammen zu bleiben, gründen einen Zirkus, reisen der Sonne nach und helfen sich immer wieder gegenseitig aus der Patsche - bis sie nach einer langen Weltreise wieder zu Hause sind. Diese amüsante Geschichte, mit klaren, geometrischen Figuren, wenigen Farben und viel Phantasie sehr schön auf einem Karopapier illustriert, wird zweisprachig erzählt: Pipa erzählt das, was er sieht und erlebt auf Deutsch, Pim dagegen berichtet über seine Sicht der Dinge in einem einfachen Englisch. Damit ist dieses Buch nicht nur originell, schön gestaltet und unterhaltsam, sondern auch ›pädagogisch wertvoll‹.« Der Kulturclub

Andreas Töpfer, Samara Chadwick: Durch dick und dünn/Through thick and thin · Kinderbuch
kookbooks _ Reihe Kinderbuch _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 3

48 Seiten, durchgehend farbig, 21x21 cm, Hardcover, Fadenheftung, 14.90 Euro, ISBN 9783937445250

Monika Rinck

Ah, das Love-Ding! · Ein Essay

Was stellt sich ein, wenn Leute etwas zusammen machen? Was wäre das, was nur die Gruppe enthalten kann? Und vor allem: »Wie geht vorbereiten?« In ihrem poetischen Essay »Ah, das Love-Ding!« erkundet Monika Rinck die Transiträume und changierenden Übergänge von Singular zu Plural. Nicht Sublimierung, Substitution oder Entzug gibt sie den Protagonisten dieser »éducation sentimentale« dabei auf, sondern eine Einübung in die »Neuerziehung der Wünsche«. Gegen die Reduktion gebotener Komplexität, gegen »sentimentalisch-terroristisches Einsamkeitsfieber« und die Zermürbung aller Beteiligten formuliert sie eine heutige Form der romantischen Idee des unendlichen Gesprächs und verfolgt die Wendung zum Glückenden: auf etwas, auf den und die Anderen zu.

Ausgezeichnet von der Stiftung Buchkunst als eines der schönsten deutschen Bücher 2006
Nominiert zum Deutschen Designpreis 2008

Hans-Erich-Nossack-Förderpreis 2006
Förderpreis zum Kunstpreis Rheinland-Pfalz 2006
Georg-Glaser-Förderpreis 2004
Lyrik-Stipendium der Stiftung Niedersachsen 2003

»Dieses Buch, das nicht nur durch seinen ungewöhnlichen Titel, sondern auch seine liebevolle Aufmachung ins Auge sticht, handelt von unserer Sehnsucht nach Gemeinschaft. Es geht um den Schritt vom Ich zum Wir, und zwar auch jenseits der traditionellen Paarbeziehung: also um die inneren Gesetze von Cliquen und Freundeszirkeln. Monika Rinck schreibt so atemberaubend originell, dass man fast vergisst, hier einen Theorietext zu lesen. ›Ah das Love-Ding‹ ist ein großer Essay, so angenehm wie ein schöner Abend in einer Lounge, ein anregendes Buch über das Abenteuer Denken.« Denis Scheck, ARD
»Die Berliner Lyrikerin schreibt gelehrt, poetisch, ironisch und assoziativ von Liebe und Freundschaft, von der sozialen Natur des Menschen und von dessen Schwierigkeiten damit. Als Leser bleibt einem keine andere Wahl, als mitzuschwimmen im Strom der sprudelnden Gedankenentwicklungen, von Platon bis Musil über Alltägliches, Berliner Melancholie und weiter zu Foucault, man läßt sich treiben und spürt, im Zauber der Sprache gefangen, oft gar nicht, daß man gerade zum Nachdenken gebracht wird.« Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
»Monika Rinck versucht nichts weniger als ein zeitgemäßes Symposion, eine Art verschriftlichten Salon im 21. Jahrhundert. Und der gelingt ihr bewundernswert, anregend, poetisch, verspielt, doch immer existenziell.« Nicolai Kobus, Tagesspiegel
»Die Kunstform des Nachdenkens ist der Essay. Monika Rinck denkt die Poesie gleich mit und schreibt im ergiebigen Grenzbereich zwischen philosophischer Anthropologie, poetischer Sprachformen am Rand der Verständlichkeit und gesellschaftlicher Aufklärung. ... Ein Buch für Nachdenker, die den Weg der poetischen Deduktion nicht scheuen und sich nicht zu fein sind, einen Satz oder eine Passage zweimal zu lesen - es lohnt sich meistens.« Harald Loch, Frankfurter Neue Presse
»›Ah, das Love-Ding‹ ist ein Roman, ein Langgedicht, ein philosophischer Dialog und eine wissenschaftliche Abhandlung ... So sicher Rinck den wissenschaftlichen Ernst immer wieder auf die Banalität des Alltags runterkocht, so sicher hebt sie ihn schließlich in einer lyrischen Situation auf, wo jenseits der Sinnfrage metaphorische Fluchträume entstehen. Darum kann man sich von dem Text ergreifen lassen, ohne ihn begreifen zu müssen.« Jean-Michel Berg, Süddeutsche Zeitung
»Wollte man die frei flutenden Assoziationen des Buches auf eine knappe Summe reduzieren, könnte man es als eine Studie zu der Frage betrachten, wie Menschen in einer Zeit des Zweifelns an Ehe und Familie zu anderen, befriedigenden Formen des Gemeinschaft finden können. Doch damit würde man ihm seine besondere Poesie austreiben. Monika Rinck (Jg. 1969) erprobt hier spielerisch einige mitunter recht verquere Thesen, wie sich Solisten zu Ensembles formen können, ohne deshalb einem dumpfen Kollektivgeist zu verfallen. Aber bevor sich ihre Überlegungen in allzu luftige Höhen verlieren, lässt sie regelmäßig die bissige Kunstfigur Veronika zu Worte kommen, die ein Konzentrat ist aus purer Nüchternheit, Skepsis und Ironie.« Uwe Wittstock, Die Welt

Monika Rinck: Ah, das Love-Ding! · Ein Essay
kookbooks _ Reihe Essay _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 2

200 Seiten, 4 Transparentblätter mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 18.90 Euro, ISBN 9783937445205

Michael Stavaric, Renate Habinger

Gaggalagu

So vielfältig die unterschiedlichen Sprachen sind, so unterschiedlich sind die Weisen, wie in ihnen Tierlaute wiedergegeben werden. Aber heißt das auch, dass die Tiere sich untereinander nicht verstehen? Und die Menschen? Und wie kommen sie ins Buch? Ja, wann ist ein Hahn ein Hahn?
Mit Witz, Weltgewandtheit und feinem sprachlichem und zeichnerischem Hintersinn führen Michael Stavaric und Renate Habinger durch die Klippen tierischer und menschlicher Kommunikation. Seine funkelnden Geschichten und Gedichte und ihre Zeichnungen voller hinreißender Details erzählen von Unterschieden und Gemeinsamkeiten und davon, dass es nicht immer nur darauf ankommt, dieselbe Sprache zu sprechen, um einander zu verstehen.
Empfohlen für Kinder ab 8 Jahren.

Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2007!

»Dieses Buch leistet einen Beitrag zur Artenverständigung. ... ein Grund mehr ..., dieses wundersam verschrobene Buch zu lesen, das spielerisch in die Fülle der Sprachen einführt.« Felix Müller, Die Welt
»In ihrem außergewöhnlichem Kinderbuch ›Gaggalagu‹ machen Michael Stavaric und Renate Habinger ernst mit der Vorstellung, dass Sprache Wirklichkeit nicht nur abbildet, sondern sie ganz wesentlich erschafft. Die Grundidee ihres Buches beruht nämlich auf der seltsamen Tatsache, dass in unterschiedlichen Sprachen die Lautäußerungen der Tiere auch unterschiedlich notiert werden. ... Und wir stehen einigermaßen ratlos vor der Erkenntnis, dass gerade auf jenem Feld der Sprache, in dem das Band zwischen Wörtern und Welt noch unzerschnitten schien, auf dem Feld des Mimetischen und des Onomatopoetischen, dass also gerade hier die größte Tyrannei und Willkür herrscht. Wohlgemerkt eine unheimlich tröstliche Ratlosigkeit! Stavaric' und Habingers Buch dekliniert dieses Problem nun an verschiedenen Beispielen durch: am Bellen der Hunde, am Miauen der Katzen, am Mähen und Bähen der Schafe, am Zwitschern der Vögel, am Quaken der Enten und Frösche, am Wiehern der Pferde, am Fiepsen der Mäuse, am Quieken der Schweinchen und an vielem anderen mehr. Und wie sie das machen - das ist wirklich erstaunlich: Michael Stavaric erzählt seine vierzehn kurzen Geschichten nämlich in Versen bzw. in Sätzen, die Versen sehr ähnlich sind. Beim ersten Lesen (und mehr noch: beim ersten Vorlesen) kommt man immer wieder ins Stocken und schließt von der eigenen Hilflosigkeit auf eine Ungelenkheit des Textes. Dass das ein Fehler ist, merkt man spätestens beim zweiten Lesen. Diese vordergründig so dahingestoppelten Verssätze sind nämlich unter der Oberfläche aufs Sorgfältigste verschränkt und verzahnt, durch Stabreime, Assonanzen, Anagrammartiges, verblüffende Binnenreime, rhythmische Symmetrien - und oft schließen sich die Bögen erst eine oder mehrere Seiten später. Ständig klingeln irgendwelche Glöckchen - man muss höllisch aufpassen, dass einem nichts entgeht. Renate Habingers Illustrationen ... sind so liebevoll, ja nun tatsächlich: so schön, dass hier der grausliche Gemeinplatz vom ›Man muss es selbst gesehen haben‹ fröhliche Urständ feiert - und dass das Ganze auch noch aus einer eigenen Type gesetzt ist, der ›Kookiboo‹, zeigt noch einmal deutlich, dass Buchgestaltung mehr sein kann als ein Faustpfand fürs Vertretergespräch - aber das war bei Daniela Seels ›kookbooks‹ ja von Anfang an die Regel.« Ulf Stolterfoht, WDR3
»Die Begegnungen mit Pjotr dem Frosch, Wassili dem Pferd oder dem Schweinchen Karina entführen in die entlegensten Winkel unserer Erde. Verpackt sind die lautmalerischen Landkarten in kleinen, feinen Abenteuern ... ›Gaggalagu‹ ist ein intelligentes, nicht moralisierendes Kinderbuch für Alt und Jung, das die Lust an der Sprache an sich weckt.« APA
»Michael Stavaric dekonstruiert Reime und montiert sie comicartig zu einer skurrilen Weltreise. Gaggalagu, eine Wanderung durch Tierlaute von England bis Indonesien und durch Buchstaben von Aal bis Zett.« Die Presse
»Nicht nur Kindern vom Vorlesealter aufwärts zu empfehlen; auch Erwachsenen amuse-gueule und Augenschmaus! Dass in der Differenz und im Detail der Reiz liegt, kann man nach Lektüre dieses Büchleins ebenso behaupten, wie eine Ahnung von x Sprachen zu haben, Altgriechisch inklusive (qua Froschgequake!). Knapp wird hier eine Vielheit, Vielstimmigkeit ausgebreitet, jenseits der Kakophonie. Dass man diesem kookbook seine eigene Schrifttype designt hat, die launige ›Kookiboo‹, gehört für den Jungverlag selbstredend zum guten Ton.« Ulrike Matzer, Berliner Literaturkritik

Michael Stavaric, Renate Habinger: Gaggalagu
kookbooks _ Reihe Kinderbuch _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 2

48 Seiten, durchgehend farbig illustriert von Renate Habinger, 4 bedruckte Transparentblätter, 21x21 cm, Klappenbroschur, 14.90 Euro, ISBN 9783937445212

Tom Schulz

Vergeuden, den Tag · Gedichte

In seinen neuen Gedichten zeigt sich Tom Schulz als Nachfahre jener Abenteurer, die der modernen Dichtung den Weg bereiteten: der mittelalterlichen Troubadoure. Er führt uns an Orte, die wir aus eigener Anschauung zu kennen meinen, und solche, die erst durch seine Worte erfahrbar werden, denn »die Erfindung aller Wege geschieht / gerade jetzt«. Seine Tonlagen reichen dabei von verspielt bis elegisch, von sozialkritisch bis zärtlich. So erzählen diese Lieder eines heutigen Fahrenden und Schauenden vom karibischen »grünen Gewitter der See« ebenso wie von den »Untoten / der 23. Straße« und nicht zuletzt immer wieder von der »Blindenschrift« Liebe.

»Wieder einmal Lyrik, die berauscht.« Mario Schwegmann, Stadtblatt Osnabrück
»Lyrik, die ›leicht auf der Zunge‹ liegt und dabei anhält wie ein verwegen gewürztes Gericht: schlicht für Gourmets.« Ulrike Matzer, Berliner Literaturkritik
»Hier wird das Gedicht auf eine subtile Art politisch, fast ohne dass der Leser es merkt.Tom Schulz ... versteht es, die Sprache auf Bilder hin abzuscannen, die sich beim Leser tief ins Gedächtnis graben ... Nie lag in tristen Neubaublöcken so viel Poesie: Was bleibt, aber ›stiften Elf-Tankstellen‹.« Guy Helminger, Luxemburger Tageblatt

Tom Schulz: Vergeuden, den Tag · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 7

80 Seiten, 4 Transparentblätter mit Zeichnungen von, Klappenbroschur, 14.90 Euro, ISBN 9783937445229

Steffen Popp

Ohrenberg oder der Weg dorthin · Roman

Am Ende seines Lebens bricht Aschmann noch einmal auf, um Graf Ohrenberg zu begegnen. Jahrzehnte, nachdem Zufall und politische Wirren sie zusammengeführt und wieder auseinander gespült haben, nähert er sich jenem Funkturm im Thüringer Bergland, auf dem Ohrenberg zurückgezogen lebt.
In Erwartung ihres Wiedersehens definieren, konstruieren und verorten sie sich, wetteifern Aschmann und Ohrenberg um Realien des Wunders und die Homunkuli ihres »elefantischen Daseins«, das erfüllt ist von den Hinterlassenschaften eines kaum erst vergangenen Jahrhunderts, die sie bewohnen.

Rauriser Literaturpreis 2007
Nominiert zum Deutschen Buchpreis 2006
Heimrad-Bäcker-Förderpreis 2006
Kranichsteiner Förderpreis 2004

»dies ist eines der verstiegensten, fantastischsten und kühnsten Debüts, das man in letzter Zeit entdecken konnte. Aus der Schwemme des Mittelmasses ragt das Buch wie ein einsamer Fels heraus.« Pia Reinacher, Weltwoche
»Die beiden vermessen die Welt mit den nicht geringen Mitteln ihrer fabelhaften Hirne. Hochkomisch ist das manchmal, ganz hohe Literatur außergewöhnlich häufig, hochlyrisch ist es immer.« Elmar Krekeler, Die Welt
»Steffen Popp hat mit ›Wie Alpen‹ 2004 eines der wichtigen Lyrikdebüts vorgelegt. Die dichte, bilderreiche Sprache und der übersprudelnde Gedankenreichtum dieses Romans beweisen erneut das außergewöhnliche Vermögen eines jungen Autors.« Richard Kämmerlings, FAZ
»ein Feuerwerk von Assoziationen und wortgenauen Bildern …« Nicole Henneberg, Frankfurter Rundschau

Steffen Popp: Ohrenberg oder der Weg dorthin · Roman
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 6

144 Seiten, 14 Zeichnungen von Andreas Töpfer, 21x13 cm, Hardcover mit Schutzumschlag, 17.90 Euro, ISBN 9783937445175

Johannes Jansen

Bollwerk. Vermutungen

»Wenn man doch endlich ohne Überzeugung wäre«, eröffnet eines der neuen Prosastücke von Johannes Jansen.Anknüpfend an seine Beobachtungen und Befragungen von Ich und Welt im vorangegangenen Band »Halbschlaf«, führen die Vermutungen des »Bollwerks« die Selbst-Befreiung hinein in eine »Wirklichkeit des Möglichen« konsequent fort. Spielerisch üben sie sich in einer Haltung des Zweifels, die scheinbare Gegensätze au.öst und eine Rücksicht ermöglicht auf die Maßlosigkeit von Existenz, die in jedem Augenblick gegenwärtig ist: Wie viel ist doch allein dazu nötig, aufrecht eine Straße hinunterzugehen. »Also runter und raus an die Kaltluft der Illusionen. Keiner soll sagen, dass alles nur Lüge sei.«

»Man könnte Johannes Jansens ›Bollwerk‹ auf jeder beliebigen Seite aufschlagen und wäre immer mittendrin.« Der Tagesspiegel
»Johannes Jansen … nimmt uns mit, verstrickt uns in seine asketischen Gedankenexperimente, führt uns auf noch nie betretenes aphoristisches Gelände, auf dem er hellwach zu schlafwandeln, zu schlafschreiben versucht - süchtig nach dem noch nicht Gedachten.« Die Zeit
»Der Denkweg hierhin war auch der Emanzipationsweg eines Schriftstellers, der zu den bemerkenswerten Stimmen seiner Generation gehört.« FAZ
»Jansen verwandelt das Leben in einen künstlerischen Akt. Das ist seine Kunst.« Süddeutsche Zeitung

Johannes Jansen: Bollwerk. Vermutungen
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 7

112 Seiten, 6 Zeichnungen von Andreas Töpfer, 21x13 cm, Hardcover mit Schutzumschlag, 16.90 Euro, ISBN 9783937445199

Hendrik Jackson

Dunkelströme · Gedichte

Die Gedichte Hendrik Jacksons zeichnen Spuren scheinbar unmerklicher Vorgänge, machen sichtbar, was vielleicht nur hinter geschlossenen Augen geschieht, in Traum, Erinnerung, Vorstellung, Poesie. Und sich doch niederschlägt, ablesbar wird, heraufragt aus dem mannigfachen Strom des Vorüberziehens, Passierens. Was geschehen sein könnte, geschehen mag. »Skizzen von Flüchtigkeit« konkretisieren sich »in rasender Grabung. Gesang«, rufen ins »Gespräch um Zuneigung«, das ein Auftauchen aus Ohnmacht und Unverbindlichkeit gewährt, eine Teilhabe an gestalteter Gegenwart, die auch den Leser umfasst, ihn einbezieht.
So sind es die Gedichte selbst, die sich im Lesen als Momente von Mannigfaltigkeit ereignen und Ausgangspunkte für Geschichten bilden, Erreger von Sinn-Ladungen. Sie rücken in unsere Aufmerksamkeit, stellen sich im Strömen der Rede als Verdichtung her: Etwas zuckt auf, kristallisiert, leuchtet ein.

Dunkelstrom – dark current – bezeichnet die spontane Bildung von Ladungen durch Wärme in lichtempfindlichen Detektoren, etwa CCD-Chips. Sie erzeugen ein so genanntes Rauschen, auch wenn keine Belichtung vorliegt, und erhöhen den Schwarzwert. Ihr Entstehen ist nicht vorhersagbar.

Friedrich-Hölderlin-Förderpreis 2008
Hans-Erich-Nossack-Förderpreis 2006
Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis 2005
Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium 2002

»Ein Solitär unter den Dichtern der jüngeren Generation« Michael Braun, Sprache im technischen Zeitalter
»Und die Beobachtungen selbst finden sich - wie in Eichendorffs Landschaften - in einem Code wieder, der die abstrakte Distanz will: Das Wort ›Fahrt‹ benennt keine konkrete Fahrt, und der Plural ›Fahrten‹ erst recht nicht. Diese Abstraktion führt zu jenen schönen, gebildeten Wörtern zurück, und Jackson bekennt sich zu seiner systematischen Ausweglosigkeit, aus der nur ein Wahrnehmungsfehler, das falsche Detail herausführt: ›ein Detail verlagerte / seine Referenz. die ganze Weite ringsum riß auf‹. Die damit verbundene Sehnsucht heißt Stillstand, dem das Gedicht ›freeze frame‹ den filmischen Namen gibt.« Christoph König, FAZ
»schmeichelnde und schmetternde Lyrik in genialisch zersauster Inszenierung. [Jacksons] Karambolage geläufiger Worthülsen (›schwere Mäntel‹, ›lichte,weite Fläche‹) generiert atemlos neue Bilder.« Katharina Döbler, Die Zeit
»Wie wenigen anderen gelingt es Hendrik Jackson, seinem Schreiben drive zu geben, einen spin. Die Verszeilen in ›Dunkelströme‹, seinem jüngsten Lyrikband (dem dritten mittlerweile), elektrisieren schlicht: ›sirrende Drähte (Boden – Himmel) zerreißend aufgespannt‹. Sie blitzen, treffen den Nerv der Zeit. Welt und Innenwelt spülen wechselweise Szenen an, die - ob vor den Lidern, ob dahinter - fluktuieren. Atmosphärisches quillt auf, um sich zu entladen: ›grandiose Wetterfelder‹ mit Schlaglichtern auf heutige Befindlichkeiten.« Ulrike Matzer, literaturkritik.de
»In Jacksons Gedichten gewittert es und friert ein und leuchtet wieder. Die Kulissen europäischer Städte blitzen im Zwilicht auf und geben den Blick auf die Stille im Auge eines Orkans frei, auf das Vakuum, das uns zu Tierchen macht, zu sterblichen Karnevalisten. Spätestens hier wird klar: Jackson hat etwas zu sagen.« Ulrike A. Sandig, Kreuzer
»Mit diesem Gedichtband beweist er einmal mehr, dass er zu den eigenwilligsten und vor allem ›eigensten‹ lyrischen Stimmen seiner Generation zählt.« Jan Valk, Stadtrevue Köln
»So gelingen Jackson beeindruckende Zeilen, die ihre feingliedrige Technik zu erstaunlich dichten Bildern in die Tiefe schrauben.« Nikolai Preuschoff, goldmag

Hendrik Jackson: Dunkelströme · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 6

80 Seiten, vier Schmuckblätter auf Transparentpapier mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, 14,5x21 cm, Klappenbroschur, 14.40 Euro, ISBN 9783937445182

Uljana Wolf

kochanie ich habe brot gekauft · Gedichte

Es sind knisternde, kristalline Momente, denen Uljana Wolf in ihrem Debüt »kochanie ich habe brot gekauft« nachspürt, Momente der Überschreitung, in denen die Intimität des Vertrauten blitzartig umschlägt in die Erotik des Fremden. Als »reisende« bewegen sich ihre Gedichte mit spielerischer Leichtigkeit von Land zu Land, von Frau zu Mann, von Zunge zu Zunge. Alles scheint hier übersetzbar.
Feinfühlig und mit bisweilen verschmitzter Verve gelingt es Uljana Wolf, Begegnungen mit Geliebten und Vätern, Holzfällern und bissigen schlesischen Dorfhunden im »aufwachraum« der Sprache poetisches Leben einzuhauchen. In einer Welt, in der die Sprache unterwegs und das Unterwegs in der Sprache ist, entstehen Gedichte als Miniaturunterkünfte, die den Leser verführen - zum Verweilen, zum immer Wiederlesen.

Peter-Huchel-Preis 2006
Dresdner Lyrikpreis 2006

»Schmal ist es, aber es gehört zum Feinsten und Besten, was in diesem Jahr verlegt wurde. Allein schon von außen: Das Bändchen kochanie ich habe brot gekauft ist in der gewohnt ungewöhnlichen kookbooks-Manier gestaltet und einfach zum Kaufen schön. [...] Ein Gedicht von Uljana Wolf zu lesen ist, als ob man arglos auf einen irgendwo herumliegenden Stein steigt und plötzlich mit dem Kopf in einem ungeahnten Zwischenreich steckt, einfach so.« Sabine Franke, Frankfurter Rundschau
»magische Textkörper« Gabriele Killert, Die Zeit
»Als deutsch-polnische Grenzgängerin verschränkt Uljana Wolf [...] das Lebensgefühl ihrer Generation mit fremden Flurstücken - so der Titel eines Gedichtzyklus - zu einer intensiven Sprachlandschaft. In wenigen Strichen gelingt es ihr, die Essenzen ihrer Erlebniswelt traumhaft sicher in sprachliche Miniaturen zu fassen.« Aus der Jury-Begründung zum Peter-Huchel-Preis
»Hier spricht eine lyrische Stimme, deren leiser Inständigkeit man zu folgen bereit ist.« Michael Braun, Basler Zeitung
»Zu welcher Ausdrucksintensität die Autorin aber bei aller Tendenz zum Sagbaren, Diesseitig-Tatsächlichen, zu Witz und Verstand fähig ist, das führt sie in der kunstvollen Antithetik der Elegie ›kreisau, nebelvoliere‹ vor, einem mit der Sprache musizierenden Liebesgedicht. Spätestens jetzt wird nachvollziehbar, warum die Juroren des Peter Huchel-Preises mit ihrer Entdeckung ans Licht wollten und Uljana Wolf den diesjährigen Büchnerpreis der Lyrik zuerkannte.« Sibylle Cramer, Süddeutsche Zeitung
»Mit mehr als vierzig Gedichten füllt sie das Buch mit einer ganz eigenen Poesie, die schon mit den ersten Zeilen von die verschiebung des mundes zu leuchten beginnt. Die kaum merkliche Verschiebung der vertrauten Dinge, der zu erwartenden Tatsachen, der bekannten Worte, der üblichen Perspektive um nur ein, zwei Grad scheint es zu sein, mit der Uljana Wolf es schafft, uns beim Lesen etwas überraschend Neues zu zeigen. Dabei arbeitet sie mit keineswegs ungewöhnlichen Mitteln. Uljana Wolfs Sprache ist sparsam und genau. Das ist alles. Und das ist viel. [...] Ein rundum gelungenes, ein schönes Buch. Glückwunsch! Das gibt es nur selten.« Martin Jankowski, satt.org

Uljana Wolf: kochanie ich habe brot gekauft · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 5

72 Seiten, vier Schmuckblätter auf Transparentpapier mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, 13x21 cm, Klappenbroschur, 15.90 Euro, ISBN 9783937445168

Pierangelo Maset

Klangwesen · Roman

133 Radios hat Eric Dert, der Ich-Erzähler in Pierangelo Masets Romandebüt »Klangwesen«, in seinem »Klangzimmer« versammelt, im Kreis um ein Achtspurtonbandgerät. Durch sie fühlt er sich auf beruhigende Weise mit der Außenwelt verbunden, denn »Meistens hilft es, wenn mich eine Radiostimme anspricht«.
Mit dem Altwarenhändler Ted arbeitet er an Aufnahmen, um aus ihnen verborgene Anweisungen zu filtern und diese in der Stadt aufzuspüren. Sie nennen es »das Spiel«, und das »besteht darin, […] Stimmen und Klänge in die Tat umzusetzen«. Vieles ändert sich, als sie auf einem ihrer Streifzüge Laura begegnen und erst Ted, dann auch Eric eine Affäre mit ihr beginnt. In »das Spiel« eingeweiht, gelingen ihr wundervolle Aufnahmen. Doch woher hat sie ihr profundes technisches Können? Und was hat die unnahbare Ruth Netzer damit zu tun? Ist es vielleicht längst schon sie, die die Fäden in der Hand hält?
Erst als Laura plötzlich verschwindet, wird ihnen klar, dass die Grenzen ihres Spiels längst überschritten sind ...

Eigenwillig, selbstironisch und mit einem manchmal irrwitzigen Zwang zur Sachlichkeit gelingt es Eric immer wieder, die vielfach ineinander verflochtenen Netze urbaner Lebenswelten zu anwendbaren Mustern auszulegen. Mit ihm erfahren wir die Schönheit und Freiheit des Flüchtigen.

»Und dann möchte ich Ihnen unbedingt noch eine Liebesgeschichte empfehlen, aber eine Liebesgeschichte für Menschen, denen normale Liebesgeschichten zu schmalzig und verlogen und deshalb ein Graus sind. Dieser Liebesroman erzählt im Grunde von der Liebe zum Medium Radio. [...] In seinem hundeschnauzenkalt erzählten und doch spannenden Roman Klangwesen schreibt Maset über zwei Eigenbrötler in Berlin, ziemlich verkrachte Existenzen, die ihr Leben längst nicht mehr so ganz auf die Reihe kriegen, weil sie nichts interessiert außer ihren selbstgemischten Soundcollagen. Wie Maset diese einsamen Käuze sich dann dennoch verlieben lässt, das macht für mich Klangwesen zu einem der tollsten Debüts des Jahres.« Denis Scheck, Druckfrisch, ARD
»ein spätes, aber umso eigenwilligeres Debüt [...] Eine Faszination umgibt diesen Roman, die so ungreifbar ist wie der Äther selbst.« Silja Ukena, KulturSPIEGEL
»ein faszinierender Roman-Erstling, der im Nebenbei den Begriff ›Interaktivität‹ neu definiert.« Nina May, Die Zeit
»›Klangwesen‹ ist das seltsamste Stück Berlin-Literatur, das seit langem erschienen ist: ein trickreich zerklüftetes Stück Prosa über die Stadt in den achtziger Jahren« Gregor Dotzauer, Tagesspiegel
»eine wirkliche Entdeckung« Harald Loch, Frankfurter Neue Presse
»ein Buch, das einem beim Lesen die Ohren öffnet« Thomas Kretschmer, Zündfunk, BR 2
»Der Ich-Erzähler, den Pierangelo Maset [...] erfunden hat, ist selbst so ein Vehikel, ein Traum- und Transportwesen, das überall Eindrücke aufschnappt und als launige Kommentare beim Leser abliefert. Oder sollte man Dert lieber ein Medium nennen? Denn davon handelt ›Klangwesen‹ vor allem: Wie Botschaften zu Wirklichkeit werden, wie überhaupt jede Realität entsteht, indem Informationen interpretiert werden. [...] Zurück bleibt ein Raum voller Klänge, die auch beim zweiten Lesen noch merkwürdig im Kopf surren« Harald Fricke, taz
»›An der Oberfläche geht es um eine andere Form von ›Werk‹ und ›Autorschaft‹, in der Tiefenebene um Resonanzeffekte, die die Subjekte überwältigen können.‹ Wie komisch eine solche Überwältigung aussehen kann, lässt sich in Masets zart ironisch geschriebenem Buch ›Klangwesen‹ wunderbar nachlesen.« Gustav Mechlenburg, textem.de
»›Klangwesen‹ ist ein großartig nüchtern geschriebener traum-artiger Psycho-Thriller, mit viel trockener Ironie und Gespür für Atmosphäre verfasst.« Radio Fritz
»Liebesgeschichte, Kriminalroman, Großstadterzählung, Persönlichkeitsstudie, Gesellschaftsbeschreibung - Pierangelo Masets Romandebüt lässt sich nicht auf eine Dimension reduzieren. [...] Gekonnt verknüpft Maset seine musikalischen Kenntnisse mit einem faszinierenden Gespür für klangvolle Formulierungen. Seine Sprache erzeugt eine Art musikalisch-rhythmischen Sog und eine innere Spannung, denen sich kein Leser entziehen kann.« Kreuzer
»Sein starkes literarisches Debüt vereint (Spiel-) Witz, Spannung, Absurdität und Intellektualität.« Hans-Martin Koch, Landeszeitung Lüneburg

Pierangelo Maset: Klangwesen · Roman
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 5

160 Seiten, 16 Zeichnungen von Andreas Töpfer, 13x21 cm, gebunden mit Schutzumschlag, 17.90 Euro, ISBN 9783937445151

Gerhard Falkner, David Moss

Gegensprechstadt - ground zero · Gedicht. Music by David Moss

Mit »Gegensprechstadt - ground zero« legt Gerhard Falkner ein Opus Magnum der polymeren Poesie vor - von David Moss kongenial musikalisch umgesetzt und begleitet.
Vor dem Horizont der Hauptstadt verkettet »Gegensprechstadt - ground zero« das große Geschehen mit winzigen Annotationen, die ihm der denkende Körper während seines Vorüberziehens hinzufügt. Berlin bildet dabei die urbane Folie, die, über das Zeitgeschehen gezogen, mit den Kräften der Geschichte, der Mauer, der politischen Wiedervereinigung und mentalen Entzweitheit, aber auch mit der Ironie der Beobachtung und dem Eros der visuellen Aneignung poetisch verschmilzt. Der Tradition der großen Langgedichte des 19. und 20. Jahrhunderts folgend, grüßt »ground zero« eine ganze Reihe von ihnen mit rhythmischen und motivischen Anspielungen.
In seinen Anfängen in die frühen 90er Jahre zurückreichend, thematisiert das Gedicht disparate geistige Tendenzen, etwa zwischen Ost und West, Theorie und Plattheit, gesellschaftlicher Utopie und entnervendem und entseelendem Materialismus. Es verfolgt die Bahn der Schönheit und des komplementären Terrors, des radikalen Denkens und der ridikülen Spaßgesellschaft, den Gang des Chronos, mit seinem 11. September, seinem 3. Oktober und seinem politischen Gesetz der Reziprozität: Was zerstört, wird zerstört werden, und wenn Schönheit zerstört wird, entsteht »ground zero«.
CD in Koproduktion mit der Literaturwerkstatt Berlin.

Kranichsteiner Literaturpreis 2008
Spycher Literaturpreis Leuk 2006
Schillerpreis 2004

»Sollte hier womöglich ein Jahrhundert-Gedicht geschrieben worden sein? [...] Man fragt sich, wie lange sich die Jurys dieses Landes diese Ignoranz gegenüber einem so turmhoch das Mittelmaß überragenden Werk wohl noch leisten können. Peter Geist, Freitag
»Das Wörtchen ›gegen‹, das den Titel ›Gegensprechstadt‹ prägt, ist [...] im Sinne des Begegnens und Entgegnens zu verstehen, wie es sich in jedem Aufeinandertreffen ereignet, ob zwischen Stadt und Flaneur, Geschichte und Gegenwart oder Sprache und Welt: Das Gegenüber fordert stets heraus. Falkners Text antwortet auf diese Forderung mit lyrischen Momentaufnahmen wie mit literarischen Zitaten, mit elegisch inszenierten Abschiedsgesten wie mit harten Schnitten, mit sperrigen Wortfügungen wie auch gefälligen Phrasen. So entsteht ein bizarrer Reigen aus poetischen Figuren, die, teils wie Heimsuchungen, teils wie Heilsbringer, gegen die Zumutungen einer Hauptstadt aufgeboten werden, die sich am liebsten nur im Hier und Jetzt begreifen will. ›Berlin beginnt immer mit den Worten: Heute, Jetzt / und Hier bin ich‹, heißt es an einer Stelle, die erhellt, wovon ›Gegensprechstadt - ground zero‹ spricht: vom Nullpunkt solcher Selbsterfindung.« Tobias Döring, FAZ
»In seinem jüngstem Gedichtband [...] hat sich Falkner an eine neue Kühnheit gewagt: an die Rekonstruktion des modernen Großstadtpoems, das mit einem ›starken, aufgestockten Deutsch‹ neu belebt werden soll. Das Langgedicht ›Gegensprechstadt - ground zero‹ ist zugleich Großstadtgesang, politische Rhapsodik nach den Erschütterungen des 11. September und Requiem auf eine verlorene Liebe.« Michael Braun, Tagesspiegel
»Gerhard Falkners langes Gedicht ›Gegensprechstadt - ground zero‹ ist ein ganz großer Wurf. [...] ›Gegensprechstadt - ground zero‹ kann man in seiner Luzidität wirklich jedem Literaturfan empfehlen, nicht nur dem hoch spezialisierten Lyrikkenner. Der Text bietet so vielfältige Zugänge, dass er der zeitgenössischen Lyrik insgesamt womöglich neue Leser erschließen könnte.« Gerald Fiebig, satt.org
»mitreissender Wortfluss« Neue Zürcher Zeitung
»Die Literaturkritik hat den Band bereits als ›Jahrhundertgedicht‹ gefeiert. Doch es würde bereits genügen, wenn er die Aufmerksamkeit all jener, die die einfallsarmen Bauchnabelschauen der Nachwuchs-Romanciers schon jetzt nicht mehr lesen können, auf ein Genre umlenken würde, in dem es den Themen so richtig an die Substanz geht. Dank der beigefügten CD, die eine Hörbuch-Fassung enthält, ist das atemberaubende Langgedicht selbst für wenig Geübte verblüffend rasch decodierbar.« Martin Droschke, Junge Welt

Gerhard Falkner, David Moss: Gegensprechstadt - ground zero · Gedicht. Music by David Moss
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 4

96 Seiten, Buch mit CD, vier Schmuckblätter auf Transparentpapier mit Zeichnungen von Andreas Töpfer, 13x21 cm, Klappenbroschur, 24.80 Euro, ISBN 9783937445144

Thomas Kraft

Schwarz auf weiß · Warum die deutschsprachige Literatur besser ist als ihr Ruf. Eine Werbeschrift

Das »Neue deutsche Erzählen« rief Mitte der neunziger Jahre Begeisterungsstürme hervor und junge Autoren wurden in einem vor allem medial inszenierten Jubel wie Popstars gefeiert. Doch mit dem folgenden Zusammenbruch am Neuen Markt ging, glaubte man den Feuilletons, auch ein merklicher Verlust an literarischer Qualität einher. Kritik, Buchhandel und Verlage entdeckten das Wort von der Krise wieder, Mutlosigkeit und Lamento griffen um sich, und schon rief man die Geister eines wohlbekannten romantisch-idealistischen Elitismus auf den Plan.
Wie ist es jenseits dieses betrieblichen Rollbacks um das deutschsprachige Erzählen heute bestellt? Alles eitel Langeweile, Literatur aus zweiter Hand, auf provinziellem Niveau? Wo sind die frischen Stimmen von internationalem Rang?
Thomas Kraft distanziert sich in seinem Essay von den Klagegesängen der Literaturkritik und der Buchbranche und bricht eine Lanze für eine selbstbewusste zeitgenössische Erzählliteratur deutscher Sprache. Als Tour d´Horizon führt er durch ein vielschichtiges Spektrum interessanter literarischer Wortmeldungen der letzten zehn Jahre, äußert sich zur Pop-Literatur ebenso wie zur »Generation Trabant«, zur deutsch-jüdischen Literatur und zu einer neuen Literatur der Arbeitswelt. Pointiert und streitbar zeigt er auf, was die deutschsprachigen Leser an ihrer Literatur haben.

»Wer nach dieser temperamentvollen Werbeschrift noch meckert, muß als unbelehrbar preisgegeben werden.« Tilman Krause, Die Literarische Welt
»Thomas Krafts Buch ist geistreich, hervorragend geschrieben und von ›guter Absicht‹ getragen.« Tanja Dückers, Jungle World
»Kraft weist in dem hübsch aufgemachten Band zunächst allerhand neuere Thesen vom Niedergang zurück (Schlaffer, Böttiger, Winkels) und zeichnet dann ein Panorama dessen, was gegenwärtig in der deutschen Sprache geschrieben wird.« Julia Schröder, Stuttgarter Zeitung
»Das Buch ist wichtig und richtig. Nicht zuletzt stellt es ein Plädoyer dar für eine selbstbewusste und gerne auch subjektive Literaturkritik. Kritiker, die keine Meinung haben und dazu noch unfähig sind, diese auszudrücken, gibt es da draußen ja genug.« Tina Manske, satt.org
»Das ist schon anständig und aller Ehren wert, was der Literaturkritiker und Literaturlexikonherausgeber Thomas Kraft hier versucht. Nämlich in einer Zeit, da sich die deutschsprachige Literatur nicht mit viel Ruhm bekleckert und erschwerte wirtschaftliche Rahmenbedingungen vorfindet, in einer ›Werbeschrift‹ zu erklären, ›warum die deutschsprachige Literatur besser ist als ihr Ruf‹. Das kann man ja gar nicht oft genug sagen.« Gerrit Bartels, taz
»[...] eine Miniatur-Literaturgeschichte der jüngsten Vergangenheit. Sie ist deswegen so sympathisch, weil sie weniger analysieren als begeistern möchte [...]« Johannes Breckner, Darmstädter Echo
»Man sollte also nicht weiter klagen, dass manch wichtiges Buch bei Kraft in vielleicht zu knappen Worten abgehakt wird, denn das Wesentliche glückt ihm genauso wie Winkels: das Gedächtnis des Lesepublikums aufzufrischen und Lust zu machen auf die häufig unterschätzte deutschsprachige Literatur unserer Tage.« Stephan Landshuter, Tages-Anzeiger
»Thomas Kraft erweist sich in seiner Werbeschrift als ein Kenner, der ein weites Feld überblickt, aber ebenso als ein höchst subjektiver Liebhaber.« Heribert Hoven, Landshuter Zeitung

Thomas Kraft: Schwarz auf weiß · Warum die deutschsprachige Literatur besser ist als ihr Ruf. Eine Werbeschrift
kookbooks _ Reihe Essay _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 1

128 Seiten, 4 Schmuckblätter auf Transparentpapier mit Zeichnungen nach Motiven aus dem Band von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 14.90 Euro, ISBN 9783937445120

Silke Andrea Schuemmer

Remas Haus · Roman

Es sind Bilder von berauschender poetischer Kraft und Klarheit, die der namenlose Protagonist in Silke Andrea Schuemmers erstem Roman findet, um von seiner Liebe zu Rema zu berichten, deren Wurzeln bis in die Tage der Kindheit zurückreichen, um sich ihr in immer drängender werdenden Erzählbewegungen anzunähern. In Briefen, die an niemand anderen adressiert sind als an den Leser selbst, legt er Zeugnis ab: von seiner Lehre bei der heiligen Korbflechterin, vom Alten, dem Vertrauten der Mutter, die so anders war als die Frauen der Stadt, vom Vater und dessen Verwandlung in den Habicht, der nach ihrem Tod alle von ihr gepflanzten Bäume abschlägt und die Vögelinnen zerdrückt, von seinem eigenen fluchtartigen Aufbruch, seiner Zeit bei den kupferfarbenen Geschwistern, vom Reiter und den Bunkern um die Stadt, jenseits des Sees, und von den Strichmädchen, die schließlich, als er sich von dem Fenster, das allein ihm den Blick auf Remas Haus ermöglicht, nicht mehr lösen kann, zu seiner einzigen Verbindung nach draußen werden.
So eng schnürt er seine Fäden um Rema, so stark ergreift sie Besitz von ihm – und er von ihr –, dass er glaubt, ihr nur noch im Tod begegnen zu können ...
»Remas Haus« ist ein Roman über die Leidenschaft zur Literatur, über die Lust des Schreibenden und die Lust des Lesers, ihm dabei zuzusehen.

»eine[r] der virtuosesten, poetischsten und zugleich sperrigsten und verstörendsten deutschsprachigen Romane der letzten Jahre [...] Wie ein Fiebertraum überwältigt die elementare Kraft von Schuemmers Sprache den Leser, reißt ihn in einen Strudel des Phantastischen.« Frank Schorneck, Macondo
»Ein gutes Buch« Olaf Velte, Am Erker
»Um diese Buchcover angemessen zu würdigen, zu preisen, zu feiern, müsste man ein Buch schreiben. Das Konzept ist raffiniert, jedes Detail wurde perfekt umgesetzt, die Elemente sind so stimmig und zahlreich, dass die Gestaltung lange vom Lesen abhält. Glaubt man. Doch wer den Umschlag betrachtet, aufklappt und befühlt, wird nicht abgehalten - sondern vorbereitet. Die Gestaltung macht uns vertraut mit einem schwierigen, aber gewaltigen Buch. Seine Geschichte begreift nur, wer sich auf die Logik des besessen liebenden Erzählers einlässt, seine starken Bilder wirken lässt, ohne gleich alles wissen zu wollen.«bücher-Magazin

Silke Andrea Schuemmer: Remas Haus · Roman
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 3

160 Seiten, Coverstanzung, Coverinnenseite bedruckt, vier Schmuckblätter auf Transparentpapier mit Zeichnungen nach Motiven aus dem Band von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 15.90 Euro, ISBN 9783937445106

Nele Probst

Stückwelten · Nele Probst - Malerei und Holzreliefs

Katalog anlässlich der Ausstellung »Stückwelten«, die von September 2003 bis März 2004 im Auswärtigen Amt, Berlin, gezeigt wurde. Viele farbige Abbildungen mit Begleittexten der Kunsthistoriker Lucas Elmenhorst und Heide Müller.
»Probsts Herangehensweise ist eine neugierige, spielerische, die um die Frage kreist, wie man ein Bild malen kann, in das der Betrachter hineingelangen kann, das ihn umfängt. Sie splittert die Perspektive in zahlreiche Fluchtpunkte auf, verlagert die Fluchtpunkte hinter den Betrachter und erweitert so das Bild in den tatsächlichen Raum hinein. Der Bildraum bleibt undefinierbar, und auch die Vogelperspektive in »Fehrbellinsee« gibt nur einen scheinbaren Überblick. Es gibt keine kontinuierliche Raumillusion mehr in ihren Bildern, sondern eine Addition einzelner Bestandteile aus verschiedenen Realitätsebenen. Sie erweitern unseren Horizont, so dass man in Nele Probsts Teilern um die Ecken herum sehen kann.« Lucas Elmenhorst

Nele Probst: Stückwelten · Nele Probst - Malerei und Holzreliefs
kookbooks _ Reihe Kunstbuch _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 3

80 Seiten, durchgehend vierfarbig, viele Abbildungen, 14 x 21,3 cm, Paperback, 19.90 Euro, ISBN 9783937445113

Jan Brandt

(Hg.) Doppelpass · Geschichten aus dem geteilten Fußballdeutschland

Hamburg, Volksparkstadion, 22. Juni 1974: In der Vorrunde der ersten auf deutschem Boden ausgetragenen Fußballweltmeisterschaft kommt es zum ersten und einzigen Länderspiel BRD – DDR. Um 21:03 Uhr, in der 78. Minute, macht der spätere Zwickauer Bürgermeister Jürgen Croy, damals Torwart der Betriebssportgemeinschaft Sachsenring Zwickau, einen weiten Abstoß, Erich Hamann, Hauptmann der Nationalen Volksarmee und gerade eingewechselter Mittelfeldspieler vom FC Vorwärts Frankfurt/Oder, flankt auf Jürgen Sparwasser vom 1. FC Magdeburg, der den Spielzug zum 0:1 vollendet.
Seitdem ist das Sparwasser-Tor Teil des kollektiven Gedächtnisses. In der Begegnung zwischen der BRD- und der DDR-Auswahl verdichtet sich ein Stück deutsch-deutscher Geschichte: Für die einen war es ein Duell, bei dem »Deutschland gegen die DDR« spielte, für die anderen waren es »90 Minuten Klassenkampf«.
11 ost- und 11 westdeutsche Autoren treten an, um von »König Fußball« zu erzählen, vom Hochmut und Fall westdeutschen Größenwahns und dem Sieg ostdeutschen Teamgeistes, von ihrer ganz eigenen Beziehung zum wichtigsten Tor der deutsch-deutschen Fußballgeschichte und davon, warum Fußball »unser Leben« ist – oder warum auch gerade nicht.
Pünktlich zum 30. Jahrestag am 22. Juni und zur Europameisterschaft in Portugal. Ein Buch, an dem keiner vorbeikommt!

Es spielen
für die BRD: Hennig Ahrens, Ralf Bönt, Jan Böttcher, Gerhard Henschel, Tobias Hülswitt, Georg Klein, Tobias O. Meißner, Rainer Merkel, Georg M. Oswald, Jochen Schimmang, David Wagner.
für die DDR: Volker Altwasser, Matthias Biskupek, Thomas Brussig, Andreas Gläser, Falko Hennig, Karsten Krampitz, Erich Loest, Steffen Popp, Tom Schulz, Frank Willmann, Gernot Wolfram.

»Die Autoren aus Ost und West [...] sezieren das ›Stück deutsch-deutscher Geschichte‹, die ›90 Minuten Klassenkampf‹, mit viel Sprachwitz und durch weg fachkundigen Anmerkungen. Gelungenes Rückspiel.« Johann Kemper, 11 Freunde
»Es ist eine äußerst gelungene Sammlung - Texte von kurzweiliger, aber doch nachwirkender Qualität, die wie ein gutes Spiel auch in den Wiederholungen noch neue Nuancen offenbaren. [...] Man könnte es als ausgezeichnete Einführung in die Gattung der Fußball-Literatur nehmen, oder zumindest als Basis zur Begründung derselben.« Stefan Erhardt, Der tödliche Passe
»so ist das von Jan Brandt zusammengestellte Buch mehr geworden als ein weiterer Ranschmiss ans neue Popding Fußball. Es gibt eine Menge zu lernen, über die diversen Biografien aus ehemals getrennten Landesteilen, über die verschiedenen Generationen (die Autoren sind zwischen 1926 und 1978 geboren) und den Umgang mit dem identitätsstiftenden Gut Fußball. In der deutschen Geschichte, nicht nur des Jahres 1974, zur Hoch-Zeit des kalten Krieges und der Sozialdemokratie, sondern auch und gerade heute.« René Hamann, taz

Jan Brandt: (Hg.) Doppelpass · Geschichten aus dem geteilten Fußballdeutschland
kookbooks _ Reihe Prosa _ Band 2

272 Seiten, Anthologie, herausgegeben von Jan Brandt, Klappenbroschur, 17.90 Euro, ISBN 9783937445090

Jakob Dobers, Rainer Leupold

Falsche Russen im Buch · Geschichten

Anrührend und hinreißend komisch sind diese Geschichten des Ausnahmetalents Jakob Dobers, der als Kopf der Berliner Band »Zimtfisch« seit Jahren musikalische Erfolge feiert. Wanja, Sonja und Dimitri heißen die Protagonisten seines ersten Erzählbandes. Als »Falsche Russen« und Schiffbrüchige des ganz normalen Wahnsinns probieren sie sich an der eigenen Identität und an Antworten auf die drängende Frage, warum sie voneinander nicht loskommen können. Mit kongenialem Witz und Liebe für all die winzig-riesenhaften Unbilden und Schönheiten des Alltags übersetzt Rainer Leupold ihre Suche in farbenprächtige Bilder. So sind Wanja, Sonja und Dimitri unterwegs, ohne wissen zu müssen, wohin ihre Reise eigentlich gehen soll.
Nach ihren Bühnenerfolgen mit Jakob Dobers Trio »Sorry Gilberto« sind die »Falschen Russen« jetzt erstmals in Buchform zu genießen. Ein Glücksfall zum Verschenken und Selberlesen!

Jakob Dobers, Rainer Leupold: Falsche Russen im Buch · Geschichten
kookbooks _ Reihe Kunstbuch _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 2

48 Seiten, Geschichten von Jakob Dobers mit farbigen Illustrationen von Rainer Leupold, gebunden mit Schutzumschlag, durchgängig vierfarbig, 20,5x27 cm, 18.80 Euro, ISBN 9783937445069

Steffen Popp

Wie Alpen · Gedichte

»Du hast nicht das Ding, sondern deine Grenze« – diesem Diktum Spee von Ohrenbergs auf der Spur, betreiben die Gedichte Steffen Popps nichts Geringeres als die Erforschung des unerhörten Geheimknotens, den die Gegenstände mit ihren Begriffen, die Lebenswelten und Situationen mit ihren Bewohnern bilden. Nahe am Taumel sind sie unterwegs, ohne das Licht zu verlieren oder die Erdung der »Zwiebeln, die auf dem Tisch liegen«. Durch ihre eindringlichen, pulsgenauen Rhythmen äugen Hasen und Heilige, winken Piloten und Meere, täuschen die Engel der Tankstellen – Agenten einer in Wunder und Schaum zerfallenden Gegenwart, die für ein »gemeinsames Wohnglück« rüsten.
Eigensinnig und geistreich, voll leiser Ironie und immer neu staunend entwirft Steffen Popp poetische Landschaften von berückender Schönheit. In der jungen Lyrikszene bereits Kult, sind seine Gedichte nun erstmals in Buchform zu entdecken. Ein überzeugendes Debüt und ein höchst erbaulicher Lesegenuss.

»›Wie Alpen‹ (...) gehört zu der Sorte von Gedichtbänden, aus denen man unablässig zitieren möchte. Einerseits, weil jedes Gedicht ein so sorgsam abgewogenes Gewebe aus Rhythmus und Klang bildet und dabei voller origineller Bilder, Wendungen und Gedanken steckt. Andererseits aber möchte man Popps Lyrik für sich stehen lassen, weil Prosasätze ihr kaum gerecht werden können, weil das beschreibende oder gar wertende Wort sich zu diesen vibrierenden Versen verhält wie der Rabe zur Nachtigall. Dabei kommen die Gedichte so schlicht daher; ohne dass man zum Fremdwörterduden greifen müsste, frei auch von syntaktischen Überspanntheiten. Doch überrascht ihre Fügung immer wieder. So rätselhaft sie häufig scheinen, so einleuchtend sind sie in ihrem Gestus, in der Wortbewegung, die sie ausführen.« Tobias Lehmkuhl, Berliner Zeitung
»Vierzig Halluzinogene in Pillenform. Bewusst verquere Verse von hinten durch die Brust ins Auge, wo sie in bengalischen Farben explodieren.«Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel
»Nichts weniger als eine Sensation ... Wie seine ›Kreuzfahrer in ihren Einmanntorpedos‹ geht Steffen Popp noch einmal aufs Große und Ganze. Es ist schon ausgemacht, dass ihm dabei vieles gelingen wird.« Jamal Tuschick, Frankfurter Rundschau
»Die verblüffende Dynamik seiner Gedichte verdankt sich dem beherzten Zugriff auf alte Formen wie der Ode, die der Autor in kühner Sprachmischung mit eminent modernen Bildern und Tönen in Berührung bringt. Der hohe Ton kann bei Popp innerhalb eines Verses in lässige Schnoddrigkeit umschlagen, der Surrealismus in die schiere Alltagsnotiz.« Michael Braun, Deutschlandfunk
»Die Gedichte glänzen mit fast genialisch anmutenden Zeilenperlen von E.T.A. Hoffmannscher Verstiegenheit: ›am Fenster der grauen Kaschemme / rollte das trunkene Auge des Heimleiters‹. Und wenn man je darauf gewartet hat, jemanden nach Größtem greifen zu sehen, findet man hier das ›Gralslicht der Tankstellen‹.« Hendrik Jackson, Der lyrikkritik.de
»In ›Wie Alpen‹ lässt Steffen Popp auf Metaphern von klarer Schönheit waahnwitzige Bildkaskaden folgen, treibt seine Gedichte in pathetische Gesten und übersteigert sie ironisch, wechselt flink die Sprachebenen.« Rainer Stolz, tip Berlin
»Das Konvulsivische an Popps Gedichten äußert sich in der Lust an sprachlichen Volten, kühnen Metaphern und verblüffenden Bildfindungen: ›Mein Herz ist eine Gräfin, umstellt von Pflegern‹. Nach wenigen Zeilen schon spürt man sein Faible für das stilistische Überschäumen, für die so gelungene wie bewusst eingesetzte Hyperbel und die gezielte Überzeichnung [...] In den so entstehenden vielschichtigen Sprachlandschaften, die auf eine mit den Dingen verbundene ›Geheimschrift‹ der Poesie vertrauen, wird der hymnische Ausbruch sogleich mit einem ironischen Gegengewicht versehen, werden die gesalbten Worte wie ›Ewigkeit‹, die Popp nicht scheut, durch schlechte ›Hotels und eine unendliches / Parkhaus‹ verbaut und bekommen die gelegentlich auftauchenden Engel reichlich ungewöhnliche Gesellschaft - ›ein letzter / mechanischer Hase am Weltrand, er / winkt uns ...‹«Jan Wagner, Ostra-Gehege

Steffen Popp: Wie Alpen · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 2

72 Seiten, vier Schmuckblätter auf Transparentpapier mit Zeichnungen nach Motiven aus dem Band von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 13.80 Euro, ISBN 9783937445038

Jan Böttcher

Der Krepierer · Erzählung, gelesen vom Autor

Mit schwer angeschlagener und dezimierter Crew kehrt der Kapitän zurück ans heimatliche Ufer – und wird bereits von drei gefürchteten Gestalten erwartet: Der alte Panzergrenadier, ein »junger Wilder« Fide Appelsnut und der Krepierer sehnen sich nach den Details der verunglückten Seefahrt. Dabei hat das Trio selbst über seinen Hafenort viel mehr Wahnsinn zu berichten.
Eine Erzählung über die Grenzen von Traum und Wirklichkeit. Fern der See vom Autor und seinen norddeutschen Ichs eingelesen.

»Ein spannendes Stück jüngster, deutscher Literatur.«Martin Becker, hr2

Jan Böttcher: Der Krepierer · Erzählung, gelesen vom Autor
kookbooks _ Reihe Hörbuch _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 1

33 Min. Spielzeit, gelesen vom Autor, 9.95 Euro, ISBN 9783937445083

Heide Henschel, Thomas Mohnike

Luise und das langweiligste Buch der Welt

Am Anfang ist da ein Ballon. Später werden Bär und Löwe ziemlich zornig. Doch am Ende hat eine zerknirschte Luise neue Freunde gewonnen, die sie vorher für bloß erfunden hielt. Was dazwischen geschieht und wie die drei zueinander finden, das erzählt Thomas Mohnike mit großem Gespür für die bereichernde Kraft der Phantasie. Es gelingt ihm, aus wenigen Worten eine Welt zu bauen, die sich von Seite zu Seite aufs Neue verblüffend aufblättert. Von Heide Henschel liebevoll mit feinem Pinselstrich auf Aquarellbögen gezeichnet, muss man Luise, Bär und Löwe einfach ins Herz schließen.
Eine ganz und gar nicht langweilige Geschichte von Luise und was sie erlebte, als sie das langweiligste Buch der Welt las. Zum Anschauen, Lesenlernen und Vorlesen. Für kleine und große Kinder ab zwei Jahren.

Heide Henschel, Thomas Mohnike: Luise und das langweiligste Buch der Welt
kookbooks _ Reihe Kinderbuch _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 1

32 Seiten, durchgehend vierfarbig, 16 x 18,5 cm, gebunden, 12.80 Euro, ISBN 9783937445076

Ron Winkler

vereinzelt Passanten · Gedichte

Als ein »Raunen in der Wahrnehmung« beschreibt Ron Winkler den Moment, wo das Schauen, Hören, Begreifen sich plötzlich weitet und ein Gedicht beginnt. Auf seinen Streifzügen »auf der knirschenden Zunge der Mole« oder entlang von »Brustbeinen (Kaps), Hälsen (Flussmündungen), / Rücken (für gewöhnlich Buchten)« fängt der Dichter solches Raunen ein. Es sind feine, genaue Beobachtungen, die übersetzt werden in Sprachbilder von seltener Intensität und Konzentration.
Ron Winklers Gedichte begreifen sich als »Satzzeichen eines alten Gesprächs«. Und im Dialogischen ihres Sprechens geben sie den Raum für ein »seltsames Seestaunen« und eine Offenheit, bereit für das Wunder des Augenblicks.

Mondseer Lyrikpreis 2006
Leonce-und-Lena-Preis 2005

»Die Gedichte Ron Winklers sind schön, egal ob der Satz, bei dem man sich gerade aufhält, ganz genau weiß, was damit gemeint ist. Sie übertreiben aber nicht mit ihrer Schönheit, diese ist vielmehr ein leiser Eintrag in lakonisch inszenierte Aufrisse von Welt. [...] Manchmal reagieren die Bilder gereizt, was beim Gedicht ja eine besondere Qualität bedeutet, dann resümieren sie: ›aus einer Schleppe von Worten, / mit der du die Bucht im Fortgehen bestreichst, lese ich / noch: diese Heilanstalt ist dir die liebste.‹« Gerhard Falkner
»Winklers prinzipielle sprachliche Zeitgeistigkeit ist überwältigend, die Gefahr einer aus dem Pathos entstehenden Lächerlichkeit für uns Zeitgenossen völlig ausgeschlossen.« Katharina Döbler, Die Zeit
»Winklers Gedichte verströmen eine ansteckende, vitale Leichtigkeit.« Henning Henske, Rheinische Post
»[Ron Winklers] Bestreben, Welt und Wahrnehmung gleichermaßen einzubinden, zeigt sich selten als Mühe, vielmehr als ›seltsames Seestaunen‹ oder ›Ideenspiel‹ - worin das Glück poetischer Erfahrungsprozesse nur darauf wartet, überzuspringen.« Rainer Stolz, tip Berlin
»Wer glaubt, das Wichtigste über die Jahreszeiten zu wissen [...] hat an dieser Stelle die Gelegenheit, diese allgemein bekannten Eckpunkte der Jahresuhr zu verlassen und sich auf dei Feinheiten, sozusagen die Minuten, einzulassen [...] Ein überzeugender Gedichtband. Bestellen!« Stefan Heuer, The Punchliner
»Die kontinuierliche ›Einspeisung von Reflexion‹ (Peter Geist) in die Naturbilder ist einer der besonderen Reize dieser Sammlung. Überraschende und oft sehr komische Verweise (›siehe Moses‹) öffnen Poren in den ohnehin schon vielschichtigen Momentaufnahmen. Nach und nach pendelt man sich ein in dieser gedichteten Welt und erfährt das Lesen selbst als einen großen, langsamen Genuss.« Michael Duszat, Gold-Magazin

Ron Winkler: vereinzelt Passanten · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 3

72 Seiten, vier Schmuckblätter auf Transparentpapier mit Zeichnungen nach Motiven aus dem Band von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 15.90 Euro, ISBN 9783937445045

Johannes Jansen

Liebling, mach Lack! · Die Aufzeichnungen des Soldaten Jot Jot - Faksimiles

Ein alltäglicher Vorgang: Ein junger Mensch, keine 20 Jahre alt, wird von der Staatsmacht, die ihn zu vertreten meint und auf deren Tun er doch so gut wie keinen Einfluss hat, seinem Umfeld entzogen und hinter Draht gebracht.
Als der Dichter Johannes Jansen von 1985 bis 1987 seinen »Ehrendienst« als Soldat der Nationalen Volksarmee der DDR leistet, hält er seine Erfahrungen in einem heimlich geführten Tagebuch fest. Die Tuschezeichnungen und handschriftlichen Texte Jansens sprechen vom »Kulissenkrieg« hinter den Kasernenmauern, dem Leben im »Käfig«, von der täglich erlebten Gewalt, die Wut provoziert und Widerstand. Im Ringen mit der »Geilheit des Krieges« suchen sie Liebe und weisen auf die unauslöschliche Sehnsucht der Menschen nach Frieden.
Viele zentrale Motive späterer Arbeiten Jansens haben in diesem Material ihre Quelle. Die Aufzeichnungen, die nun erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, sind ein einzigartiges zeithistorisches Dokument und ein Schlüssel zu Jansens Werk.

»Das Maß an provokativer und kapitulierender Kraft ist immens. Sind schon die Gestalten, die auf den Blättern Hausrecht erworben haben, Gegenentwürfe zu jedem wie auch gearteten Soldatenbild, so provoziert die Sprache, die sich organisch einnistet, gnadenlos. Ihr Wesen ist es, den soldatischen Jargon umzubrennen in Wörter, die Ausweg sind. Alltägliche Redefetzen erhalten die Wahrheit zurück, die sie unbewusst verbargen.« Roland Berbig
»In seinen frühen Text-Bild-Arbeiten spiegelt sich ein Lebenstrotz gegen das absterbende Land, wie ihn niemand aus seiner Generation intensiver beschworen hat.« Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel
»Ein Tagebuch der Grausamkeiten, das von der Sehnsucht nach Frauen und Freiheit erzählt. Und vom ›Verbrechen‹, Kunst zu produzieren.« Die Welt
»Staunen muß man auch, was Jansen in seiner NVA-Zeit schreiben gelernt hat. In der Sammlung aus zwei erhaltenen Skizzensammlungen und mehreren Einzelblättern ist ein Künstler am Werk, der anfangs noch nicht weiß, ob der Graphiker oder der Dichter das letzte Wort behalten wird. Diesen harmonischen Streit einer Doppelbegabung mit sich selbst kann man nun in einer vorbildlich edierten Faksimileausgabe bestaunen, die nicht nur in aufwendiger Manier die teilweise zusammenmontierten und übermalten Skizzenblätter versammelt, die Jansen schon vor der Enttarnung als Künstler an seine Mutter gesandt oder später gerettet hatte, sondern dieses Material auch ergänzt um die Transkription der bisweilen schwerleserlichen Aufzeichnungen und ein hochinteressantes Gespräch mit dem Autor. [...] der Emanzipationsweg eines Schriftstellers, der zu den bemerkenswerten Stimmen seiner Generation gehört.« Andreas Platthaus, FAZ
»Das Papier, das Jansen benutzte, stammte aus einem NVA-Fahrtenbuch mit den Rubriken ›Absendestelle‹, ›Meldung‹, ›Abgegangen‹, ›Angekommen‹. Auf diesem bürokratisch-militärischen Territorium lässt er seine expressive Kunst geradezu explodieren. Es ist, als erobere er ein feindliches Gelände für sich. Auf radikale Weise behauptet sich ein Subjekt mit eigenem Ausdruckswillen in einer Welt, in der Subjektivität eigentlich nicht vorgesehen ist.« Jörg Magenau, Deutschlandfunk
»Die Aufzeichnungen des Soldaten Jot Jot [...] sind ein einzigartiges Zeitdokument, durch die Sorgfalt der Herstellung außerdem eine editorische Kostbarkeit.« Hannes Würtz, Neues Deutschland
»Jene dunklen Blätter aus dem Käfig lassen erahnen, wie aus dem erbitterten Widerstand gegen das System der aufrechte Gang erwuchs.« Renatus Deckert, Lose Blätter
»[...] eine bemerkenswerte Publikation, die aus der Distanz der Zeit zu Recht den Rang einer poetischen Dokumentation für sich beanspruchen kann [... Die Blätter vermitteln] auf höchst verdichtete Weise einen Einblick in den Alltag der ostdeutschen Armee, insbesondere in die Befindlichkeit und Betroffenheit solcher untersten Befehlsempfänger, deren Gefühle und Gedanken sich nicht verbiegen ließen.« Detlef Hamer, Das Parlament

Johannes Jansen: Liebling, mach Lack! · Die Aufzeichnungen des Soldaten Jot Jot - Faksimiles
kookbooks _ Reihe Kunstbuch _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 1

220 Seiten, 2 Mappen mit Zeichnungen und Texten, Ergänzungsband mit Dokumenten und einem Gespräch mit Johannes Jansen, Nachwort von Roland Berbig, in der Kassette, 15 x 21 cm, 44.00 Euro, ISBN 9783937445021

Jan Böttcher

Lina oder: Das kalte Moor · Erzählung

Kann man mit zwanzig Jahren auf sein Leben zurückblicken, als müsste es vollständig sein?
Der Ich-Erzähler in Jan Böttchers Erzähldebüt »Lina oder: Das kalte Moor« legt einen Bericht vor über sein Aufwachsen in der Generation Golf: ein Hochhausviertel unweit der Zonengrenze, Mangel, die Anzüglichkeiten am Stammtisch und eine Sprachlosigkeit, die noch das Verbrechen deckt.
Und dann ist da Lina, das erste Mädchen - sie soll die Einzige bleiben. Mit ihr beginnt er zu laufen. »Der Fluss ist das Bild rauszukommen.« Doch der Fluss vereist schon im ersten Winter.
Dort, wo das Land endet, schiebt sich Juliette ins Bild, das Au-pair-Mädchen aus der Nachbarschaft ...
»Lina oder: Das kalte Moor« lässt die westdeutschen achtziger Jahre auferstehen, eindringlich erzählt aus einer Perspektive, in der die Mauer noch Gegenwart ist. Fünfzehn Jahre später erkennen wir alles wieder: Beklemmung und Ausbruch; Pubertät, die lakonisch sein will und am großen Gefühl hängt.
Jan Böttchers Erzähler wählt den Textblock als Schreibform. Und verrät durch seine detailgenaue Wahrnehmung und seine Pointen mehr, als er selbst preisgeben will.

»Spröde, kalt und schön ist der Erzählton von Jan Böttcher in diesem Buch über Anpassung und Rebellion in den 80er Jahren im niedersächsischen Zonenrandgebiet.« Denis Scheck, Druckfrisch, ARD
»Jan Böttcher beschreibt melancholisch, klug und in immer wieder überraschenden Bildern ein vergangenes Westdeutschland, das mitunter ähnlich märchenhaft wirkt wie die alte DDR. [...] Ein erstaunlicher Fund.« Jana Hensel, KulturSPIEGEL
»[Böttchers] überzeugend konstruierte, an originellen und einleuchtend präzisen Formulierungen reiche Erzählung gehört übrigens zum ersten Programm des neugeborenen Kleinverlags ›Kookbooks‹, einer Schwester des ›Herr Nilsson‹-Plattenlabels ›kook‹. Diesem literarischen wie verlegerischen Debüt kann man nur den allerbesten Start wünschen.« Richard Kämmerlings, FAZ
»Der Segregationsprozess, der einen großen Teil der aufstrebenden Mittelschichten bereits seit den späten Sechzigerjahren und bis heute zuerst an den Rand der Städte und dann ins Grüne treibt, macht den Erzähler zu einem rebel without a cause: ›Man sagt mit siebzehn: Ich kann hier nicht mehr weiterleben, alles soll Konsequenzen haben – und genau an diesem Punkt stellte sich mein Vater hin und nahm den Schritt vorweg.‹ Das ist vielleicht die traurigste Erkenntnis in diesem desillusionieren und damit äußerst zeitgemäßen Heimat-Roman. ›Lina: oder das kalte Moor‹ erzählt eine Geschichte aus einer neuen und modernen Provinz, für die die Literatur bisher kaum Worte hatte. Mit Jan Böttcher lernen wir die ersten Vokabeln.« Kolja Mensing, EDIT

Jan Böttcher: Lina oder: Das kalte Moor · Erzählung
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 1

104 Seiten, vier Schmuckblätter auf Transparentpapier mit Zeichnungen nach Motiven aus dem Band vonAndreas Töpfer, Klappenbroschur, 14.40 Euro, ISBN 9783937445014

Daniel Falb

die räumung dieser parks · Gedichte

Gedichte schürfen an der Haut unserer Wahrnehmungen. Indem wir uns an ihnen reiben, lassen sie uns verändert zurück, mit geschärften Sinnen. Fast wie nebenbei gelingt es ihnen auf engstem Raum, komplexe Vorgänge ins Licht zu setzen.
Wie dicht dran Gedichte damit sein können, zeigt Daniel Falbs Debütband »die räumung dieser parks«. Präzise schnoddrig, selbstironisch und mit jener Spröde begabt, die Konfliktpotenziale nicht übergeht und das Zärtliche benennen kann, ohne Betretenheit zu erzeugen, loten sie den Grat aus, auf dem sich poetisches Sprechen heute bewegt. Im Fokus haben sie ein Panorama aus Alltagswelten unserer Mediengesellschaft, das von Party-, Arzt- oder Mallbesuchen über Diskurse aus Bioethik und Genderforschung bis zur inneren Sicherheit reicht.

Lyrik-Stipendium der Stiftung Niedersachsen 2006
Lyrik-Debüt-Preis 2005

»Es sind Beobachtungen von minutiöser Zeitgenauigkeit, von poetischer Pünktlichkeit beim Eintreffen von Gegenwart oder an der persönlichen Unfallstelle.« Gerhard Falkner
»Daniel Falb ist ein erfrischender Lyriker, weil er für Überraschungen stets gut ist und unserer Phantasie keine Zäune verpasst, sie vielmehr freizusetzen vermag.« Joachim Sartorius, Süddeutsche Zeitung
»Falb glückt es wie nur wenigen, die Alltagssprache der Spannung des Gedichts auszusetzen, seiner rhythmischen und semantischen Komplexität. [...] Das Erstaunlichste freilich ist: Daniel Falbs Gedichte machen Spaß.« Tobias Lehmkuhl, Der Tagesspiegel

Daniel Falb: die räumung dieser parks · Gedichte
kookbooks _ Reihe Lyrik _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 1

72 Seiten, vier Schmuckseiten auf Transparentpapier mit Zeichnungen vonAndreas Töpfer, Nachwort von Gerhard Falkner, Klappenbroschur, 13.80 Euro, ISBN 9783937445007